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Teamarbeit ist gefragt: Brandschützer, Rotes Kreuz und Malteser bergen hier gemeinsam einen übel zugerichteten Verletzten aus einem Auto.

Feuerwehr, Malteser und Deutsches Rotes Kreuz trainieren den Ernstfall

Hand in Hand für schnelle Hilfe

Feuerwehr, Malteser und Deutsches Rotes Kreuz sind bei Verkehrsunfällen gefordert. Die Bergung und Rettung der Unfallopfer muss in Sekundenschnelle eingeleitet werden. Damit jeder Handgriff sitzt und man sich sozusagen blind versteht, werden regelmäßige Übungen durchgeführt.

Die Mitglieder der Stadtteilfeuerwehren aus Kelkheim-Mitte und Ruppertshain, des Malteser Hilfsdiensts und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) stehen vor der Feuerwache. Die letzten wichtigen Details zum gleich folgenden simulierten Großeinsatz mit zwei ineinander gekrachten Autos und drei Verletzten werden besprochen. Dann geht es los – und das blitzschnell! Die Sirenen ertönen: An Bauhof, am Ende der Jahnstraße, haben Kameraden der Feuerwehr zwei demolierte Fahrzeuge in einem Graben zwischen hohen Bäumen für die groß angelegte Übungseinheit platziert. „Die Autos bekommen wir von den Schrottplätzen der Region“, sagt der Wehrführer der Wehr Mitte, Michael Weck-Vondrovsky.

„In regelmäßigen Abständen müssen wir solche Übungseinheiten durchführen“, erklärt Robin Piper, Fachgebietsleiter Aus- und Fortbildung der Feuerwehr Mitte. „Denn nur so können wir im Ernstfall einen optimal verzahnten, schnellen Handlungsablauf unter den verschiedenen Einsatzkräften garantieren.“ Gemeint ist hierbei nicht nur, dass innerhalb der Wehr jeder Griff sitzen und abgestimmt sein muss. DRK und Malteser müssen beide wissen, was bereits bei Eintreffen am Unfallort zu tun ist, schnell reagieren und passgenaue Handlungsweisen an die Florianretter weitergeben. Denn jede Sekunde zählt. „Wir reden hier von der ,Golden Hour Of Shock‘“, weiß Piper. Sein Kollege Daniel Lauer, Einsatzleiter des Malteser Hilfsdiensts Fischbach, erläutert: „Dies bedeutet, dass ab dem Unfalleintritt maximal 60 Minuten vergehen dürfen, bis der Patient auf dem OP-Tisch im Krankenhaus liegt.

Wenn man bedenkt, dass in diese Zeitspanne auch die Unfallerkennung, Meldung, der Alarmeingang bei der Leitstelle und der Krankentransport bei allgemeiner Verkehrsdichte fallen, kann man sich selbst als Laie vorstellen, wie schnell die eigentliche Opfer-Rettung vollzogen werden muss.“ Lauer weiß aus Erfahrung: „Wenn man sich untereinander kennt, arbeitet man wesentlich effektiver zusammen.“

Im Rahmen der Übung kommt auch das professionell geschulte „AUA-Team“ der Malteser zum Einsatz. „AUA“, das sind Akteure, die auf eine möglichst realitätsnahe Darstellung der Verhaltensmuster von Unfallopfern spezialisiert und autorisiert sind. Auch als „Mimentrupp“ unter Insidern bezeichnet, werden ihnen realistische Unfallblessuren geschminkt, die es dann den Hilfsdiensten ermöglichen, mit täuschend echt aussehenden Verletzungen zu üben. Auch verschiedene Verhaltensmuster wie eine Schockstarre, Bein-oder Armbrüche sowie Quetschungen werden schauspielerisch naturgetreu dargestellt – so wie eben bei der groß angelegten Übung am Bauhof.

„Am Unfallort müssen wir uns zunächst einen Überblick über die Lage und die Verletzungen der Unfallopfer machen. Danach entscheidet sich dann, ob eine ,Sofortrettung’ oder eine ,Schnelle Schonrettung’ eingeleitet wird“, erklärt Piper. Bei einer Sofortrettung ist die Verletzung des Patienten so stark, dass es um Leben oder Tod geht und weitere, bei der Rettung eventuell entstehende Verletzungen in Kauf genommen werden müssen. Bei der schnellen, schonenden Rettung sei aufgrund des Verletzungsbilds eine bedächtigere Rettung möglich, um weitere Verletzungen zu verhindern. „Nichtsdestotrotz muss alles zwischen DRK, Malteser und Feuerwehr verzahnt ineinander greifen und Hand in Hand gehen“, betont Fachgebietsleiter Piper. „Alle beteiligten Hilfskräfte müssen das Rettungs-ABC wissen und danach im Notfall urteilen.“ Diese Richtlinien helfen bei der Untersuchung und Informationsweitergabe an weitere Hilfskräfte.

Bereits während der Erstversorgung am Unfallort werden bei der Übung die Einsatzkräfte der Wehr informiert. Diverse Feuerwehrfahrzeuge fahren in Windeseile zum simulierten Unfall am Münsterer Bauhof. Während eine Schauspielerin die Auswirkungen eines Schocks vorgibt und von den Rettungskräften im Rettungswagen erstversorgt wird, müssen die Wehrmänner in hoher Koordination das Stromaggregat für die hydraulische Schneidefräse aus den Geräteräumen am Rüstwagen rausholen und aufbauen. Bereits nach wenigen Minuten sind auch die anderen Unfallopfer aus den Autos geborgen und können medizinisch weiterbetreut werden.

Im Anschluss an die Rettungsübung beurteilen Feuerwehr, DRK und Malteser regelmäßig den Übungseinsatz aus ihren verschiedenen Blickwinkeln, um im Ernstfall noch besser helfen zu können. Nur wenn das Geschehen gemeinsam aufgearbeitet wird, können Schwachstellen erkannt und minimiert werden. Denn die Rettung und Versorgung ist heutzutage keinesfalls leichter geworden, wissen die Kelkheimer Helfer (siehe „Info“).

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