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Sami Kodraliu schaut auf das Bauschild für das Ex-Werkstattgebäude, das zum Museum umgebaut werden soll.

Verzögerungen

Museumsprojekt in Hattersheim: Die Baustelle ruht schon wieder

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Es ist allmählich so etwas wie eine unendliche Geschichte: Das Museumsprojekt verzögert sich erneut. Verantwortlich dafür ist zum einen eine Bauträgerfirma, zum anderen ein Anwohner, der Einspruch erhoben hat.

Das Museumsprojekt in Hattersheim kommt einfach nicht richtig voran. Erst konnte die Kommune nicht so, wie sie eigentlich wollte, weil sie unter dem Schutzschirm des Landes Hessen schlüpfen musste, um ihre Schulden abzubauen. Der Kauf des einstigen Werkstattgebäudes der ehemaligen Schokoladenfabrik Sarotti, in dem nun irgendwann das Museum eröffnet werden soll, stand deshalb nie auf der Tagesordnung. Es komplizierte aber die Bemühungen, mit wenig finanziellem Aufwand das Projekt doch noch zu stemmen. Der rührige Geschichtsverein machte es aber möglich, dass die Stadt dennoch Museumsräume in dem ehemaligen Werkstattgebäude eingerichtet bekommt. Das ist ebenso gut wie notwendig, denn Hattersheim hat eine interessante Industriegeschichte zu bieten, wie sie typisch für Bereiche des Rhein-Main-Gebietes ist. Ganz abgesehen von den sensationellen Funden aus der Keltenzeit sowie den immer noch erstaunlichen Original-Aufzeichnungen und Plänen zu den Erfindungen von Anton Flettner.

Rückblende: Der Stadtverordnetenversammlung wurde im Jahr 2016 ein Entwurf zur Abstimmung vorgelegt. Die damalige rot-grüne Mehrheit beschloss die Vorlage gegen die Stimmen der Opposition. Das Projekt sollte auf sicheren Füßen stehen. Eine Investorengesellschaft sollte das einstige Werkstattgebäude von der Nestlé AG übertragen bekommen und sanieren. Nestlé als Grundstückseigentümer zahlte dem Investor 1 Million Euro. Es sollte noch einmal eine weitere Million Euro investiert werden. Und zwar mit Hilfe von auswärtiger Investoren, die ein Drittel des Projekts finanzieren sollten. Ein Glasanbau an das Werkstattgebäude, für den eine gastronomische Nutzung vorgesehen ist, sollte die Investitionssumme amortisieren.

Verzögerungen

Nachdem nun in der Stadtverordnetenversammlung eine Koalition von CDU, FWG und FDP den Ton angibt, hält das einst von rot-grün eingeleitete Projekt die Stadtverwaltung seit Monaten auf Trab. Zuerst benötigte die mit der Sanierung des Werkstattgebäudes sowie der Errichtung eines Glasanbaus beauftragte Bauträgerfirma viel länger als gedacht, einen ordnungsgemäßen Bauantrag bei der Kreisbehörde einzureichen.

Die Zeitverzögerung sorgte dafür, dass der Vertrag mit dem Investor auf tönernen Füßen stand. Doch die neue Mehrheit von CDU, FWG und FDP wollte an dem Beschluss der einstigen rot-grünen Koalition nicht rütteln. Deren Willen gelte es zu respektieren, hatte Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) deutlich gemacht. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan in Sachen Museumsprojekt. Doch viel positives ist nicht dabei herausgekommen. Im Gegenteil. Er habe bisher noch nie derart große Schwierigkeiten bei einem Investor erlebt, hatte Verwaltungschef Klaus Schindling den Stadtverordneten erklärt. Denn die Vertreter der Bauträgerfirma mit Firmensitz im benachbarten Hofheim hüllten sich meistens in Schweigen, beziehungsweise seien nicht zu erreichen. So auch wie beim letzten Stand der Dinge, der vom Ende Dezember datiert. Klaus Schindling erläuterte bei einem Pressegespräch, dass die Umbauarbeiten im Werkstattgebäude eingestellt worden seien, nachdem ein Anwohner Einspruch gegen den geplanten angrenzenden Glasanbau erhoben habe, in dem die Gastronomie neben dem Museum untergebracht werden soll. Zwar habe der Anbau nichts mit den Arbeiten im Werkstattgebäude zu tun, für das es weiter ein Baurecht gebe, wie Schindlings persönlicher Referent Stefan Käck erklärte. Doch die Arbeiten seien trotzdem einfach abrupt eingestellt worden. Seitdem herrscht wieder Funkstille auf der Baustelle – und bei dem Versuch, die Vertreter der Bauträgerfirma zu Informationen über das weitere Vorgehen zu bewegen.

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