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Die Stadt hat gestern eine Auszeichnung erhalten, die einer Kommune nicht nachgeworfen wird. Sogar ein Urteil des Deutschen Wetterdienstes war gefragt.

Gesundheit und Tourismus

Gute Luft, heilsames Wasser

Die Stadt hat gestern eine Auszeichnung erhalten, die einer Kommune nicht nachgeworfen wird. Sogar ein Urteil des Deutschen Wetterdienstes war gefragt.

Bad Soden. Blauer Himmel und Sonnenschein, frisch gepflanzte Stiefmütterchen und ein plätschernder Brunnen – schöner hätte das Ambiente gestern für den kleinen Festakt vor dem historischen Badehaus im Alten Kurpark nicht sein können. Bürgermeister Frank Blasch war sichtlich in seinem Element, war doch Horst Wenzel, Geschäftsführer des Hessischen Fachausschusses für Kur-, Erholungs- und Tourismusorte beim nordhessischen Regierungspräsidium, extra aus Kassel angereist, um dem Rathauschef eine wichtige Urkunde zu überreichen: Das Prädikat „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“ darf Bad Soden ab sofort tragen.

Wie die Faust aufs Auge

Die Kriterien für das Prädikat „Heilbad“, das Bad Soden über Jahrhunderte auszeichnete, wurden mit der Neuausrichtung in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr erfüllt. Seit den 1990er Jahren habe sich der Kurbetrieb von stationären Patienten hin zu Tages-Gästen gewandelt, erklärte Blasch. Zu dem heutigen Begriff als „Gesundheitsstandort“ passe das neue Prädikat für Bad Soden „wie die Faust aufs Auge“. Mit den Main-Taunus-Kliniken, dem St. Valentinus-Krankenhaus nahe dem Eichwald, der überdurchschnittlichen Zahl an niedergelassenen Ärzten, den Parkanlagen, Wäldern und Streuobstwiesen finde der Mensch in Bad Soden alles, um seinen Geist und Körper zu pflegen.

So einfach im Vorbeigehen, betonte Blasch, bekomme die Stadt die Anerkennung aber nicht. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts, rief Fachmann Horst Wenzel in Erinnerung, führe Bad Soden das Prädikat „Heilbad“. Mit seinen über 30 Mineralquellen und der Vielfalt ihrer Zusammensetzungen habe Bad Soden ein breites Spektrum an heilenden Wirkungen abgedeckt.

Alle zehn Jahre werde überprüft, ob das Heilwasser noch fundamental angewendet werde. In Bad Soden sei dies seit der Schließung der „Sodenia-Therme“ 2009 nicht mehr der Fall, deshalb habe eine Neubewertung angestanden.

Eingehende Prüfung

Den umfassenden Kriterien-Katalog als „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“ erfülle die Stadt. Die Brunnen garantierten, dass Einrichtungen für die Abgabe des Heilwassers vorhanden sind. Eine ausreichende medizinische Versorgung werde vorausgesetzt. Eine zentrale Tourismus-Auskunftsstelle und die Herbergsbetriebe müssten einen gehobenen Standard vorweisen. Sportliche und kulturelle Angebote gehören zum Programm.

Ein gewichtiges Wort bei den bioklimatischen Voraussetzungen für das Prädikat hat der Deutsche Wetterdienst mitzureden. Die Stadt musste zwei Gutachten vorweisen, die über die Luftqualität und das Klima am Ort Auskunft geben und damit die Auswirkung auf die Gesundheit der Gäste. Dafür wurde vom Wetterdienst ein Jahr lang die Luftqualität gemessen. 10 000 bis 15 000 Euro kostete die Stadt das Luft-Qualitäts-Gutachten. Weitere Auflagen für den Heilquellen-Kurbetrieb bestehen in der kleinen Heilwasser-Analyse, die schon immer jährlich von einer Fachfirma durchgeführt wird, sowie die große Heilwasser-Analyse

Erleichterung

etzt können sich die Stadtväter entspannt zurücklehnen. Wiederholt waren in der Vergangenheit im Ort Befürchtungen laut geworden, die Stadt könne mit der Schließung der „Sodenia-Therme“ und des Medico Palais das Prädikat „Bad“ verlieren, da das Solewasser nicht mehr ausreichend genutzt werde. Diese Frage scheint jetzt geklärt.

VON BRIGITTE KRAMER

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