+
Eine junge Frau hat sich mit einer Schreckschusspistole ausgerüstet. Insgesamt gibt es 253 weibliche Besitzer des kleinen Waffenscheins im MTK. Die Männer haben mit 1437 die klare Mehrheit.

Lizenz für Gaspistolen und Schreckschusswaffen

Gaspistolen und Schreckschusswaffen: Privatleute rüsten auf

  • schließen

Die Zahl der „kleinen Waffenscheine“ im Main-Taunus-Kreis ist in vergangenen Jahr exorbitant gestiegen. Überwiegend Männer holen sich das Papier.

In Deutschland ist die Zahl der sogenannten kleinen Waffenscheine im vergangenen Jahr um 180 000 auf 470 000 gestiegen, ein Zuwachs von 62 Prozent. Das veranlasste das Innenministerium in Berlin zu dem Kommentar, es handele sich um eine „auffällige Entwicklung“, die man „sehr aufmerksam beobachten“ werde. Die Innenministerkonferenz der Länder wertete die Zahl als Hinweis auf ein sinkendes Sicherheitsgefühl.

In Hessen gab es eine ähnliche Entwicklung. Im Nationalen Waffenregister waren am Jahresende 2016 genau 36 682 kleine Waffenscheine gespeichert, 13 130 mehr als zwölf Monate zuvor. Das hat das Innenministerium der Nachrichtenagentur dpa mitgeteilt. Der Anstieg beträgt knapp 56 Prozent. Besorgt habe das Ministerium auf die Entwicklung reagiert.

Im MTK ist der Trend noch heftiger. Die Zahl der kleinen Waffenscheine ist im vergangenen Jahr von 985 auf 1690 angestiegen, wie der Main-Taunus-Kreis auf Anfrage des Kreisblatts mitgeteilt hat. Das ist eine Steigerung um 72 Prozent, der Zuwachs fällt damit weitaus größer aus als in Land und Bund. Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man auf die Zahl der jährlich ausgestellten Scheine blickt. In den Jahren 2014 und 2015 waren es jeweils 51, 2016 aber waren es 705. Im vergangenen Jahr wurden also fast 14 mal so viele kleine Waffenscheine ausgegeben wie im Jahr zuvor.

Was also ist im Main-Taunus-Kreis los? Ist die Sicherheitslage hier besonders schlecht? Die Kriminalstatistik für das Jahr 2015 hatte diese Schlussfolgerung nicht zugelassen. Die Zahl der Delikte, die das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen – Einbruch, Raub, Sachbeschädigung, Körperverletzung – schwankt seit Jahren, ohne sich nachhaltig in die eine oder andere Richtung zu verändern? Dass die Zahl der kleinen Waffenscheine im Kreisgebiet deutlich zugenommen hat, kann also nicht an der objektiven Sicherheitslage liegen. Es hat offenbar vor allem mit dem subjektiven Sicherheitsgefühl zu tun. Das aber wird wenig von regionalen Ereignissen beeinflusst, sondern mehr vom überregionalen Geschehen.

Gebraucht wird der kleine Waffenschein für Gaspistolen, Schreckschuss- und Signalwaffen, aber auch für Pfefferspray. Hundeabwehrsprays dagegen verlangen keinen Waffenschein. Im Zweifel sind die Waffen am Zulassungszeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zu erkennen. Wer 18 Jahre alt ist, darf eine solche Waffe kaufen und besitzen. Wer sie in der Öffentlichkeit führen will, der braucht den kleinen Waffenschein.

Ausgegeben wird der Schein vom Main-Taunus-Kreis. Der prüft die Zuverlässigkeit der Bewerber durch Abfrage der Daten beim Bundeszentralregister und Erziehungsregister, beim zentralen staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister, beim Hessischen Landeskriminalamt und beim Landesamt für Verfassungsschutz. Die persönliche Eignung wird, wenn Zweifel bestehen, durch eine Anfrage beim Gesundheitsamt geprüft.

Beim Blick auf die Zahlen fällt auf, dass Männer offenbar eher dazu neigen, sich zu bewaffnen – 1437 Besitzer des kleinen Waffenscheins sind männlich, ihnen stehen nur 253 Frauen gegenüber. Eine Differenzierung nach Altersgruppen gebe es nicht, so Kreishaus-Pressesprecher Johannes Latsch. Dass es in Hofheim mit 263 die meisten und in Liederbach mit 59 die wenigsten kleinen Waffenscheine gibt, ist keine Überraschung. Setzt man die Zahlen aber in Relation zu den Einwohnern, kommt man zu spannenden Ergebnissen. Im wohlhabenden Bad Soden hat jeder 191. Einwohner eine Waffe, in Schwalbach ist es jeder 174. Die größte Dichte an solchen Waffen gibt es in Hochheim (jeder 106. Einwohner), in Eppstein (jeder 112.) und in Hattersheim (jeder 113.)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare