Narrengilde Diedenbergen

Großer Rummel im Dschungel

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In Diedenbergen waren die Affen los, die Tiger und Bären. Die Narrengilde hatte zur „Dschungelsitzung“geladen – und die war so üppig, dass die Gäste froh waren, dass es eine Pause gab.

Zwei Mal elf Minuten Unterbrechung – das ist neu in Diedenbergen. Die Gäste wollten mal von den harten alten Stühlen aufstehen, wurde gemunkelt. Sitzungspräsident Freddy Junghenn erklärte, warum es eine solche Pause all die Jahre nicht gegeben hatte: „Die Pause war immer ein Problem. Marxheim hat gesagt, die wollen es nicht. Wenn hier bei uns alle das Wasser laufenlassen, dann hat Marxheim einen Sturzbach, einen Tsunami. Aber die haben jetzt gesagt, sie lassen die Sch.... einfach nach Hofheim weiterlaufen.“ Eine Pause konnte man angesichts das fulminanten Programms gut gebrauchen.

Dieses Mal hatten die Helfer der Narrengilde die Turnhalle unter der prachtvollen Himmelsdeko in einen Dschungel verwandelt. Das war so gut gelungen, dass sich in den Saal ein leibhaftiger, lebendiger Schmetterling verirrte – zu dieser Jahreszeit. Der kleine Falter landete auf dem Kniestrumpf einer Gardetänzerin und hätte beinahe Applaus bekommen.

Die rund 400 Gäste an zwei Abenden wirkten beim Thema Dschungel gerne mit. An Kartenabreißer Adrian Holler, der einen Plüsch-Affen auf der Schulter sitzen hatte, zogen vor allem Tiger und Bären, Giraffen und Großwildjäger, Kängurus und Menschen mit Knochenketten um den Hals vorbei. Auch ein paar Hexen und Clowns wurden im Publikum gesichtet – die gehören zur Fastnacht einfach dazu. Und an Adrian Holler kam auch das Ehepaar Lücke vorbei, das extra aus Hamburg angereist war, um die Diedenberger Fastnacht zu erleben. Ursprünglich Fastnachtsmuffel, gehören sie nun zu den größten Fans und wollen die Sitzung nach ihrem Wegzug aus Diedenbergen nicht verpassen – ein Riesenkompliment für die Narrengilde.

Nach dem Grußwort von Sodens Karnevalsprinzessin Viktoria I. eröffnete die Bärenbande als Wildkatzen die Show. Die goldigen Mädels unter der Leitung von Christa und Anna Maria Holler zeigten tänzerisch die Krallen und interpretierten „The Lion Sleeps Tonight“.

Die Hollers sind schwer aktiv in dem Verein. So heißt der Protokoller 2015 Achim Holler. Und der hatte einiges auf sich genommen, um dabei zu sein: „Dickichte der Adolph-Mohr-Anlage habe ich durchdrungen, an Lianen im Langenhaaner Wald geschwungen, an Nattern in Wildsachsen mich vorbei geschlängelt, an Lorsbachs Klippen mich entlang gehängelt, über Schwarzbach-Krokodile bin ich hinweg gesprungen, ein Waldgeist lockte mich in seine Höhle rein, dort besiegte ich im Kampf ein ganzes Schwein, ich kämpfte gegen Knottentotten mit Machete, nur um bei Euch zu sein für unsere Dschungelfete.“ Holler war es ein Bedürfnis mit ein paar Reimen an den „Mehle Gerd“ zu erinnern, der sonst in der Halle für Spaß gesorgt hatte und nun die Engel im Himmel zum Lachen bringe.

Ein anderer, dem die Himmelsfahrt fälschlicherweise nachgesagt wurde, lieferte die Vorlage für den Löwenanteil des Protokolls und Riesenlacher: „Die Handlung und die handelnden Personen dieses Vortrags sind nicht frei erfunden. Jede Ähnlichkeiten mit toten und lebenden Personen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ist voll beabsichtigt“, machte Holler klar. Dann erzählte er in trefflichen Reimen nach, wie im Ortsbeirat behauptet wurde, Herbert Wichmann sei gestorben, während der Totgesagte es sich in der Keglerklause bei allerlei Hochprozentigem gut gehen ließ. Das Gerücht vom vermeintlichen Ableben verbreitete sich schnell – bis zum nächsten Morgen: „Blass wie ein Laken und schweigend tat Herbert durch den Ort durchgehen, Passanten blieben verwundert stehen. Der Pfarrer im Schock war fast erstarrt ganz, und betete zitternd seinen Rosenkranz. Drum merke, hörst Du, ein Diedenbergener sei tot, doch kauft er am nächsten Tag beim Bäcker ein Brot und tut Dir beim Bäcker begegne’ er, war’s bestimmt ein Gerücht vom Andreas Hegeler.“

Günther Raupach als Beziehungsjubilar plauderte gekonnt über Ehe und Vaterdasein: „22 Jahre verheiratet, soviel bekommste nichtmal bei einem Kapitalverbrechen“. Frauen stellten immer so komische Fragen, die so schwer zu beantworten seien, wie „Musst Du soviel saufen?“ oder „Für wie blöd hältst Du mich eigentlich?“ Wenn man da antworte: „Männer, Männer, Vorsicht – ganz dünnes Eis!“, warnte Raupach. Seine drei Kinder müssten eigentlich Kolibri heißen: „Kohlenmann, Lichtmann, Briefträger.“ Und sein Vater habe immer gesagt: „Wenn ich gewusst hätte, wie viel Spaß Enkelkinder bringen, dann hätte ich die zuerst gemacht.“

Die Diedenbergener hatten die „Zigeuner“-Gruppe aus Hofheim mit der Tanz- und Gesangsshow „We Will Rock You“ zu Gast.

Und sie präsentierten mit der Gruppe „Bäckapps“ des Männergesangvereins Frohsinn etwas Neues. Die Jugendlichen zeigten eine Gesangsshow um Harald Glööckler und ein Wachsfigurenkabinett, in dem ein Double von Amy Winehouse ebenso auftrat, wie eines von Lady Gaga. Was vor zehn Jahren als Vollplaybackshow begann, wird nun live gesungen – und zwar ziemlich gut. Man hätte denken können, der junge Roger Cicero sei in der Turnhalle.

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