Ein Eddersheimer kritisiert die Rodung dieses Grundstücks an der Propsteistraße. Foto: privat

Rodungsarbeiten

Ärger über Kahlschlag-Polemik in Eddersheim

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Weil bis zur Erweiterung des katholischen Kindergartens ein Provisorium mit Containern geschaffen wird, gibt es Ärger wegen Rodungsarbeiten im alten Ortskern von Eddersheim.

Der Stadtteil Eddersheim benötigt weitere Betreuungsplätze für Kinder im Kita-Alter. Die erforderlichen Räume sollen vorübergehend im alten Propsteihof vor dem katholischen Kindergarten entstehen. An der Ecke Ankerstraße/Propsteistraße lässt die Stadt Container aufstellen, die als Übergangslösung bis zur baulichen Erweiterung der Kita dienen sollen. Als Vorbereitung für die Installation der provisorischen Räume wurden Erdarbeiten durchgeführt und Bäume gefällt. Einem Kritiker aus den Reihen einer Bürgerinitiative schmeckt dies gar nicht.

Maßnahme ist befristet

Urs Höhne von der Interessengemeinschaft „Main Eddersheim“ spricht von einem „Kahlschlag im historischen Garten“ und von einer Verschandelung des Stadtbildes. Der Denkmalschutz werde im Bereich des historisch wichtigsten Gebäudes in Eddersheim zurückgestellt. Höhne fragt zudem nach der Zukunft einer historischen Schwengelpumpe auf dem Areal.

Der Bauingenieur hatte sich schon bei der Bebauung des ehemaligen Friedhofs an der Bahnhofstraße eingeschaltet und die Stadt damals scharf kritisiert. Die Interessengemeinschaft beklagte damals den Umgang mit Knochenfunden und verwies auf Euthanasieopfer, die während des Nationalsozialismus in diesem Bereich angeblich bestattet worden seien. Aufzeichnungen, die dies belegen könnten, wurden jedoch bisher trotz verschiedener Recherchen nie gefunden.

Die Stadt weist auch die jüngsten Vorwürfe in Bezug auf die Arbeiten im ehemaligen Propsteihof zurück. Die Baugenehmigung für die Container enthalte die denkmalschutzrechtliche Genehmigung. Mit einer Befristung auf drei Jahre sei außerdem sichergestellt, dass der Garten als Freifläche vor dem Gebäude erhalten bleibe. Die Maßnahme verstoße nicht gegen die Satzung zur Erhaltung baulicher Anlagen und sei mit dem Denkmalschutz vereinbar, hieß es auf Nachfrage dieser Zeitung.

Brandschutzuntersuchungen seien der Grund dafür, dass die Container nicht so nah am Gebäude stehen können, wie ursprünglich vorgesehen. Dies habe es erforderlich gemacht, die Übergangsräume näher an der Grundstücksmauer zu errichten, berichtet eine Sprecherin der Stadt. Um den benötigten Platz zu schaffen, ließ die Verwaltung den Bewuchs in diesem Bereich entfernen. Bereits im Jahr 2017 seien Bäume auf dem Gelände gefällt worden. Für die nun anstehende Maßnahme fällte das beauftragte Unternehmen eine Esche, einen Ahorn, drei Flieder, einen Holunder, eine Forsythie und drei Scheinquitten. Die Schwengelpumpe, die im Unterwuchs gefunden wurde, könne an ihrem Standort bleiben.

Auf der Internetseite des Landesamtes für Denkmalpflege werden das Gebäude und die Grünfläche in der Propsteistraße 18 als „Kulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen“ bezeichnet. Der ehemalige Hof der Mainzer Dompropstei sei seit dem 1332 an dieser Stelle nachweisbar. Die heutigen Gebäude gehen auf das 18. Jahrhundert zurück.

Platz für 15 Kita-Plätze

Die Stadt Hattersheim erläutert, dass es sich bei der Fläche des Propsteihofes nicht um eine Gartenanlage handele, wie sie beispielsweise mit dem schützenswerten Garten des Nassauer Hofes in Hattersheim besteht. Dieser sei nach Vorgaben des Denkmalschutzes restauriert worden und genieße außerdem Ensembleschutz. Aus dem Garten an der Ecke Propsteistraße/Ankerstraße sei hingegen keine historische Gartenstruktur ableitbar. Der gepflasterte Weg, der vom Zugang auf Seiten der Propsteistraße am Gebäude entlang führt, sei mit Sicherheit jüngeren Datums. Die Verwaltung stellt klar, dass der von Urs Höhne verwendete Begriff „historischer Garten“ gemeinhin für gestaltete Gärten verwendet werde und in diesem Zusammenhang nicht angemessen sei. Die verwendete Bezeichnung diene „polemischen Zwecken“. Aus Sicht der Stadtverwaltung steht der Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze damit nichts mehr im Weg. Die Container sollen Ende des Monats angeliefert werden. Durch die zusätzlichen Räume entstehen 15 weitere Plätze für die Kita-Betreuung.

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