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Fest auf grüner Bühne

Das Forstamt lockt mit spannenden Attraktionen in den Domherrnwald

Das Team des Forstamts Königstein hat am Sonntag im Domherrnwald Einblicke in die moderne Forstwirtschaft, den Naturschutz und die Waldpädagogik gegeben. Die Idee hinter dem Waldfest ist einfach: Kinder sollen an die Natur und den Wald herangeführt und die Erwachsenen für die Themen weiter sensibilisiert werden.

Der Wald ist eines der wichtigsten Ökosysteme dieses Kontinents. Die Bäume werden zum Atmen gebraucht und der Wald zunehmend auch als Ruhepol genutzt. Auch wirtschaftlich gesehen ist Holz ein wichtiges Naturprodukt für den Menschen. Damit aber Mensch und Wald harmonisch zusammenleben, ist ein sensibler Umgang mit der Natur notwendig.

Deshalb haben sich Fachleute, die mit dem Thema rund um den Wald bestens bewandert sind und reichlich Informationen haben, zur Organisation des diesjährigen Waldfestes zusammengesetzt.

Der Domherrnwald bietet die grüne Bühne für das Fest des Königsteiner Forstamtes. Mit Hilfe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Hofheim und der Waldjugend Kelkheim und Hofheim wurde hier am Sonntag

Erlebnispädagogik

für alle Sinne und alle Generationen geboten. Förster erläuterten bei einem Waldrundgang aktuelle Themen der Forstwirtschaft. Die Besucher erfuhren außerdem, wie die nachhaltige Nutzung des Waldes abläuft, wie man Wald natürlich verjüngt und dabei auch etwas für den Artenschutz tut.

Falko Chlosta und seine Frau Inge sind jedes Wochenende im Domherrnwald unterwegs. „Es zieht uns immer hier her“, erzählen die beiden Naturliebhaber am Sonntagmorgen in fröhlicher Wanderrunde mit Ziel Waldfest. „Dass heute das Waldfest stattfindet wussten wir nicht, aber jetzt ist ein kurzer Abstecher garantiert“, sagen die Wandervögel.

Christian Witt, Waldpädagoge des Forstamts Königstein und mit dem Organisationsablauf betraut, freut sich, dass bereits vor der offiziellen Öffnung um 11, viele Besucher vorbeischauen und sich über die Arbeiten rund um den Forst interessieren. „Wir haben für Kinder und Jugendliche einen Walderlebnisparcours aufgebaut, den selbstverständlich auch Erwachsene nutzen können“, sagt Witt. Es galt Tiere zu entdecken am Stand der Deutschen Waldjugend, Waldpuzzle zu lösen und mit Geschicklichkeit Punkte zu sammeln.

Aber auch die Informationen seien umfangreich und auch für ältere Generationen spannend, so der Waldpädagoge. Gezeigt wurden ferner bestimmte Produktionsabläufe von früher und heute, die durch Führungen und eingehenden Erläuterungen noch ergänzt wurden. „Dazu gehört ein Einblick in die Holzernte mit der hochtechnisierten Harvester-Maschine sowie das traditionsreiche Vorhieven mit dem Pferd“, so der Experte. Letzteres sei früher gang und gäbe gewesen, würde aber heute immer noch an bestimmten, schwer zugänglichen Stellen genutzt. Besonders interessant für alle Altersklassen ist immer wieder die Beizjagd mit Greifvögeln.

An insgesamt sieben Stationen erhielten Kinder und Erwachsene beim Waldfest Einblicke in das Ökosystem Wald und seine Bewohner. Wir haben uns fünf davon einmal etwas genauer angeschaut.

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Ein Spieltuch im Wald? Was kann das bedeuten? Die Waldjugend Hofheim war kreativ und bemalte ein Bettlaken mit vielerlei Tieren des heimischen Waldes. Dazwischen befinden sich im Stoff kleine, runde Löcher. Kinder und Jugendliche halten das bunte Tuch stramm in ihren Händen. Wer isst besonders viele Eicheln und ist auf dem Tuch zu sehen?, stellt sich die Frage. „Das Wildschwein“, kommt sogleich die Antwort.

