Reinigung

Enten sitzen auf dem Trockenen

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Die Mitarbeiter der Fachfirma, die den Weiher auf Vordermann bringen, fischten aus dem Wasser unter anderem drei Tretroller zutage. Aber auch exotische Fische wie ein Koi-Karpfen kam zum Vorschein. Mit der Reinigung soll auch der defekte Pumpschacht der Fontänen repariert werden.

Na sowas. Drei Enten, die gestern Vormittag durch das Becken des Hattersheimer Stadtweihers watschelten, schienen die Welt nicht mehr zu verstehen. Bis vor wenigen Tagen konnten die Wasservögel genau an diesem Fleck schwimmen, planschen und tauchen. Auch zwei Wildgänse wirkten ein wenig fehl am Platz. Die braunen Vögel liefen scheinbar verloren auf der mit Sand bedeckten Wiese umher. Sie alle sitzen derzeit auf dem Trockenen. Dem Weiher wurde in dieser Woche das Wasser abgelassen.

Anstelle der Wasservögel waren zwei Männer in weißen Ganzkörper-Schutzanzügen im Bereich des Weihers aktiv. Die Mitarbeiter eines Rohr- und Kanalservices hatten ihr schweres Fahrzeug auf dem Weg am Ufer geparkt. Mit einem langen Schlauch saugten sie den verbliebenen Schlamm vom Boden der trocken gelegten Wasserfläche. Bis heute soll die Entfernung der sumpfigen Überreste abgeschlossen sein. Die Stadt lässt den Weiher in unregelmäßigen Abständen reinigen. Diesmal soll die Entfernung des Wassers außerdem für Reparaturmaßnehmen genutzt werden. Ein Pumpschacht für die Wasserfontänen sei undicht, erklärte Rathaussprecher Stefan Käck auf Nachfrage.

Spannend wurde es bereits am Samstag: Mitarbeiter des Hattersheimer Angelsportvereins und des Tierschutzvereins halfen, die Bewohner des Weihers umzusiedeln. Obwohl das Gewässer offiziell nicht mit Lebewesen besetzt ist, finden sich beim Entfernen des Wassers jedes mal ungewöhnliche Gäste. Als Krönung der Fisch-Population entdeckten die Helfer einen Koi-Karpfen. Das Schwergewicht wurde mit einem speziellen Kescher-Netz eingefangen. Der Koi teilte sich den Stadtweiher mit Goldfischen, Karauschen, Moderlieschen, Stichlingen und Bitterlingen. Stefan Käck bezeichnete die Vielfalt im Weiher als „bemerkenswert“. Doch wo kommen die Tiere her? „Koi und Goldfische werden wohl nicht über Land gerobbt sein“ – so weit ist sich Stefan Käck sicher. Der Rathausmitarbeiter vermutet, dass einige Fische von Parkbesuchern ausgesetzt wurden. Es ist aber auch denkbar, dass Wasservögel die Fischeier zufällig in ihrem Gefieder transportierten. Alle Fische, die am Wochenende eingefangen wurden, sollen in einem Teich im Taunus ein neues Zuhause finden.

Neben den Fischen lebten zwei weitere exotische Gäste am Weiher. Die Helfer fanden Rotwangenschildkröten, die ursprünglich in den USA und Mexiko beheimatet sind. Bei frei lebenden Exemplaren in Deutschland handelt es sich meistens um ausgesetzte Schildkröten. Mitarbeiter des Hattersheimer Tierschutzvereins haben die beiden Reptilien mitgenommen. Sie sollen über das Tierheim vermittelt werden.

Unerfreulich war der Abfall, der mit dem Abpumpen des Wassers an die Oberfläche kam. Gestern ragten unter anderem Flaschen, Dosen und eine Feuerwerksrakete aus dem Schlamm. Es sei allerdings weniger Müll gefunden worden als erwartet, urteilt Stefan Käck. Einige besondere Funde stachen heraus: So fanden die Arbeiter gleich drei Tretroller im Wasser. Darüber hinaus tauchten viele Steine auf, die zum Mosaikpflaster rund um die Sitzgelegenheiten am Weiher gehören. Diese könnten eventuell wieder eingesetzt werden, erläutert Käck.

Das Spezialfahrzeug des Abwasserunternehmens, das den Schlamm abpumpte, hinterließ tiefe Spuren am Rand der Wiese im Stadtpark. Die Grünfläche wird derzeit ohnehin erneuert, weil das mobile Veranstaltungslokal „Alm Deluxe“ Schäden verursachte. Stefan Käck erklärt, dass die Stadt das Glätten und Einwalzen des neuen Bodens verschoben hat, bis der Weiher fertig gereinigt ist. Im Zuge der kommenden Arbeiten soll auch der Wiesenrand wieder ordnungsgemäß hergestellt werden.

Nach Angaben der Stadt soll der Weiher spätestens bis zu den Klassikertagen Ende Mai wieder mit Wasser befüllt sein. Die Dauer der Maßnahme hängt davon ab, wie schnell die Ursache für das Problem im Pumpenschacht der Wasserfontänen gefunden wird. Falls größere Reparaturarbeiten anstehen, werden zunächst die Kosten ermittelt, erklärt Stefan Käck. Die Stadtverordneten müssten die Ausgaben dann absegnen.

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