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Bürgermeister Mathias Geiger (links) spricht im Gerichtssaal mit seinem Anwalt Ulrich Endres.

180 Tagessätze gefordert

Geiger-Urteil am Donnerstag

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Die Ansichten von Staatsanwältin und Verteidiger sind recht unterschiedlich. Doch wie es aussieht, kommt Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) am Donnerstag, wenn das Urteil verkündet wird, mit weniger als 180 Tagessätzen und damit mit einem blauen Auge davon.

Rathauschef Mathias Geiger wird Geheimnisverrat vorgeworfen. Nach vier Verhandlungstagen standen gestern die Plädoyers an. Für ihre Urteilsfindung müssen die drei Richter und die beiden Schöffinnen jedoch ein wenig über die aktuelle Situation des Angeklagten wissen. Auch sein Lebensweg ist interessant. Deshalb ging es am gestrigen fünften Verhandlungstag im Prozess gegen Bürgermeister Geiger (FDP) kurz mit der Beweisaufnahme weiter.

Das Gericht erfuhr, dass Geiger monatlich netto 5320 Euro verdient; plus 50 Euro für seine Arbeit im Vorstand des Abwasserverbands. Vergütungen aus Aufsichtsratstätigkeiten bekommt er nicht. Richter und Geschworene erfuhren, dass Geiger in Frankfurt geboren wurde (22. November 1957), aber in Eschborn aufwuchs. Seine Mutter war Schneiderin, sein Vater Kaufmann.

Am 1. August 1985 habe er in der Verwaltung seiner Heimatstadt angefangen und dann „alle Abteilungen durchlaufen“. Er dozierte bis Sommer 2002, kurz nach seiner Wahl zum Ersten Stadtrat, an den Verwaltungsschulen in Wiesbaden und Frankfurt und unterrichtete zudem in Bad Salzschlirf. Groß geworden sei er auch mit der evangelischen Kirche. Beim CVJM habe er Trompete und Zugposaune gespielt, verriet Geiger dem Gericht. Er hat einen Bruder, dieser ist Forstbeamter. Seine Tochter lebte in Australien, inzwischen ist sie mit Enkeltochter in Tokio.

Vorwürfe bestätigt

Nach diesem kurzen Exkurs ins Persönliche zeichnete Staatsanwältin Elke Neumann in ihrem Plädoyer „ein schillerndes, buntes Bild von Eschborn“, dass sich ihr im Prozessverlauf geboten habe. Sie glaube, dass die Unterlagen, die er in rauen Mengen kopierte und an Anwalt Michael Bauer weitergab, für Wahlkampfzwecke genutzt wurden. Sie glaube aber auch, dass Geiger niemanden desavouieren wollte.

Trotzdem: Geiger habe wider besseren Wissens Geheimnisse verraten. Er habe damit wichtige öffentliche Interessen gefährdet, ebenso die Funktionsfähigkeit der Verwaltung. Zudem seien Wähler beeinflusst worden. Geiger habe über eine „längere Zeit“ das Vertrauen der Mitarbeiter missbraucht und seine Verschwiegenheitspflicht grob missachtet.

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Neumann forderte für Geiger eine Strafe von 180 Tagessätzen á 170 Euro. Da sich der Prozess unverhältnismäßig lang verzögert habe, könne ein Drittel der Strafe als verbüßt gelten. Geiger müsste demnach gut 20 000 Euro zahlen.

Geigers Anwalt Ulrich Endres zeigte hingegen auf Verfehlungen von Anwalt Michael Bauer, der eigentlich bestraft gehöre, und spottete über Ex-Rathauschef Wilhelm Speckhardt. Sein Mandant jedenfalls habe keine kriminelle Energie bewiesen, bestenfalls „Sicherungsenergie“. Eine Strafe unter 90 Tagessätzen wäre eine „faire Angelegenheit“ – und wegen der überlangen Verfahrensdauer seien dann noch 80 Tagessätze abzuziehen. Das würde die Strafe auf Null reduzieren.

Dass es tatsächlich darauf hinaus läuft, glaubte unter den wiederum zahlreichen Prozessbeobachtern wohl keiner. Das Gericht will sein Urteil morgen, Donnerstag, um 13 Uhr verkünden.

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