+
Mit einer mobilen Hebebühne wurde die Sitzfigur des Heiligen Antonius wieder auf ihr Sandstein-Podest in der Seitenkapelle der Justinuskirche gehoben ? neben das ottonische Bronzekruzifix, das in der Vitrine ausgestellt ist.

Justinuskirche in Höchst

Frisch restauriert! Der Heilige Antonius ist zurück

  • schließen

Sieben Monate lang war die Skulptur des Antonius in der Restaurierungswerkstatt des Hessischen Landesamts für Denkmalpflege. Ein Ausflug, der auch neue Erkenntnisse zur ursprünglichen Gestaltung brachte. Gestern kam das Kunstwerk zurück in die Justinuskirche.

Es bedarf mehrerer starker Männer und einer mobilen Hebebühne, um die Skulptur wieder an ihren angestammten Platz in der Seitenkapelle der Justinuskirche zu hieven. Gut 1,80 Meter hoch und rund 200 Kilo schwer ist das spätmittelalterliche Kunstwerk, das in den vergangenen Monaten in der Restaurierungswerkstatt im Hessischen Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden war. Dort wurde es begutachtet, gereinigt und restauriert. In Auftrag gegeben wurde dies von der Stiftergemeinschaft Justinuskirche (wir berichteten).

Erhaben blickt die Figur des Heiligen Antonius seit gestern wieder von ihrem Sandsteinsockel auf die Besucher herab – pünktlich zum Start der Führungs-Saison in Frankfurts ältester Kirche. Seit 1930 steht er an dieser Stelle: Antonius Abbas, der Eremit aus der ägyptischen Wüste, ist der Ordenspatron der Antoniter. In Höchst wirkten die Ordensbrüder zwischen 1441 und 1803.

„Die Skulptur des Heiligen Antonius wurde 1485 in Worms gefertigt“, erzählt Wolfgang Metternich, wissenschaftlicher Beirat der Stiftergemeinschaft. Seit dieser Zeit habe das Werk innerhalb der Kirche mehrfach den Standort gewechselt; es war für einen Platz auf dem barocken Hochaltar vermutlich zu schwer. Schon lange wird vermutet, dass das Kunstwerk vom Wormser Bildhauer Hans Bilger stammt. Die von der Untersuchung erhoffte Bestätigung gibt es bisher nicht, die Frage konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Auch nicht, ob das Werk sogar Vorbild für den Anfang des 16. Jahrhunderts gefertigten berühmten Isenheimer Altar des Künstlers Matthias Grünewald gewesen ist.

Nach der Schönheitskur, die 13 000 Euro gekostet hat, erstrahlt der Heilige jetzt wieder im alten Glanz. Die ursprüngliche Fassung, dass heißt die farbliche Gestaltung des Holzskulptur, wurde so gut wie möglich freigelegt, der Originalzustand weitestgehend wieder hergestellt. „Die Untersuchung hat ergeben, dass das Untergewand des Antonius in einem leuchtenden Rot, das Innenfutter des Gewandes blau und das Buch, das er in Händen hält, grün gehalten war“, schildert Metternich. Durch das Freilegen der Fassungen konnten Farbspuren am Holz nachgewiesen werden. Das blaue Gewand, dessen Ränder in Gold eingefasst sind, entspreche der Tracht der Chorherren aus dem Antoniter-Orden.

„Holzskulpturen sind um die Entstehungszeit seltener als Stein, und der Heilige Antonius ist, was die Schnitzerei und die Farbgebung betrifft, von außerordentlicher Qualität“, betont Metternich. „Die Skulptur wurde aus einem Stamm geschnitzt“, erklärt Christine Kenner, Leiterin des Sachgebiets Restaurierung beim Landesamt für Denkmalpflege. Statt aus Lindenholz, wie zu diese Zeit üblich, sei der Heilige Antonius aus Walnussholz gefertigt worden. „Zwei Finger der linken Hand wurden ergänzt, die Hand wieder richtig befestigt“, erklärt Kenner. Die Darstellung sei zudem nicht idealisierend: Über die Hände ziehen sich blaue Adern, die nach der Reinigung und Freilegung noch viel stärker zur Geltung kommen; die Stirn liegt in Falten. „Die Darstellung des Gesichts und der Hände sind für die Entstehungszeit der Figur zeitgemäß, der Faltenwurf des Gewandes hingegen veraltet“, sagt Kenner. Wie die Skulptur kunsthistorisch einzuordnen sei, werde Aufgabe der Forschung sein.

In diesem Jahr sollen liturgische Geräte wie Kelche, ein barockes Wandkreuz und eine Strahlenmonstranz restauriert sowie Epitaphen in der Kirche gereinigt werden. Begonnen haben die Arbeiten, das Sakramentshäuschen an der Südwand des Hochchors zu restaurieren (wir berichteten). Außerdem ist geplant, einen Katalog der aufbewahrten Paramente – das sind liturgische Gewänder – zu erarbeiten. Dafür hat das Stifter-Kuratorium in Absprache mit der Pfarrei St. Josef die Geldmittel bereitgestellt und genehmigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare