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Schlockerstiftung Fahrradwerkstatt Heinrich - Böll - Schüler Joel Baumgärtner /rechts Asylant Ismail Nizar / links Fahrradinstandsetzung

Flüchtlinge in Deutschland

Wer fleißig Deutsch lernt, kriegt ein Fahrrad

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Gemeinsam mit Flüchtigen hat die Umweltgruppe der Heinrich-Böll-Schule Drahtesel wieder fahrtüchtig gemacht. Die Schüler lernten dabei auch selbst.

Obaid freut sich schon auf den Sommer. Der junge Mann aus Afghanistan möchte in der warmen Jahreszeit regelmäßig mit seinem neuen Fahrrad zum Einkaufen fahren. Der Drahtesel wurde ihm durch einen Spendenaufruf der Hattersheimer Heinrich-Böll-Schule vermittelt. Um die Pflege und Instandsetzung seines Fortbewegungsmittels kümmerte er sich gemeinsam mit Oberstufenschülern aus der Umweltgruppe der Gesamtschule. Die Jungen und Mädchen trafen sich zweimal mit Asylberwerbern zum Arbeitseinsatz in der Fahrradwerkstatt der Schlocker-Stiftung.

An fünf Stationen machten die gemischten Teams insgesamt zehn Fahrräder wieder fahrtüchtig. Schüler und Flüchtlinge reparierten Bremsbacken, flickten Schläuche, installierten neue Lampen und ölten die Ketten. Obaid arbeitete gemeinsam mit Corinna Kiekenbeck an der Erneuerung der Bremszüge. Der Afghane, der vor fünf Monaten nach Deutschland geflohen ist, konnte sich mit einfachen Worten mit der Oberstufenschülerin verständigen. So tauschten sie sich über die notwendigen Handgriffe aus. Zwei Mitarbeiter der Schlocker-Stiftung standen mit Rat und Tat zur Seite.

„Wir haben mitbekommen, dass die Flüchtlinge nicht so mobil sind“, erklärt Corinna Kiekenbeck die Entstehung des Projektes in der Umweltgruppe. Die Schüler aus dem Wahlunterricht lernten während der Unterstützung der Asylbewerber selbst noch etwas dazu: „Ich konnte bisher nur Reifen aufpumpen“, berichtete Corinna Kiekenbeck lachend. Bei den beiden Terminen in der Fahrradwerkstatt der Schlocker-Stiftung habe sie nun unter anderem gelernt, wie man auch Bremsschläuche auswechselt – eine hilfreiche Lektion für die Zukunft.

Das Fahrradprojekt begann mit einem Spendenaufruf: Die Schule habe Eltern angeschrieben und um Fahrräder gebeten, erzählt Lehrerin Angelika Nucklies, Leiterin der Umweltgruppe. Im Sekretariat der Heinrich-Böll-Schule seien daraufhin viele Anrufe eingegangen. Die Umweltgruppe nahm aber nur so viele Räder an, wie sie auch tatsächlich in Kooperation mit der Schlockerwerkstatt bearbeiten konnte. Gleichzeitig habe die Schule Kontakt zu Birgit Weindel aufgenommen, die sich bei der Stadt um die Flüchtlinge kümmert. Die glücklichen Empfänger der Drahtesel wurden vom Volksbildungswerk Main-Taunus ausgewählt. Dort werden Sprachkurse angeboten. „Wir haben die besten Teilnehmer ausgewählt“, erklärt Adrian Kopycinski vom Volksbildungswerk.

Angelika Nucklies sieht in der Fahrradaktion für die Asylbewerber eine Überschneidung mit den allgemeinen Zielen der Umweltgruppe. „Wir wollen, dass möglichst viele Sachen wiederverwertet werden“, sagt die Pädagogin. Außerdem seien die Mitmenschen auch ein Teil der Umwelt. „Wir verstehen uns als Eine-Welt-Gruppe“, erklärte Angelika Nucklies. Sie freut sich, dass ihre Schüler den Flüchtlingen so engagiert geholfen haben. „Die könnten ihren Freitagnachmittag auch anders verbringen“, weiß die Lehrerin.

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