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Uwe Eisenmann, parteiloser Ortsbeirat, und Sonja Kyritz zünden auf dem Schlossplatz eine Kerze an. Die Sorge um die zukünftige Nutzung des Höchster Schlosses hat am Samstagabend rund 150 Menschen zu einer Mahnwache getrieben.

Nutzungskonzept gefordert

Bürger halten Mahnwache – Was wird aus dem Alten Schloss?

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Viele Bürger wollen die Fragen um die Zukunft des Alten Höchster Schlosses rasch geklärt wissen und hoffen auf ein langfristiges Nutzungskonzept. Ihre Forderungen untermauerten sie am Samstagabend mit einer besonderen Aktion Nachdruck.

Höchst - Grablichter auf dem Brunnen des Höchster Schlossplatzes werfen ihr flackerndes Licht auf die Gesichter der Demonstranten. Mehr als 150 Menschen, vom Grundschulkind bis zum Senior, sind ins Schmuckkästchen des Stadtteils gekommen, lassen Plakate und Transparente für ihr Herzensanliegen sprechen: „Wir sind die Höchster, des Schloss ist unser“ oder „Kein Schloss vors Schloss“. Ein Sympathisant hat heißen Apfelwein organisiert. Irgendjemand ruft: „Wir sind das Schloss!“. Lachen brandet auf und federt die geschichtsträchtige Parole mit Humor ab. Zwei Polizeiwagen fahren im Schritttempo über den Platz, die Beamten beobachten die friedliche Szenerie – und sind auch schon wieder verschwunden.

Viele Demonstranten nutzen Selfie-Aktion am Alten Höchster Schloss

Viele Bürger machten an diesem Abend Selfies mit dem markanten Höchster Schlossturm im Hintergrund. Dazu hatte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz am Vortag aufgerufen, um den Einsatz der Schloss-Freunde anzuerkennen: Für jedes Foto, das die Stiftung am Samstag erreicht, wolle sie 50 Euro für die zusätzliche Instandsetzung zur Verfügung stellen.

„Ein tolles Angebot“ lobten die Organisatoren Tanja Huckenbeck und Uwe Eisenmann diese Initiative. Sie ersonnen auch für jene einen Weg zum Mitmachen, die etwa aus Datenschutzgründen Bedenken hatten: Sie konnten fürs Selfie zum Einen ihr Gesicht bis unter die Augen mit einem Zettel bedecken, auf denen Botschaften wie „Nicht die Tore schließen“ ihr Anliegen untermauerten.

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Zum Anderen boten die Veranstalter an, die Selfies an eine zentrale E-Mail-Adresse zu schicken, unter der die Selbstporträts gesammelt und an die Stiftung weiter gemailt wurden. „Da könnte einiges zusammenkommen“, sagte Tanja Huckenbeck zuversichtlich mit Blick auf die stattliche Menge auf dem Schlossplatz. Und sie nannte einen netten Nebeneffekt der zentrale Mailadresse: „So haben wir einen Überblick darüber, wie viele Fotos zusammengekommen sind – und können später besser nachhaken, in was die Summe genau investiert wurde.“ Genau 82 sind es geworden.

Nachverhandlungen über das Fluchtwegekonzept laufen noch

In einer kurzen Ansprache untermauerte Huckenbeck die Wünsche vieler Bürger nach baldiger Klarheit über die Zukunft des Schlosses. Dazu gehöre die Frage an die Stiftung und die Stadt, wie lange die Nachverhandlungen über das Fluchtwegekonzept noch dauern. „Wir finden es unverständlich, dass diese sich schon seit Monaten hinziehen – wenn es doch nur noch um ein paar Leute geht, die bei dem Konzept berücksichtigt werden müssen.“ Eine Entscheidung hier wäre wichtig, damit wir auch weiterhin das Schloss, und vor allem die Terrasse nutzen können“, so Huckenbeck. Die ins Spiel gebrachte Bürgerstiftung nannte sie „eine spannende Sache“, wünschte sich aber auch hier Details zu einer solchen Option: „So würden wir gerne wissen, wie man sich als Bürger, der an dem Erhalt der Veranstaltungen interessiert ist, dort einbringen kann.“

Den konstruktiven Charakter der Mahnwache betonte Mit-Organisator Uwe Eisenmann gegenüber dieser Zeitung. „Das geht hier nicht gegen die Verhandlung zwischen Stadt und Stiftung“, stellte er klar. „Die Leute wollen hier vielmehr mit ihrer Anwesenheit ihre große Verbundenheit zum Schloss demonstrieren. Das sollte beide Vertragspartner eigentlich beflügeln, eine Einigung im Sinne der Höchster Bürger zu erzielen.“

Dass, wie von einigen Demonstranten beklagt, weder Vertreter der Stadt noch der Denkmalstiftung in offizieller Rolle bei der Mahnwache dabei waren, kann Eisenmann hingegen verstehen: „Wenn wirklich gerade intensiv verhandelt wird – was ich glaube, weil beide Seiten das sagen –, habe ich Verständnis dafür, dass sich heute noch keiner geäußert hat.“

Öffentliche Zugänglichkeit des Höchster Schlosses wichtig

Die Haltung der Stiftung zur Nutzung des Schlosses hatte Dr. Ursula Schirmer, Sprecherin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), kürzlich noch einmal bekräftigt: „Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hält an der öffentlichen Zugänglichkeit des Höchster Schlosses fest.“ Die Stiftung habe einen Wach- und Schließdienst organisiert, der das Gelände regelmäßig für Besucher öffne. Dass sich die Stiftung für das Schloss einsetze, sei nicht zuletzt daran erkennbar, dass derzeit umfangreiche Sanierungsmaßnahmen liefen – etwa an den Burgmauern und den Fenstern des Schlosses.

Auch das Fluchtwegekonzept für die Schlossterrasse liegt nach ihrer Aussage vor. „Es muss nun nur noch eine Lücke geschlossen werden: Derzeit ist die Personenzahl der im Schloss ansässigen Berufsgruppen – DSD-Museum, Büroetage und Cafébetrieb – nicht bedacht.“

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