Sexueller Missbrauch

Erneuter Prozess: Lehrer soll sich mehrfach an Schülerin vergangen haben

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Der Lehrer einer Grundschule in Hattersheim war wegen sexuellen Missbrauchs eines Mädchens verurteilt worden. Nun muss der Fall neu verhandelt werden und das mutmaßliche Opfer erneut aussagen.

Neuauflage in einem Prozess gegen einen suspendierten Grundschullehrer der Regenbogenschule: Der Pädagoge soll sich zwischen 2012 und 2013 an einer Schülerin mehrfach sexuell vergangen haben. Nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil von vier Jahren Haft aufgehoben hatte, wird der Fall nun erneut verhandelt. In dem ersten Strafprozess vor der Jugendstrafkammer hatte der angeklagte Grundschullehrer alle Vorwürfe pauschal zurückgewiesen. Entsprechend aufwendig gestaltete sich die Beweisaufnahme. Nach sieben Monaten traten die Richter 2015 schließlich mit einem Urteil aus dem Beratungszimmer: vier Jahre Haft für den heute 60-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs und schweren sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen.

Einer der angeklagten Vorfälle sowie der Vorwurf, im Computer mehr als 120 kinderpornographisches Bildmaterial gespeichert zu haben, waren zuvor fallengelassen worden.

Verurteilt aber wurde der in der Schule zuvor offenbar sehr angesehene Lehrer wegen eines Vorfalls während einer Klassenfahrt nach Schotten im Vogelsberg, bei dem der Angeklagte das damals zehnjährige Mädchen entkleidete und auf seinen ebenfalls nackten Unterkörper legte. Als ein anderer Schüler plötzlich an die Türe klopfte, schickte der Mann die Schülerin auf die Toilette und wies sie an, ruhig zu sein.

Trotz ihrer „globalen Entwicklungsverzögerung“ konnte das Kind diesen Vorfall wie auch drei andere Zwischenfälle detailreich und schlüssig erklären, so dass schließlich auch eine eigens vom Gericht bestellte Glaubwürdigkeits-Sachverständige von der Richtigkeit seiner Angaben überzeugt war.

Einen weiteren Übergriff gab es demnach im Frühjahr 2013 in der Wohnung des Angeklagten in Königstein. Dem Vernehmen nach wollte er dem Kind dessen neue Schule und den Weg dorthin zeigen. Dieser Gang endete jedoch im Schlafzimmer des Lehrers, wo es erneut ausgezogen und missbraucht wurde. Auch um diesen Vorwurf wurde im ersten Verfahren energisch gestritten.

Die Ehefrau des Lehrers sagte unter anderem, schon rein zeitlich sei eine solche Tat gar nicht möglich gewesen. Durch die erheblichen Lernschwierigkeiten der Schülerin kam sie in der Regenbogenschule in die Einzelbetreuung. Der Angeklagte war für den Deutschunterricht zuständig, eine Kollegin von ihm gab Mathematik. Bei einem dieser Einzelstunden zog der Lehrer laut Urteil die Hose des Mädchens herunter und berührte ihr Geschlechtsteil.

Auch dieser Vorfall, den die Schülerin laut Gericht überzeugend dargestellt hatte, floss mit ein in das Urteil der Strafkammer, das von der Verteidigung im Wege der Revision beim Bundesgerichtshof allerdings mit Erfolg angefochten wurde.

Und so beschäftigt sich das Landgericht nun seit September erneut mit dem außergewöhnlichen Fall. Die von Richterin Anke Wagner geleitete Strafkammer hat auch ein erneutes Gutachten über die Glaubwürdigkeit der heute 15 bis 16 Jahre alten Schülerin in Auftrag gegeben, an dem möglicherweise der Ausgang dieses Prozesses hängen wird. Auch soll das Opfer wieder in den Zeugenstand – im ersten Prozess hatte man während der Aussage die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Vorerst hat die Strafkammer Termine bis November anberaumt. Sollte am Ende doch ein Freispruch herauskommen, könnten die zunächst eingestellten Teile der Anklage – ein Übergriff in der Schulturnhalle sowie die Kinderpornos – neu „aktiviert“ werden. Der Lehrer hatte die 120 Bilddateien als eine Art „Zufall“ zu erklären versucht.

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