+
Ein junger Mann aus Hattersheim will einen verletzten Fuchs retten. Doch die Polizei hat andere Pläne. (Symbolbild)

Tierarzt wütend

Polizei tötet verletzten kleinen Fuchs - Tierschützer sind schockiert

Ein junger Mann aus Hattersheim will einen verletzten Fuchs retten. Doch die Polizei tötet das Tier.

  • Junger Mann findet kleinen Fuchs in Hattersheim
  • Das Tier hatte sich im Zaun verfangen
  • Polizei tötet das Tier gegen den Willen des Tierschützers

Hattersheim – Der junge Mann aus Okriftel, einem Stadtteil von Hattersheim (Main-Taunus-Kreis), ist ein großer Tierfreund. Deshalb kann er nicht tatenlos zusehen, als er an diesem frühen Junisonntag beim Radfahren einen kleinen Fuchs entdeckt, der sich in einem Metallzaun am Feld verfangen hat. Das Tier hängt hilflos kopfunter im Draht. Der junge Mann, der mit seinem Hund unterwegs ist, bleibt stehen. Er zögert keine Sekunde und beginnt das Tier zu befreien. 

"Ich habe die Pfote langsam und vorsichtig rausziehen können. Um ihn nicht aufzuregen, habe ich einen Pullover über seinen Kopf gelegt. Er hielt ganz still", erzählt der Okrifteler. Er kann den Fuchs befreien, begutachtet die verletzte Pfote und will ihn zu seinem Tierarzt bringen. Der hat an diesem Sonntag keinen Notdienst und ist nicht erreichbar.

Hattersheim: Junger Tierfreund will Fuchs retten 

Der junge Tierfreund - er will anonym bleiben - findet die Nummern der Tierkliniken in Hattersheim und Hofheim heraus. Von beiden Einrichtungen bekommt er die Antwort: „Wir sind nicht für verletzte Wildtiere zuständig.“ Stattdessen verweisen die Kliniken den besorgten Mann an die Polizei sowie an den Jagdpächter. Der Okrifteler beschließt, den Fuchs mit nach Hause zu nehmen. „Ich habe ihn vorsichtig in meinen Pullover gepackt und bin nach Hause geradelt.“ 

Dort angekommen, bringt er das Tier auf den Balkon. „Er war sehr schwach. Meine Freundin hat ihm Wasser gegeben.“ Indes ruft der Tierfreund bei der Polizei an. Auch dort wird er zunächst an den Jagdpächter verwiesen. Nach zehn Minuten meldet sich die Polizei und kündigt an, dass Beamte vorbeikommen - unter ihnen ein Kollege, der sich damit auskennt. „Ein Jäger, der weiß, wie zu handeln ist. Er kümmert sich um den Fuchs“, gibt der Okrifteler die Worte des Polizisten wieder. „Da hatte ich schon kein gutes Gefühl“, sagt der Tierfreund später.

Nach einer knappen Viertelstunde klingeln die Polizeibeamten. „Sie waren zu dritt. Zwei Männer und eine Frau.“ Die Polizisten schauen sich den Fuchs an, den die Freundin des jungen Mannes betreut und weisen den Naturfreund zurecht. „Das ist lebensgefährlich.“ In diesem Zusammenhang fällt das Wort „Tollwut“. Es hagelt Vorwürfe, weil er das Tier mitgenommen hat. „Man muss draufhalten, wenn man einen Fuchs sieht. Erst recht, wenn man einen Hund hat“, belehrt ihn der jagderfahrene Polizist.

Hattersheim: Lautes Geräusch vom Balkon – Fuchs stirbt

Jetzt geht alles ganz schnell: Die Freundin wird vom Balkon geschickt. „Ich konnte den Fuchs noch mal kurz trösten. Dann war ich im Wohnzimmer. Plötzlich habe ich ein lautes Geräusch gehört, das wie ein Schuss klang.“

Der Polizist tötet das verletzte Tier mit einem Schlag ins Genick. „Überall war Blut“, erinnert sich der junge Okrifteler. Die Polizei packt den toten Fuchs ein und nimmt ihn mit. Die Spuren bleiben; die sichtbaren, aber auch die seelischen. „Es war ein traumatisches Erlebnis“, schildert das tierliebe Paar, das über Monate versucht, die Bilder zu verdrängen. Beide machen sich Vorwürfe. Fühlen sich alleingelassen, bis sie mit einer Tierärztin darüber reden können. „Man hat uns keine Wahl gelassen, eine Entscheidung zu treffen.“

Hattersheim: Polizei tötet Fuchs

Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies kann dies nachvollziehen. Was sie vor allem empört, ist die Unkenntnis. „Es gibt keine Tollwut mehr. Schon lang nicht mehr. Seit dem 28. September 2008 ist Deutschland tollwutfrei. Das weiß die Polizei.“

Der verletzte Fuchs, kurz nachdem ihn der junge Mann aus Okriftel bei Hattersheim aus den Metallstäben des Zauns befreit hat. 

Die Veterinärin aus Hattersheim ärgert sich zudem über das Verhalten der Kliniken. Bereits vergangenes Jahr war die Hofheimer Tierklinik in die Kritik geraten, nachdem die Hattersheimer Feuerwehr dort einen verletzten Fuchs von seinen Leiden befreien lassen wollte. Auch damals verwies die Klinik auf den Jagdpächter. Der allerdings forderte die Feuerwehr am Telefon auf, Druck bei der Klinik zu machen. Daraufhin wurde das Tier dann doch von den Hofheimer Ärzten eingeschläfert.

Fuchs in Hattersheim getötet: „Das Handeln war notwendig“

Polizeisprecher Johannes Neumann ist der aktuelle Fall aus Okriftel bei Hattersheim bekannt. „Auch wenn es tragisch war. Das Handeln der Kollegen war notwendig. Das Tier hätte unnötig gelitten, wenn man noch länger gewartet hätte.“ Zudem stellt Neumann klar, „der Fuchs wurde nicht erschossen, sondern mit einem Genickschlag von seinem Leiden erlöst. Es ist ganz klar, dass wir in einem befriedeten Besitztum, also in einer Wohnung nicht einfach schießen dürfen. Deshalb hat der Kollege - ein erfahrener Hobbyjäger - entschieden, das Tier mit einem gezielten Genickschlag zu erlösen. Der Fuchs war bereits im Zustand der Agonie. Der Kollege hat auch erkannt, dass der Fuchs bereits krank war und zusätzlich zu seiner Verletzung offenkundig an einer Infektion litt. Das ist für Haustiere fatal, denn sie können sich anstecken. Deshalb sollte man kein Wildtier anfassen oder es gar mit nach Hause nehmen“, warnt er eindringlich.

Was sollte man stattdessen tun, wenn man ein verletztes Wildtier findet? „Den Jagdpächter alarmieren. Wenn man diesen nicht herausfindet, bitte die Polizei anrufen.“ Abschließend sagt Neumann: „In diesem speziellen Fall sind wirklich viele unglückliche Zufälle zusammengekommen. Dass dies für sensible Tierfreunde schwer zu verkraften ist, kann ich nachvollziehen.“ 

Von Christine Sieberhagen

In der Wetterau ist ein Hund ausgesetzt worden. Futter und Wasser hatte er nicht. Nun ist klar: Er hat die Qualen nicht überlebt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare