+
Die rumänischen Schulkinder freuten sich über die Geschenkpakete aus Deutschland.

Geschenke-Konvoi

Mit 32 Lastwagen und 156 237 Paketen an Bord ging es nach Rumänien

Kreisblatt-Reporterin Stephanie Kreuzer hat einen Lkw voller Weihnachtspäckchen nach Petrosani gesteuert. Zur Belohnung gab es am Ziel strahlende Kinderaugen.

156 237 Geschenkpakete sind es, die an einem Samstag im Dezember in Hanau mit dem Weihnachtspäckchen-Konvoi auf den Weg geschickt werden. Genauer gesagt plus eins, das mir eine Freundin aus Hofheim noch kurz vor der Abfahrt in die Hand drückt und die Reise in meinem Rucksack antritt. Alle anderen sind in großen Kartons gestapelt, die sage und schreibe 32 Lastwagen füllen. Einen davon werde ich steuern, als einzige Frau im Team, aber natürlich im Wechsel mit einem Kollegen, über 2000 Kilometer durch Österreich und Ungarn in den Westen Rumäniens – und zurück. Denn der karitative Hilfskonvoi bringt seit 2001 bedürftigen Kindern in ländlichen Gegenden Osteuropas zu Weihnachten Geschenke, insgesamt bereits über eine Million, die vielfach von Kindern gepackt werden. In regionalen Sammelstellen haben Mitglieder der vier Service Clubs Round Table, Ladies’ Circle, Tangent Club und Old Tablers, die den Konvoi einst initiierten, gemeinsam mit vielen Unterstützern die Päckchen sortiert und reisefertig zusammengetragen – so zum Beispiel auch Anne-Kathrin Wesche in Münster (das Kreisblatt berichtete).

Odessa-Tour abgesagt

Mehr als 250 ehrenamtliche Helfer dürfen nun die Geschenke nach Bulgarien, Moldawien, Rumänien und die Ukraine begleiten. Wobei die Weltpolitik noch kurz vorher viele Pläne über den Haufen wirft, denn aus Sicherheitsgründen muss die Tour nach Odessa und Cherson abgesagt werden, so dass nur Lemberg im Westen der Ukraine angefahren wird. Als Lkw-Fahrerin habe ich – ebenso wie Busfahrer, Dolmetscher oder medizinisch Ausgebildete – einen festen Platz im Team und lerne kurz vor Abfahrt noch rasch, wie Funk- und Mautgeräte bedient werden, welche Zollpapiere wichtig sind, was beim Tanken zu beachten ist und wie der Abstandstempomat funktioniert. Schneeketten haben wir ebenfalls an Bord, die wir jedoch nicht benutzen müssen; erst nach unserer Rückkehr schneit es in Rumänien.

Erstaunlich bequem

Beeindruckend jedenfalls der Start des Konvois mit den Lastwagen, sechs Bussen und sieben Begleitfahrzeugen am Samstagvormittag bei Evonik in Hanau. Mein Adrenalinpegel ist hoch, mein Puls ebenso, will ich doch auf keinen Fall vor den Augen vieler Schaulustiger, die uns verabschieden, eine Verkehrsinsel touchieren. Doch alles geht gut, und nach wenigen Kilometern fühlen sich mein Co-Fahrer Waldemar Nuss und ich schon richtig heimisch im Cockpit. Über Funk wird viel gequatscht und gealbert, die Vorfreude bei allen ist spürbar. Während der Fahrt durch Österreich lege ich mich schlafen, in Ungarn tauschen wir wieder; die Pritsche hinter dem Fahrersitz entpuppt sich als erstaunlich bequem. Einziges Problem: Eine schwache Blase darf man nicht haben, denn Pausen werden nur etwa alle drei bis vier Stunden gemacht. Um dringenden Bedürfnissen nachzukommen, muss man also aus dem Konvoi ausscheren – und nach Dutzenden von Kilometern über unbekannte Autobahnen irgendwie wieder den Anschluss finden.

Sonntagnachmittag erreichen wir in Rumänien unseren Zielort Petrosani, und die beiden Lkw können abgeladen werden. In den folgenden drei Tagen besuchen wir – die Helfer und das Team der örtlichen Caritas – zahlreiche Kindergärten, Schulen und Heime, um die Geschenke möglichst persönlich auszuhändigen und beim Auspacken mit dabei zu sein. Viele glückliche Gesichter auf beiden Seiten sind zu sehen, denn manches Päckchen landet wundersamerweise bei einem Kind, das exakt diesen Inhalt – zumeist eine Kombination aus Spielsachen, Süßigkeiten, Hygieneartikel und etwas zum Anziehen – am nötigsten braucht oder ersehnt hat. So bekommt ein Mädchen, das bisher keine Malstifte hatte, gleich ein ganzes Set an Schulsachen, und ein anderes strahlt wegen des ersten Kuscheltiers, das es nun besitzt. Manche gar haben noch nie etwas geschenkt bekommen und sind einfach nur glücklich. Als Dankeschön bekommen wir selbstgebastelte Weihnachtskarten überreicht, oder es wird „O Tannenbaum“ für uns gesungen.

Eine wichtige Mission habe ich allerdings noch zu erfüllen: Das Päckchen aus Hofheim soll einen guten Platz finden, also bei einem etwa 15-jährigen Mädchen landen. So fahren wir mit den Caritas-Mitarbeitern, die beispielsweise Kindern eine Anlaufstelle für ein warmes Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung bieten, zu einer neunköpfigen Familie. Diese lebt auf engstem Raum und ohne jeglichen Komfort und freut sich riesig über die Geschenke. Solche Momente mitzuerleben, sind jegliche Anstrengungen der einwöchigen Tour wert, darin sind wir uns alle einig.

von STEPHANIE KREUZER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare