Das Bild stammt vom September 2020: Nach einem Brand im verlassenen Haus in der Hofheimer Straße musste die Feuerwehr ausrücken. ArchivFoto: Reuß
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Das Bild stammt vom September 2020: Nach einem Brand im verlassenen Haus in der Hofheimer Straße musste die Feuerwehr ausrücken. (Archivfoto)

Verlassenes Haus

Einsatz im „Geisterhaus“: Polizei macht bizarre Salzsäure-Entdeckung

Großeinsatz der Polizei am „Geisterhaus“ in Hattersheim bei Frankfurt: Schon lange kursieren Gruselgeschichten über dieses Areal. Die Beamten machen einen ungewöhnlichen Fund.

Hattersheim ‒ Es war nicht das erste Mal, dass Polizei und Feuerwehr zu dem unbewohnten Haus in der Hofheimer Straße gerufen wurden. Anwohner hatten die Ordnungskräfte am Wochenende (20./21.02.2021) verständigt, weil sie jemanden auf dem Grundstück beobachtet hatten. Das verlassene Gebäude erlangte in den vergangenen Jahren bereits zweifelhafte Bekanntheit als „Geisterhaus“. Die Tatsache, dass die Räume nach dem Auszug der Besitzer vollständig eingerichtet blieben, inspirierte so manchen unbefugten Besucher zu Gruselgeschichten. Im Internet kursierten Videos aus dem Inneren des Gebäudes.

Anwohnern und der Stadt ist der Zustand des Geländes ein Dorn im Auge. Allerdings nicht, weil es dort spukt, sondern weil sich seit Jahren niemand um das Anwesen kümmert. Dies führt nicht nur zur Verwilderung und Vermüllung des Areals. Es treiben sich auch immer wieder Personen dort herum, deren Absichten sich schwer kontrollieren lassen. So war es auch beim jüngsten Einsatz in der Hofheimer Straße.

Zum „Geisterhaus“ in Hattersheim wird die Feuerwehr öfter gerufen

Die Polizei sei gerufen worden, weil sich eine Person auf dem Gelände befand, berichtet Stadtbrandinspektor David Tisold. Bei ihrer Kontrolle machten die Beamten dann eine ungewöhnliche Entdeckung - einen 25 Liter fassenden Kanister mit Salzsäure. Die Polizei habe daraufhin die Feuerwehr verständigt und um Entsorgung des gefährlichen Stoffes gebeten. „So etwas gehört dort nicht abgestellt“, sagt der Stadtbrandinspektor, der solch einen Fall auch noch nicht erlebt hat. Es habe sich zwar um eine relativ gering konzentrierte Säure mit 33 Prozent gehandelt. Dennoch habe die Feuerwehr den Kanister zum Bauhof mitgenommen, wo er über das Schadstoffmobil entsorgt werde.

Für die Brandschützer war es nicht der erste Einsatz auf dem verlassenen Grundstück. Im September musste die Einsatzabteilung anrücken, weil es im Erdgeschoss des Gebäudes brannte. Einrichtungsgegenstände hatten Feuer gefangen und wurden zerstört. Trotz schwieriger Verhältnisse im zugewucherten Außenbereich konnte ein Übergreifen auf Nachbargebäude verhindert werden.

„Geisterhaus“ in Hattersheim: Stadt hat nur wenig Handhabe

In den folgenden Monaten seien die freiwilligen Helfer dann ein weiteres Mal alarmiert worden, weil im Garten ein Feuer loderte, berichtet David Tisold. Dort habe sich eine Person aufgehalten, die Holzstücke verbrannte. Aus Sicht der Feuerwehr gehe von dem ungepflegten Gelände grundsätzlich keine Gefahr aus, so Tisold. Das Problem sei jedoch, dass das Areal nur schwer einsehbar sei. „Es besteht prinzipiell keine Gefahr, solange niemand das Grundstück betritt“, meint der Stadtbrandinspektor.

Für Anwohner ist das verwilderte und schwer kontrollierbare Areal dennoch ein Ärgernis. Über Ruhestörungen durch unbefugte Eindringlinge wurde in der Vergangenheit genauso geklagt wie über Ratten. Die Stadt hat jedoch nur wenig Handhabe, um die Situation zu beeinflussen. „Wir können nur in ganz begrenztem Maße in privates Eigentum eingreifen“, erläutert Bürgermeister Klaus Schindling (CDU). Solange keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe, gebe es keinen Ansatzpunkt. Pflanzen, die auf den Gehweg wuchern, würden zweimal im Jahr zurückgeschnitten.

„Geisterhaus“ bei Frankfurt: Anwohner können sich an das Ordnungsamt wenden

Ansonsten habe die Stadt den Anwohnern zugesichert, dass sie bei Problemen jederzeit das Ordnungsamt rufen können. „Wir greifen sofort ein, sobald eine Gefährdung eintritt“, betont Schindling.

Eine Brandgefahr gehe nach Einschätzung der Feuerwehr aber nicht von dem Grundstück aus. Ansonsten könne die Stadt nicht viel tun, solange sich die Eigentümer nicht um die Geschehnisse auf ihrem Grundstück kümmern. Der Stadt und den Anwohnern bleibt also nur abzuwarten. Er hoffe, dass irgendwann Ruhe und geordnete Verhältnisse einkehren, so der Bürgermeister. (sas)

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