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Während des Prozesses vor dem Frankfurter Landgericht hatte der Angeklagte sein Gesicht regelmäßig vor den Fotografen verdeckt.Archivbild: Reuß

Strafmaß zu hoch?

Der Fall Silke Thielsch: Urteil gegen Todesfahrer beschäftigt Justiz weiter

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Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten Revision gegen das Urteil des Landgerichts Frankfurt eingelegt, das gegen den Todesfahrer von Silke Thielsch eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verhängt hatte.

Main-Taunus/Karlsruhe - Das Urteil gegen den Todesfahrer von Silke Thielsch wirft für die Justiz immer noch Fragen auf. Ende April wird sich der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in einer öffentlichen Verhandlung noch einmal mit dem Fall befassen.

Wie bereits berichtet, hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung Revision gegen das Urteil des Frankfurter Landgerichts eingelegt. Dort hatte der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer, Volker Kaiser-Klan, den Mercedes-Fahrer Ende Februar vergangenen Jahres zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Verteidigung, die eine Bewährungsstrafe für ihren Mandanten gefordert hatte, war das Strafmaß zu hoch gewesen, während die Staatsanwaltschaft sechs Jahre und sechs Monate für den inzwischen 29-Jährigen gefordert hatte.

Erst nach 400 Metern endete die grausame Todesfahrt

Der Mann hatte im September 2016 Silke Thielsch und ihren Lebensgefährten an dem Zebrastreifen an der Hohlmauer angefahren und die 41-Jährige noch mehr als 400 Meter mitgeschleift, erst hinter der Kreuzung an der Kapellenstraße endete die grausame Todesfahrt.

Monatelang hatte es gedauert, bis die akribischen Ermittlungen von Kripo und Staatsanwaltschaft abgeschlossen waren. Mit Unterbrechungen hatte sich auch der anschließende Prozess in die Länge gezogen, bis die Große Strafkammer schließlich Ende Februar letzten Jahres das Urteil fällte. Schon vorher hatte die Verteidigung eine Revision angekündigt, falls das Gericht zu einer Freiheitsstrafe kommen würde. Doch auch die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Revision ein. Beide Parteien hatten dies mit den entsprechenden Begründungen an den Generalbundesanwalt nach Karlsruhe geschickt. Der hat mit Datum des 1. Februar 2019 die Akten vor einigen Wochen dann mit einer Stellungnahme an den Bundesgerichtshof weitergeleitet. Zum Inhalt dieser Stellungnahme – ob sie eher zu den Revisionsgründen der Staatsanwaltschaft tendiert oder zur Verteidigung – machen weder der Generalbundesanwalt noch der Bundesgerichtshof nähere Angaben.

Nur so viel: Der Senat des Bundesgerichtshof habe entschieden, die offenen Fragen in einer Verhandlung am 25. April zu klären, erklärt die Pressestelle des BGH. „Gegenstand der Verhandlung werden die Revisionen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft sein“, so Pressesprecherin Dietlind Weinland auf Nachfrage. An der Revisionshauptverhandlung würden die Verteidigung des Angeklagten und ein Vertreter der Generalbundesanwaltschaft teilnehmen.

Erfolgschancen von Revisionen gering – nur knapp 10 Prozent erfolgreich

Nach Recherchen dieser Zeitung sind die Erfolgschancen von Revisionen recht gering. So führen nur knapp zehn Prozent zum Erfolg. Auch kommt es relativ selten vor, dass eine Hauptverhandlung anberaumt wird. Legt jedoch auch die Staatsanwaltschaft Revision ein, komme es meist zu einer Verhandlung, erklärt der Pressesprecher des Generalbundesanwalts, Markus Schmitt. Die Hauptverhandlung wird mit einem Urteil abschließen, das entweder das ursprüngliche Urteil bestätigt oder aufhebt. Bei letzterem wird der Fall zur erneuten Verhandlung und Entscheidung zurückgewiesen. Nur in seltenen Fällen entscheidet das Revisionsgericht selbst. Bleibt die Revision erfolglos, wird das Urteil des Landgerichts mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs rechtskräftig. So lange bleibt der Mercedes-Fahrer auf freiem Fuß.

Das furchtbare Geschehen hatte im September 2016 nicht nur in Kriftel, sondern auch weit darüber hinaus für großes Aufsehen gesorgt. Die 41-Jährige Teammanagerin der Krifteler Damen-Handballmannschaft der Turn- und Sportgemeinde (TuS) hatte sich damals nach einem Fest an dem Zebrastreifen auf der Hohlmauer mit ihrem Lebensgefährten geküsst. Verärgert, wie der Richter befand, hatte der Angeklagte das Paar angefahren. Die blonde Frau wurde 440 Meter mitgeschleift. Hinter der Kreuzung kam der Wagen zum Stehen, Rettungskräfte konnten die Frau nur noch tot bergen. Bei dem Unfall war auch der Lebensgefährte verletzt worden. Deshalb verurteilte das Gericht den Mercedes-Fahrer wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung und schwerer Verkehrsgefährdung.

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