So wie hier in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Schule bereits begonnen hat, wird es in der kommenden Woche auch im Main-Taunus-Kreis aussehen: Ihren ersten Schultag beginnen die ABC-Schützen mit Maske. FOTO: DPA
+
So wie hier in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Schule bereits begonnen hat, wird es in der kommenden Woche auch im Main-Taunus-Kreis aussehen: Ihren ersten Schultag beginnen die ABC-Schützen mit Maske.

Einschulung

Corona-Regeln in Hessen sorgen für Unmut – „Großeltern durchgeimpft, aber unerwünscht“

  • Ulrike Kleinekoenen
    VonUlrike Kleinekoenen
    schließen

Corona-Beschränkungen sorgen schon vor dem ersten Schultag in der kommenden Woche in einigen Familien im Main-Taunus-Kreis für Ärger.

Main-Taunus – Viele Jungen und Mädchen in Hessen fiebern schon dem Ende der Sommerferien entgegen: Für die Erstklässler auch im Main-Taunus-Kreis beginnt in der kommenden Woche der Ernst des Lebens. Doch die Einschulung wird wie schon im vergangenen Jahr auch jetzt wieder unter Corona-Bedingungen stattfinden. Das heißt auch an vielen Schulen im MTK: Jedes Kind darf nur zwei Begleitpersonen mitnehmen - und das sind in den meisten Fällen dann nur die Eltern. Für eine Leserin, die gerne den ersten Schultag ihres Enkels miterleben würde, bedeutet dies: "Großeltern sind durchgeimpft, aber unerwünscht."

Die Einschulung sei ein besonderer Tag, nicht nur für die ABC-Schützen, sondern auch für deren Angehörigen. "Das ist eigentlich ein richtiges Familienfest", erinnert sich die Liederbacherin an die Einschulung ihrer Kinder. Eltern, Großeltern und Paten begleiten das Schulkind an seinem ersten Schultag, zuerst zum Gottesdienst, dann in die Schule - "doch das war einmal", bedauert sie.

Main-Taunus-Kreis: Keine einheitliche Regelung

Dass unter Corona-Bedingungen andere Voraussetzungen gelten als unter "normalen" Voraussetzungen, das sieht die Großmutter, die ihren Namen nicht nennen möchte aus Angst, dem Enkelkind könnten daraus in der Schule Nachteile entstehen, schon ein. Doch es fehle ihr hier am Bemühen der einzelnen Schulen, diesen Tag besonders zu gestalten. Ihres Wissens gibt es keine verbindliche Regelung für alle. "Während man sich in der Eschborner Grundschule auf eine pragmatische Lösung im Außenbereich geeinigt hat, sieht man sich an der Sulzbacher Schule anscheinend nicht in der Lage, einen größeren Personenkreis am Einschulungstag zu empfangen."

Corona im Main-Taunus-Kreis: Fußball hat eine stärkere Lobby

Die Leiterin des staatlichen Schulamtes in Rüsselsheim, das auch für den Main-Taunus-Kreis zuständig ist, Birgitta Hedde, bestätigt, dass die Durchführung der Einschulungsfeiern schon immer in der Verantwortung der einzelnen Schulen liegt. Es habe auch in der Vergangenheit - unabhängig von Corona - schon immer unterschiedliche Regelungen gegeben, "dies auch schon deshalb, weil die örtlichen und personellen Voraussetzungen an den Schulen unterschiedlich sind". In aller Regel würden die Planungen jedoch vorab auch mit dem Schulelternbeirat oder der Schulkonferenz abgestimmt. Die enttäuschte Großmutter kommt zu dem Schluss: Man könnte es möglich machen, dass mehr Verwandte die Erstklässler begleiten dürften, "aber viele Schulen geben sich nicht die Mühe, es möglich zu machen". Für sie grenzt es schon fast an "Zynismus, Familien den Zutritt zur Einschulung zu verwehren, während Tausende Fans die Fußballstadien stürmen und ihren Vereinen zujubeln". Neidvoll müsse sie anerkennen, "dass dort die stärkere Lobby sitzt".

„Unverantwortliche“ Corona-Regeln im Main-Taunus-Kreis

Der Vater eines Erstklässlers hält es hingegen für "unverantwortlich", dass sein 6-jähriger Sohn auf Anordnung des Kultusministeriums in den ersten zwei Wochen eine Maske tragen muss: "Die Einschulung ist ein großer Schritt für ein Kind - und das, ohne die Gesichter von Lehrern und Mitschülern wahrnehmen zu können? Soll so das erste Bild des Schullebens geprägt werden?", fragt er. Michael Ashelm, Pressesprecher aus dem Hessischen Kultusministerium, verweist hier auf die Erfahrungen des vergangenen Jahres, aus der das Land gelernt habe, dass die Zahl der positiven Corona-Tests besonders nach den Schulferien ansteigt. Daher sei es dem Land wichtig, gerade in den ersten beiden Schulwochen das Maß an Sicherheit im Schulbetrieb hoch zu halten. Der Familienvater mutmaßt jedoch, dass die Maskenpflicht nicht für alle Arbeitnehmer in Hessen gilt. Hier verweist die Leiterin des Schulamtes auf eine Verordnung, die auch die Landesbediensteten an den Schulen einbezieht, wonach in allen Dienstgebäuden des Landes Maskenpflicht gilt.

Der Sprecher des Kultusministers hält den Bedenken des Familienvaters entgegen, dass auch die neuen Erstklässler und ihre Angehörigen sich sicher fühlen sollten. Für den Hofheimer ist die Maskenpflicht an den Schulen jedoch "wieder mal" eine "Entscheidung gegen das Interesse einer schwachen Bevölkerungsgruppe" - hier der Kinder: Eine "überschaubare Zahl von Erstklässlern kann nicht entscheidend sein im Kampf gegen die Pandemie". (Ulrike Kleinekoenen)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare