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Die U 5, hier an der Deutschen Bibliothek aufgenommen, könnte bis nach Nied verlängert werden ? die Stadt soll dies prüfen.

Nahverkehr

U5-Verlängerung bis nach Nied: Illusionär oder sinnvoll?

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Eine U-Bahn-Linie 5, verträumte Zukunftsmusik – oder vorausschauende Weichenstellung, um dem Verkehrsinfarkt entgegenzuwirken: Ein Antrag der SPD polarisierte den Ortsbeirat 6 in seiner jüngsten Sitzung.

Frankfurt - Es war eigentlich eher ein Nebensatz Ingo Kühns, bei einer Veranstaltung an der Hauptwache im Oktober, die SPD-Ortsbeiratsmitglied Alexander Schott hellhörig werden ließ. Die Presse zitierte den Projektleiter der Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft mit der Aussage, dass die Stadt über eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 bis zur neuen Schule am Römerhof nachdenke.

Bei der U5 ist es eine technische Frage

Nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ dachte Schott weiter. Dies mündete in einem Antrag seiner SPD, der in der jüngsten Ortsbeiratssitzung diskutiert wurde: Der Magistrat möge berichten, an welchen Stellen oder auf welchen Gleisen es technisch möglich sei, die angedachte Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 vom Römerhof in den Stadtteil Nied weiterzuführen.

Verlängerung der U5 ist "illusionär"

Für den CDU-Vorsitzenden Markus Peter Wagner waren die noch recht verwegen scheinenden Pläne zu viel der Zukunftsmusik: „Illusionär“ nannte er derlei Überlegungen und verwies auf die Kostenexplosion, die alleine schon die Verlängerung der U-Bahn-Linie U 5 vom Hauptbahnhof ins Europaviertel ausgelöst habe: Sie verteuerte sich um 101 Millionen auf 373,5 Millionen Euro, wie Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) Ende Januar bekannt gegeben hatte.

Kleingartenanlagen in Gefahr

Auch die Verzögerung des U 5-Ausbaues – die U-Bahn ins Europaviertel soll erst 2024 in Betrieb gehen, nicht wie ursprünglich geplant im Dezember 2022 – ließ Wagner am Sinn solcher Pläne zweifeln. Doch selbst, wenn es eine Verlängerung nach Nied „in weiter Zukunft“ gäbe, seien die Konsequenzen fragwürdig. So müsse dann etwa die mehrspurige Autobahn 5 die S-Bahn-Linie nach Rödelheim untertunneln und auch die Kleingartenanlagen sei in Gefahr. Am Ende werde man dann noch das alte Wasserwerk im Niedwald zur U-Bahn-Station umbauen, ätzte Wagner: „Aber ob das so sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln.“

CDU lässt nicht mit sich reden

FDP-Mann Claudius Swietek pflichtete Wagner in seiner Ablehnung des Antrages bei – er begründete dies vor allem mit seiner Sorge, „dass für eine solche U-Bahn-Verlängerung viel Grünfläche in Nied weichen muss.“ Dem Liberalen hielt Grünen-Chef Thomas Schlimme entgegen, dass „80 Prozent der Verkehrsflächen einer Großstadt von Autos in Beschlag genommen“ würden. 

Die rhetorische Klatsche für den Schott-Vorstoß durch den CDU-Vorsitzenden bewog den Grünen-Chef zu einer Retourkutsche: „Seien Sie mal entspannter, wenn hier neue Ideen vorgebracht werden“, sagte er an Wagner gerichtet. Er fügte hinzu: „Lassen Sie die anderen doch Fragen stellen, auf die sie nicht selbst gekommen sind.“ Schließlich erinnerte Schlimme daran, dass die CDU einem früheren Antrag zugestimmt habe, wonach die Stadt die Verlängerung der Straßenbahnlinie 11 bis zur Jahrhunderthalle in Betracht ziehen möge. 

Daran knüpften auch Dieter Storck von den Linken und die SPD-Vorsitzende Doris Michel-Himstedt an: Es gehe, so die Genossin, doch erstmal nur darum, die Stadt eine Verlängerung prüfen zu lassen. „Raffen Sie sich auf,“ sagte sie zur CDU. Doch diese stimmte wie Swietek dagegen. Doch mit den Stimmen der anderen Fraktionen wurde der Antrag angenommen.

Währenddessen kommt auf die wichtigsten U-Bahn Linien der Stadt eine Sperrung zu: Alle Infos und Alternativen

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