Schwupps wird eine Eichel auf das Spieltuch geworfen, die in dem nahe dem Wildschwein gelegenen Loch zu versenken ist. Mit Geschicklichkeit und ein wenig Ausdauer gelingt es, das freche Waldfrüchtchen dem Wildschwein zuzuordnen. Doch auch Eichhörnchen und Reh müssen mit entsprechender Nahrung versorgt werden. „Wie gut, dass dieses Jahr reichlich Eicheln gereift sind“, sagt Waldpädagoge Witt.

Die Stauffenmuffel der Waldjugend Kelkheim sind fleißig. Bereits in den Morgenstunden haben sie tierische Exponate in einem Bereich des Domherrnwaldes versteckt, die es nun zu finden gilt. Zusätzlich zum Suchspaß geben Adriane, Bernhard, Kata und Sascha Auskunft über die in der grünen Lunge beheimateten Tiere. Sie motivieren: „Schaut mal, welche Tiere ihr findet und wie sie heißen.“ Sobald man alle Tiere gefunden hat, erhält man einen Stempel.

„Das ist ein Mufflon“, erklärt Kata. Klar doch, ist man schließlich nach diesem Tier und dem Kelkheimer Staufenberg benannt. Die Familien schlängeln sich durch das Dickicht und finden große Jäger mit guter Nase, wie das Wildschwein, aber auch kleine piksende Experten, wie den Igel.

Was versteckt sich in welchem Kasten? Das beliebte Ertasten von Blättern, Zapfen, oder Rinden nutzen die Kinder eifrig. Gerne gibt man sich Tipps oder rätselt gemeinsam. Denn mit den Fingern Dinge ertasten, ist nicht so einfach, wie mit den Augen zu sehen. Dass manchmal auch gute Ohren helfen, wissen die Waldprofis vom Forstamt. Getrocknetes Laub raschelt anders als Baumrinde.

„Das knistert und lässt sich gut zermahlen“, erkennen kleine Kinderhände. Die Lösung erfolgt prompt: „Das sind getrocknete Blätter.“ Und auch die runden, griffigen Kastanien lassen sich gut erfühlen. Zum Glück haben sie nicht mehr ihre stachelige Schale.

Den Ötzi hätten sie nicht mitgebracht, erklären die Mitglieder der Fuchs-, Fledermaus und Igelhorte. An ihrer Station geht es dennoch urig zu. Der Ötzi war ein richtiger Naturbursche und nutzte im Wald vorkommende Äste, Blätter und andere Materialien für Kleidung oder einfach nur zur Dekoration. Wer es noch nicht wusste: Seine Schuhe waren aus Lindenbast gefertigt. Und auch die Schutzhülle seines Messers bestand aus den kleinen struppigen Fäden, die in einer speziellen Technik miteinander verflochten durchaus robust waren.

Bildmaterial über unseren Vorfahren und viele interessante Infos über Ötzis Nahrung, das für seine Ausrüstungsgegenstände genutzte Holz, aber auch über sein Schicksal gab es für Kinder und Erwachsene.

Spaß, Geschicklichkeit und Sport wurden an der Zapfenwurfstation geboten. Dazu gab es selbstverständlich reichlich Informationen über große Zapfen und kleine Zäpfchen. Welche Zapfen fliegen am schnellsten, weitesten oder höchsten? Wie heißen sie? Und warum gibt es am Boden keine Tannenzapfen?

Die in einigen Metern Entfernung aufgebauten Fangbehälter füllten sich schnell. Die kleinen Wurfsportler trieb der Ehrgeiz an. „Wie viele Zapfen jeder nehmen möchte, bleibt den Kindern überlassen“, so die Helfer an der Station. Auch die Fangkörbe sind nach Können und Alter der Kinder ein wenig nach vorne oder hinten zu rutschen. Schließlich steht vor allem die Geselligkeit mit den Wurfpartnern und der Unterschied zwischen den im Körbchen bereitgelegten Wurfzapfen im Vordergrund. Fichten-, Kiefer- und Lärchenzapfen gilt es zu unterscheiden. Wer mit Tannenzapfen werfen wollte, musste allerdings zunächst in eine Tanne klettern und selber pflücken, denn Tannen- und Zedernzapfen fallen niemals runter.

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