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Ein Bild aus besseren Zeiten auf dem Wiesenhof: Maike Höpp und Pferd Efenia. ArchivFoto: Nietner

Corona-Krise

Eddersheim: Reitsportgruppe fürchtet Insolvenz

Dem Verein vom Wiesenhof fehlt das Geld für die Versorgung der Pferde - die Reserven sind längst aufgebraucht.

Eddersheim -Während der mehrwöchigen Einstellung der Vereinsangebote im Frühling konnte die RSG Eddersheim als finanzielle Rücklage auf die kurz zuvor bezahlten Mitgliedsbeiträge zurückgreifen. Ursprünglich sollte das Geld allerdings für dringende Sanierungsarbeiten an den Reit- und Therapiehallen genutzt werden. Diese stehen nun weiter aus.

Für die erneute durch die Corona-Maßnahmen bedingte Schließung steht der Reitsportgruppe (RSG) nun aber keine finanzielle Reserve mehr zur Verfügung. Ob und wie die monatlichen Kosten von etwa 12 000 Euro für die Grundversorgung der Pferde finanziert werden können, ist offen. Die Verantwortlichen tun alles, um die drohende Pleite abzuwenden.

Von März an hatte die Reitsportgruppe Eddersheim um ihre Existenz gekämpft: Mit der Corona-bedingten Schließung gingen die Einnahmen des gemeinnützigen Vereins von einem auf den anderen Tag auf Null zurück. Die Ausgaben blieben: Die vereinseigenen Pferde mussten versorgt, mehrfach täglich gefüttert und bei Krankheiten und Verletzungen tierärztlich behandelt werden. Das finanziert der Eddersheimer Verein normalerweise über die Einnahmen aus Reitstunden, Kursen und therapeutischen Angeboten. Ende August hatte der Verein unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts auch die letzten seiner Angebote wieder gestartet - um nun erneut alles einzustellen.

"Die letzten Tage waren wie eine Achterbahnfahrt", beschreibt Vereinsvorsitzende Katrin Förster. "Mal wurden Informationen veröffentlicht, dass gar kein Vereinssport möglich sei, mal sah es aus, als könne zumindest ein Teil unserer Angebote, etwa Einzelunterricht und damit auch die therapeutischen Angebote, stattfinden." Mit dem am Dienstag nachträglich veröffentlichten Beschluss des Landes Hessen, dass auch private Sportanlagen schließen müssen, muss der Verein seinen Betrieb allerdings erneut vollständig einstellen.

Die erneute Schließung, die vorerst bis Ende des Monats dauern soll, trifft den Verein nun noch einmal deutlich härter: "Im Frühling konnten wir etwa 40 Prozent der Kosten über Spenden abdecken und für die übrigen Ausgaben auf die Mitgliedsbeiträge der Vereinsmitglieder zurückgreifen, die immer zu Jahresbeginn fällig sind", so Daniela Herrmann, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Rücklagen stehen jetzt, da der Verein erneut vollständig auf Einnahmen verzichten muss, keine mehr zur Verfügung. Wieder sind Spenden vonnöten.

Viel Abstand in gut belüfteter Halle

Förster zeigt sich enttäuscht von den Regelungen, bei denen alle Vereins- und Sportangebote ohne Differenzierung verboten werden: "Reiter müssen mindestens zwei bis drei Meter Abstand voneinander halten, damit die Pferde sich nicht gegenseitig treten. Das alles passiert bei uns in einer 800 Quadratmeter großen, an einer Seite offenen und damit gut belüfteten Reithalle, in der sich sonst maximal sechs Reitschüler zeitgleich aufhalten. Wir wären auch sofort bereit gewesen, die Anzahl auf maximal drei Reitschüler zu reduzieren, wenn wir dafür nicht den gesamten Betrieb hätten einstellen müssen."

Beim ersten "Lockdown" im Frühjahr hatte die Regelung pro Reiter 200 Quadratmeter vorgesehen, in der Vereinshalle hatten sich also vier Personen zeitgleich aufhalten dürfen. Reitunterricht war allerdings auch damals nicht gestattet.

Die Pferdeboxen ordnen sich bei dem Verein um einen offenen Hof an und befinden sich nicht in einem geschlossenen Stallgebäude. "Der einzige geschlossene Raum, den die Reitschüler betreten müssen, ist die Sattelkammer, in der sich das Zubehör für die Pferde befindet - und die darf laut unseres Hygienekonzepts nur einzeln und mit Maske betreten werden", betont Herrmann.

"Besser aufgestellt als Schulen"

"Auch wir wollen nicht um jeden Preis unsere Angebote fortsetzen - die Gesundheit unserer Vereinsmitglieder ist uns wichtig, gerade im Bereich des therapeutischen Reitens müssen wir hier besonders vorsichtig sein. Dennoch waren und sind wir mit unseren Regelungen, den äußeren Bedingungen auf dem Vereinsgelände und den Anforderungen, die unser Sport mit sich bringt, besser aufgestellt als Supermärkte und Schulen."

Dennoch muss der Verein seine Angebote erneut einstellen. "Strenggenommen dürften nach der aktuellen Formulierung nicht einmal Reithallen zur Bewegung von Pferden genutzt werden, was aus Sicht des Tierschutzes allerdings zwingend nötig ist", so Herrmann. Wie der Verein diesmal die notwendige Betreuung der Schulpferde organisiert, steht noch nicht fest. "Solange unklar ist, ob und in welchem Ausmaß die Hallennutzung möglich ist, können wir noch nichts planen. Zeitlich wird es sowieso eng, ehrenamtlich und neben Beruf und Familie mit nur einem kleinen Team die regelmäßige Bewegung von 17 Pferden zu gewährleisten."

Der Verein hat eine Spendenaktion gestartet. Infos auf der Facebook-Seite des Vereins (www.facebook.com/rsgeddersheim) oder auf www.rsg-eddersheim.de. red

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