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Theater-AG der Gesamtschule Fischbach

Handy-Sucht überdenken

Bei der Premiere ihres Stückes „Smombies“ begeisterte die Theater-AG der Gesamtschule Fischbach ihre Zuschauer. Die Idee zur Aufführung stammte dabei aus der Feder der Schüler.

Wir alle kennen sie, gehören vielleicht sogar selbst zu ihnen, sehen sie aber auf jeden Fall täglich. Ob auf der Arbeit, in der Schule, auf der Straße oder in Bus und Bahn begegnen uns diese Menschen, die stets ihren Blick starr auf das Handy richten. Im urbanen Sprachgebrauch nennt man diesen Typus „Smombie“ – zusammengesetzt aus Smartphone und Zombie.

Im gleichnamigen Stück setzte sich die Theater AG der Gesamtschule Fischbach mit diesem Thema auseinander. Bemerkenswert: Das Skript zur Aufführung haben die Mitglieder der AG, bestehend aus Sarah Kruse, Kim Prokasky, Sarah Hammad, Harpreet Kaur, Sarah Hauser, Kathrin Schilb, Lars Richter, Eua Funke, Jessica Choate, Vanessa Adner und Marlene Kiauk, selbst geschrieben.

Ort der Handlung ist das „Haus Offline“ – eine Therapieeinrichtung für sogenannte „M und M’s“. Hinter diesem Begriff verbergen sich nicht etwa die leckeren Schokoladenlinsen, sondern minderjährige Mediensüchtige. Sieben dieser Teenies treffen im Rahmen der einwöchigen Therapie aufeinander, sie alle eint der zwanghafte Griff zum Handy. Dennoch ist es den Schülern beim Ausarbeiten des Stücks gelungen, jedem der Charaktere eine eigene Persönlichkeit und der Aufführung eine spannende Dynamik einzuhauchen. Es gibt unter anderem die Foto-Süchtige, die jeden noch so trivialen Moment festhalten muss. Es gibt außerdem den Dauer-Zocker, der sich kaum von den Spielen auf seinem Smartphone lösen kann, oder etwa die zurückgezogene Außenseiterin, die sich lieber mit Musik beschallt, als am wahren Leben teilzuhaben. Jede Figur hat ihre eigene Schwäche und Motivation, sich damit auseinanderzusetzen. Einige wurden von den Eltern zur Therapie angemeldet, andere gar auf Geheiß eines richterlichen Beschlusses. Ein Charakter nimmt sogar freiwillig teil – aus Angst, die anstehenden Abi-Prüfungen wegen der Handy-Sucht zu vergeigen. Diese Unterschiede sorgen für Reibung innerhalb der Therapie-Gruppe. Darüber hinaus für viele lustige Momente.

Zwar behandelt „Smombies“ ein im Kern ernsthaftes Thema, doch die Theater-AG lässt jede Menge Humor und Charme einfließen. So antwortet etwa einer der Jugendlichen namens Horst-Uwe auf die Frage, wie denn sein Verhältnis mit den Eltern sei, mit einer Gegenfrage: „Wie sähe denn Ihr Verhältnis zu jemandem aus, der Sie allen Ernstes Horst-Uwe getauft hat?“ Die Hobby-Fotografin Maniana sorgt immer wieder für Lacher, schließlich muss sie sogar von der Box, in der sie während der Therapiesitzung ihr Handy legen soll, noch schnell ein Schnappschuss für Instagram machen. Der Kommentar, dass früher Generationen stundenlang mit den Nasen in Büchern gehangen haben und trotzdem nicht als „Lesesüchtige“ eingewiesen wurden, veranlasste das Publikum dazu, zu schmunzeln und über das Argument nachzudenken.

Schließlich gibt es am Ende der Aufführung keinen erhobenen Zeigefinger, keine Moral von der Geschichte und keinen Appell pro oder kontra Smartphone-Nutzung. „Wir brauchen die Dinge ja im Grunde auch alle“, erklärt Theater-AG-Leiter Volker Zill, „aber wir sehen auch selbst, wenn es zu viel wird und auch Jugendliche haben ein Gefühl dafür, dass es abseits des Handys Wichtigeres im Leben gibt“. Das Stück „Smombie“ ist damit eher ein Anstoß, einfach mal selbst auf seine Gewohnheiten im Umgang mit der Mobiltechnik zu achten – und im Zweifelsfall vielleicht das Gerät einfach mal beiseite zu legen.

(rk)

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