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Über das Neubaugebiet Ölmühle diskutieren die Stadtverordneten in Hattersheim bereits seit einigen Monaten.

Mietwohnungen

Grüne kritisieren Planung für Neubaugebiet und die Beschlüsse der Mehrheitskoalition

Mit mehr als 800 sozial geförderten Wohnungen ist Hattersheim der Spitzenreiter im Main-Taunus-Kreis. Nun sollen bald über 200 neue Mietwohnungen im Baugebiet Ölmühle entstehen. Allerdings keine Sozialwohnungen. Die Grünen monieren dies.

Um es vorweg zu nehmen: Bei der Diskussion um das Neubaugebiet Ölmühle zwischen Hattersheim und Okriftel geht es hauptsächlich um ideologischen Fragen. So zum Beispiel, ob Hattersheim noch weitere sozial geförderte Wohnungen benötigt. Oder um die Frage, was zwar unter ökologischen Gesichtspunkten unbedingt bei einem neuen Baugebiet eingeplant werden müsste, was aber baurechtlich nicht vorgeschrieben ist.

„Nicht nachgebessert“

Dementsprechend äußert sich nun der Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Winfried Pohl: „Bei den derzeitigen Beratungen über das Neubaugebiet „Ölmühle“, östlich des Hessendamms in Richtung Okriftel, „geht es um viel mehr als um wichtige, fachliche Details“. Die Abstandsflächen seien zu gering bemessen und ein Fuß- und Radweg westlich des Schwarzbachs sei nicht vorgesehen.

Zudem liege die Hauptzufahrt für Autos in der Verlängerung der „naturgeprägten Wasserwerkchaussee und beeinträchtigt somit die Fuß- und Radwegebeziehung im Bereich der Regionalparkrouten“, meint Winfried Pohl.

Außerdem sei ein öffentlicher Quartierstreffpunkt entlang der internen Erschließungsstraße vorgesehen, was die Aufenthaltsqualität deutlich einschränke, moniert der Stadtverordnete. Die gesamte Planung lege „zu wenig Wert auf Nachhaltigkeit, weder aus ökologischer, noch aus sozialer Sicht“. Ein Energie- und Mobilitätskonzept fehlt gänzlich. „Es ist gerade jetzt, wo international über Maßnahmen zum Klimaschutz diskutiert wird nicht zu verstehen, dass unsere bewährten Standards hier nicht angewendet werden“, bedauert Winfried Pohl.

Bei zurückliegenden Beratungen hatten die Grünen die Höhe der Gebäude und die Dichte der Bebauung kritisiert. „Leider wurde hier nicht nachgebessert“, zeigt Winfried Pohl enttäuscht, „im Gegenteil, die Ausnutzungswerte wurden zum Teil sogar erhöht“. Anstatt der vorgegebenen Dichtewerte von 45 bis 60 seien jetzt 92 Wohneinheiten je Hektar eingeplant.

Es sei offensichtlich, dass nicht die Bedürfnisse der Stadt und ihrer Bürger, sondern die Planungserwartungen des Bauträgers bei der vorgelegten Planung Vorrang hatten. Dies sei auch daran zu erkennen, dass grundsätzlich vom Rahmenplan abgewichen worden sei. Vor zehn Jahren hätten die Stadtverordneten einvernehmlich beschlossen, dass der Bereich südlich der verlängerten Wasserwerkchaussee nicht bebaut werden soll. Vorgesehen seien aber dort nur ortsnahe Ausgleichflächen, „die höchstens langfristig für künftige Generationen als Bauland vorgehalten werden sollten“, erklärt Pohl.

Für die Hattersheimer Grünen gehe es neben den ökologischen Anforderungen, die jedes neue Baugebiet erfüllen sollte, auch um die grundlegende Frage der Stadtstruktur: „Für welche Bevölkerungsgruppen soll Wohnraum geschaffen werden?“, stellt Winfried Pohl eine rhetorische Frage, die er selbst beantwortet. Eine intakte Stadtgesellschaft lebe von einer guten Mischung. So sollen junge Familien, Alleinlebende und Paare, Wohn- und Lebensgemeinschaften aller Generationen und mit unterschiedlichen Einkommen in Hattersheim ein passendes Wohnungsangebot finden.

Dass die heutige Stadtregierung mit Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) an der Spitze „sich nun offen dazu bekennt keinen weiteren sozial geförderten Wohnraum oder zumindest vertraglich limitierte Mietpreise anzustreben“, kritisierte der Grüne. Das Argument der Stadtregierung, dass Infrastruktur nur zu finanzieren ist, wenn einkommensstarke Menschen nach Hattersheim zögen, zeige die fehlende soziale Kompetenz und dass mangelnde Einfühlungsvermögen in die Nöte und Sorgen Wohnungssuchender, weshalb die Grünen den Bebauungsplan mit diesen Inhalten und in dieser Form ablehnen.

Respekt zollen, so Pohl, die Grünen den Bürgern, „die gute und dem Allgemeinwohl verpflichtete Eingaben bei den zurückliegenden Verfahrensphasen gemacht“ hätten. „Leider ohne Erfolg. Da vermissen die Grünen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den nachvollziehbaren Argumenten der Bürger“, sagt Winfried Pohl.

(hk,meh)

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