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Wegen der Insolvenz des Gaslieferanten dürfte in den kommenden Monaten in den kommunalen Kassen so mancher Euro zusätzlich „verbrannt“ werden.

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Der Gaslieferant von Kreis und den MTK-Kommunen hat Insolvenz angemeldet und die Lieferung eingestellt.

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Das belastet die öffentlichen Haushalte unverhofft stark. Gemeinsam suchen Kreis, Städte und Gemeinden nun einen neuen Gaslieferanten. Von der Pleite betroffene Privathaushalte können sich unabhängig einen Anbieter suchen.

Das war keine schöne Überraschung für die Finanzchefs im Kreishaus und in den Rathäusern im MTK: Die Deutsche Energie GmbH (DEG) hatte zum 22. Dezember Insolvenz angemeldet und um 6 Uhr ihre Erdgaslieferung eingestellt. Von diesem Zeitpunkt an „hat der Grundversorger, in unserem Fall die Mainova, die Erdgaslieferung für den MTK und die kreisangehörigen Städte und Gemeinden übernommen“, teilt Kreissprecher Johannes Latsch mit.

Die Gasversorgung im Main-Taunus-Kreis war also zu keiner Zeit gefährdet, allerdings wurde mit der neuen Situation so manche öffentliche Haushaltsplanung ins Schwanken gebracht, denn die Mainova rechnet – völlig korrekt – nach dem vergleichsweise teuren Grundversorgungstarif ab. Dieser ist nach Kreisblatt-Informationen mit 6,4 Cent pro Kilowattstunde (kWh) fast dreimal so hoch wie der Tarif, den Kreis und Gemeinden mit der DEG ausgehandelt hatten.

Interimsvergabe

„Das trifft alle hart“, sagt Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW). Allein für die Möbelstadt rechnet er „grob geschätzt“ mit Mehrausgaben von 10 000 bis 20 000 Euro monatlich. Der MTK selbst werde nach Angaben von Johannes Latsch monatliche Mehrkosten von rund 150 000 Euro haben. Zuletzt hatte er eine Belastung von etwa 160 000 Euro im Monat.

Um den wirtschaftlichen Schaden durch die Insolvenz der DEG so gering wie möglich zu halten, so der Kreissprecher, „haben wir uns entschlossen, eine sogenannte Interimsvergabe für die Zeit bis zum 30. April durchzuführen“. Dafür sollen Versorgungsunternehmen Angebote einreichen. Privathaushalte können unabhängig von der öffentlichen Ausschreibung einen neuen Anbieter wählen

Ob alle MTK-Kommunen auf dem selben Weg eine Interimslösung suchen, müsse noch geklärt werden, so Johannes Latsch. Danach soll aber wie zuletzt interkommunal zusammengearbeitet werden und es soll wieder eine sogenannte Bündelausschreibung geben. Damit sollen erneut „günstigere Konditionen“ erzielt werden. Die neue Vergabe sei für Anfang Mai avisiert worden.

Der Nachteil

Die Bündelausschreibung habe zuletzt durchaus funktioniert, sagt Kelkheims Rathauschef Kündiger. Er macht aber auch auf den Nachteil einer öffentlichen Ausschreibung aufmerksam: Dabei müsse stets der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Der vermeintlich bessere oder zuverlässigere könne nicht genommen werden, auch wenn er ein nur unwesentlich teureres Angebot eingereicht hat.

Unglücklich für Kreis und Kommunen ist auf jeden Fall der Zeitpunkt der DEG-Insolvenz kurz vor Weihnachten. In der kalten Jahreszeit wird in den Liegenschaften, zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, Rat- und Bürgerhäusern, natürlich mehr Gas verbrannt, als im Sommer. Somit werden die öffentlichen Kassen zurzeit besonders stark belastet.

„Inwiefern Kreis und Kommunen Schadensersatzansprüche gegen die DEG stellen, muss noch geklärt werden“, sagt Kreissprecher Latsch. Eine Anmeldung von Forderungen sei aber erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens möglich. Die DEG habe einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

(dmk)

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