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Ins Krifteler Parkbad darf das Handy ruhig mitgenommen werden. Hier gab es noch keine unliebsamen Vorkommnisse, weshalb sich die Gemeinde veranlasst sehen würde, ein Verbot des Smartphones auszusprechen.

Schwimmbadbesuche

Freibäder: Anzügliche Handyfotos verboten

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Das Handy gehört bei vielen Schwimmbadbesuchern in die Badetasche wie der Bikini oder die Badehose. Und schnell ist damit ein Foto gemacht. Doch ist das überhaupt erlaubt?

Zum Wochenende wird es endlich wieder richtig heiß, also richtiges Badewetter und der Ansturm auf die Freibäder wird groß sein. Da haben die Schwimmmeister und Aufsichtskräfte alle Hände voll zu tun. Doch zunehmend müssen sie nicht nur auf den Badebetrieb achten, sondern auch, dass die Schwimmbadbesucher vor unliebsamen Handybildern geschützt sind. Doch wie sieht es aus, dürfen Smartphones überhaupt noch mit ins Freibad oder nicht? Und darf damit überhaupt fotografiert werden? Wir haben uns in den Freibädern im Main-Taunus-Kreis ungehört. Vorab: Eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Und auch die Sicherheit in und um den Freizeitoasen ist ein Thema, mit dem in den einzelnen Kommunen unterschiedlich umgegangen wird.

Die Stadt Schwalbach hat in Paragraf 1 Absatz 4 der Badeordnung für das Naturbad ganz klar festgeschrieben: „Das Fotografieren und Filmen fremder Personen und Gruppen ohne deren Einwilligung ist nicht gestattet.“ Und deshalb haben Schwimmmeister Markus Ramm und seine Kollegen auch ein ganz besonderes Augenmerk darauf, wenn jemand das Handy zückt und damit Bilder macht. Dann suchen die Schwimmmeister und Aufsichtskräfte das Gespräch, und das sei schon recht häufig, sagt Rathaussprecherin Margit Reiser-Schober. Doch mit viel Fingerspitzengefühl werde dann auf die Badeordnung verwiesen. Das Naturbad in Schwalbach ist im Übrigen rund um die Uhr videoüberwacht, 24 Stunden pro Tag, sieben Tage in der Woche. Die Kameras waren bereits bei der Eröffnung des neuen Bades 2013 installiert worden. Ganz klar aus Sicherheitsgründen, um dann, „wenn etwas passiert, dies nachvollziehen zu können“, sagt Margit Reiser-Schober.

Ein Handyverbot gibt es im Eschborner Wiesenbad nicht, aber ein Alkoholverbot. Als sich die Probleme mit jungen Leuten häuften, die sich nicht an das Verbot hielten, beauftragte die Stadt einen Sicherheitsdienst. Vormittags schaut ein Mitarbeiter im Bad nach dem Rechten, nachmittags sind es zwei. Die Sicherheitsleute seien auch angehalten, darauf zu schauen, ob jemand mit seinem Handy auffällig fotografiert, sagt Pressesprecherin Beate Brendel. Ein Handyverbot gebe es im Wiesenbad nicht, aber wer die Kamera des Smartphones auffällig benutzt, der werde angesprochen, dies zu unterlassen.

Ein sensibles Auge darauf, wenn jemand mit dem Handy Fotos macht, haben auch die Mitarbeiter im Bad Sodener Freibad . Ein Handyverbot gibt es dort auch nicht. Der Gebrauch des Smartphones lasse sich nicht verbieten, so der Pressesprecher der Stadt, Wolfgang Heidecke. Allerdings sind Schilder mit dem Hinweis aufgestellt, dass das Fotografieren im Bad verboten ist. „Inwieweit die Badegäste dem auch nachkommen, lässt sich natürlich nicht sagen“, so Heidecke. Sollte sich allerdings ein Besucher in irgendeiner Weise belästigt fühlen und wende sich an die Mitarbeiter, dann würde dem natürlich auch nachgegangen. Eine Videoüberwachung gibt es im Bad Sodener Freibad noch nicht. Sollte etwas passieren, müsste eventuell der Bedarf geprüft werden, so Heidecke. Am Wochenende haben nachts auch die Mitarbeiter der City-Streife das Bad mit im Blick.

Das Thema Handyverbot im Krifteler Parkbad wurde im Rathaus bereits im vergangenen Jahr diskutiert. Bislang habe man jedoch noch keinen Anlass gesehen, die Handynutzung zu verbieten, sagt Rathaussprecherin Tina Schehler. Es habe auch noch keinerlei Beschwerden von Badegästen gegeben, die sich durch Handyaufnahmen belästigt fühlten. Das Gelände rund um das beliebte Bad im Freizeitpark wird von einem Sicherheitsdienst immer mal sporadisch kontrolliert. Der beste Schutz vor Einbrechern ist wohl, dass die Wohnung über dem Kassenraum vermietet ist. Im vergangenen Jahr hatten Langfinger den Stacheldraht des Zauns zerschnitten und anschließend den Schwimmmeisterraum aufgebrochen. Durch das Aufhebeln des Rollladens wurde der Mieter geweckt, der rasch die Polizei alarmierte. Beim Eintreffen der Streife flüchteten die Täter über das Gelände des Parkbades.

Im Hattersheimer Freibad besteht ebenfalls kein Handyverbot. Das Mitarbeiterteam sei jedoch sensibilisiert und aufmerksam. „Bei auffälligem Verhalten werden die betroffenen Schwimmbadgäste direkt angesprochen“, so Rathaussprecherin Monika Münch. Im persönlichen Kontakt konnte bislang immer alles unaufgeregt geklärt werden. Auch eine Videoüberwachung und der Einsatz von Sicherheitspersonal sind im Freibad aktuell nicht vorgesehen. Vorkommnisse, die bisher selten waren, konnten von den Mitarbeiter des Schwimmbades im Zwiegespräch mit den Gästen, die in der Regel einsichtig waren, geregelt werden.

Auch für das Kelkheimer Freibad steht in Paragraf 8 Absatz 2g der Badesatzung, dass das Fotografieren und Filmen fremder Personen und Gruppen ohne der Einwilligung nicht gestattet ist. „Wir sehen die Verwendung von Handykameras kritisch“, so Pressesprecherin Christine Michel. Im Eingangsbereich ist im Aushang ein Hinweis zu finden, dass bei nicht passendem Verhalten, wie auch dem Fotografieren von Personen ohne deren Erlaubnis, ein Hausverbot ausgesprochen werden kann.

Bürgermeister Albrecht Kündiger: „Glücklicherweise sind uns im Kelkheimer Freibad keine Situationen bekannt, bei denen sich Besucher durch zu aufdringliches und ungebührliches Fotografieren in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt fühlen. Bademeister, Schwimmaufsicht und Kassenpersonal sind jedoch ausdrücklich sensibilisiert, hier sofort einzugreifen.“

Im Kelkheimer Freibad gibt es keine Videoüberwachung, „die sicherlich auch von den Badegästen nicht gewünscht wäre“, so die Rathaussprecherin. Auch wird hier auf zusätzliches Sicherheitspersonal verzichtet.

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