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Aus Glamour und Camping wird „Glamping“

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Von: Manfred Becht

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Jörg Steimer ist ein kreativer und gefragter Mann im Taunus-Camp. Und für den Notfall hat er Gelbe und Rote Karten.
Jörg Steimer ist ein kreativer und gefragter Mann im Taunus-Camp. Und für den Notfall hat er Gelbe und Rote Karten. © Knapp

Luxuscamper, Landfahrer, Flüchtlinge – auf dem Campingplatz in Niederjosbach soll für alle Platz sein. Aber nicht durcheinander.

Der griechische Philosoph Diogenes soll bekanntlich in einem Fass geschlafen haben, als Zeichen materieller Bedürfnislosigkeit. Wenn in einigen Monaten erste Camper in Niederjosbach in Fässern untergebracht werden, hat dies nichts mit derartiger Konsumverweigerung zu tun, ganz im Gegenteil: Camping soll es schon sein, aber mit ein wenig mehr Komfort als üblich. „Glamping“ heißt das dann – diese spezielle Wortschöpfung führt die Worte Glamour und Camping zusammen.

Jörg Steimer, Betreiber des Campiungplatzes in Niederjosbach, hat das Wort nicht erfunden. Auch den zugehörigen Trend nicht. Dass es ihn gibt, kann man daran erkennen, dass allerlei Kleinbehausungen für Campingplätze angeboten werden, in verschiedenen Varianten, zumeist in rustikaler Blockhausoptik. Gemeinsam ist ihnen, dass es keinesfalls ungemütlich und spartanisch darin zugehen soll, ganz im Gegenteil.

Das hat mit dem Kundensegment zu tun, das angesprochen wird. „Glamping“, das ist nicht unbedingt etwas für jene, die mit dem kleinen Zelt angefangen haben und irgendwann beim großen Wohnwagen angekommen sind. Die haben noch einen romantisch-verklärten Blick auf die Zeit, als sie im Gras mit einem wackeligen Gaskocher vor der Isomatte Tütensuppen zubereiteten. Angesprochen werden sollen eher Gäste, die früher einen Bogen um den Campingplatz machten.

Für jeden ein Angebot

„Man kann ja nirgends mehr hinfliegen, es ist nirgends mehr sicher“, sagt Steimer mit Blick auf weltweite Terrorgefahren. Deshalb hat er einen Trend ausgemacht, Urlaub wieder im eigenen Land zu verbringen. Wer aber auf das Hotel in Hurghada in Ägypten zu Gunsten des Campingplatzes in Niederjosbach verzichtet, der möchte dort ein Mindestmaß an Komfort wiederfinden. Und nicht nur das: Der Kamelritt durch die Wüste ist zwar von Niederjosbach aus nicht möglich. Aber erleben kann man rund um den Ort auch genug. „Den Zocker schicke ich in die Spielbank nach Wiesbaden, Familien mit Kindern in den Opel-Zoo, Kulturbeflissene ans Frankfurter Museumsufer, Sportfreunde zum Paddeln auf die Lahn“, erklärt Steimer.

Also gibt es momentan eine Menge zu bauen und zu organisieren. Ein neues, sehr modernes Waschhaus hat er errichten lassen. Ein paar Campingfässer, in denen etwa vier Personen übernachten können, sollen bis zum Sommer aufgestellt werden. Außerdem ist ein Hundeplatz geplant, für Dinge wie Welpenschule und Agility-Training. „Immer mehr Camper schaffen sich einen Hund an“, hat er festgestellt. Sauna und Wellnessbereich sollen ebenfalls folgen, Steimer hat eine Menge Ideen.

Freilich muss all dies auch verkauft werden. Steimer will Pakete anbieten. Übernachtung auf dem Campingplatz, E-Bike-Verleih für den Trip durch den Taunus, dazu noch ein gastronomisches Angebot aus der Region – das ist nur ein Beispiel von vielen. Vor Jahren hat er das schon einmal gemacht und Übernachtungen auf dem Campingplatz in Verbindung mit Musicalkarten im nahegelegenen Rhein-Main-Theater in Niedernhausen verkauft. Das sei gut angekommen. Heute stünden über das Internet Vertriebswege offen, an die vor Jahren noch gar nicht zu denken war. Verkaufen könne er schon, da ist Steimer selbstbewusst genug.

Landfahrer willkommen

Kein Problem ist es für ihn auch, dass sein Campingplatz auch künftig für ganz unterschiedliche Gäste da sein soll. Nach wie vor leben Flüchtlinge dort, die Tendenz ist rückläufig. Aber Steimer glaubt, dass der Kreis noch eine ganze Weile Unterkünfte bei ihm braucht. Wichtig sind aber weiterhin die traditionellen Kunden: Die Niederländer, die auf dem Weg in den Süden für eine Nacht bleiben, die Dauercamper, die am Wochenende kommen, und die Touristen, die ein paar Tage bleiben. Steimer kann sie alle gebrauchen, sogar die irischen Landfahrer, die im Vorjahr ein so großes Aufsehen erregt haben.

Wenn es für jede Gruppe abgegrenzte Abschnitte gebe, bekomme er mit niemandem Probleme, sagt er. Wobei die „Glamping“-Gäste im oberen Bereich unterkommen sollen, schon ein Stück weit weg von Landfahrern und Flüchtlingen. Tendenziell für alle Gäste hat Steimer aber Rote und Gelbe Karten in der Tasche: Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt vom Platz, gerade im Interesse der anderen Besucher. Wobei es für einen Unternehmer immer nur das letzte Mittel sein kann, zahlende Kunden hinauszuwerfen. Ob Glamour oder nicht . . .

Manfred Becht

Camping-Urlaub in Deutschland ist in Corona-Zeiten angesagt wie nie. Die Campingplätze in Rhein-Main können sich vor Anfragen kaum retten. Doch die Vorschriften für die Betreiber sind streng.

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