1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Hattersheim

Hattersheim: ADFC installiert zweites „Ghostbike“

Erstellt:

Kommentare

Dieses weiße Fahrrad haben ADFC-Mitglieder zum Gedenken an einen tödlich verlaufenden Unfall an der Ecke Niedeckerstraße/Lindenhof aufgestellt. FOTO: privat
Dieses weiße Fahrrad haben ADFC-Mitglieder zum Gedenken an einen tödlich verlaufenden Unfall an der Ecke Niedeckerstraße/Lindenhof aufgestellt. © Privat/ADFC

Radfahrer-Club weist auf das Verkehrssicherheitskonzept „Vison Zero“ hin und kritisiert den Magistrat.

Hattersheim -Der Grund für die Aktion ist mehr als tragisch: Auf Einladung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), Ortsverein Hattersheim, trafen sich über 50 Menschen an der Ecke Niedeckerstraße/Lindenhof, um das zweite weiße Fahrrad - ein sogenanntes „Ghostbike“ - aufzustellen. Die dort versammelten Menschen gedachten damit des schrecklichen Unfalls, bei dem an dieser Stelle am 19. Mai eine 73Jahre alte Radfahrerin durch ein Auto getötet wurde. „Das zweite Todesopfer der radfahrenden Hattersheimer Bevölkerung innerhalb von weniger als eineinhalb Jahren“, heißt es dazu in einer Mitteilung des ADFC. Viele Hattersheimerinnen und Hattersheimer hätten das Unfallopfer persönlich als freundliche und für das Gemeinwohl engagierte Mitbürgerin gekannt. Der Witwer war sich mit dem ADFC Hattersheim einig: „Bei geeigneter Verkehrsführung hätte dieser Unfall nicht passieren müssen.“

Nur wenige Wochen später, am 20. Juli, wurde nur gut 200 Meter weiter, an der Ampelkreuzung, ein weiterer Radler von einem Auto angefahren. „Wer das Bild des unter dem Fahrzeug verkeilten Rades gesehen hat, weiß, dass nur durch großes Glück das Opfer keine lebensgefährlichen Verletzungen davontrug“, erklärte der ADFC in seiner Mitteilung weiter und erklärt, dass es sich dabei um eine Serie von Unfällen handelte. „Können wir wirklich nur darauf hoffen, dass diese Serie sich nicht fortsetzt? Sind solche schweren Unfälle und ihre dramatischen Auswirkungen auf die betroffenen Familien wirklich der unvermeidliche Tribut, den wir unserem Bedürfnis nach Mobilität zollen müssen? Ist die ,Vision Zero’, das heißt ,Null Getötete und möglichst wenige Schwerverletzte im Straßenverkehr’, zu der sich das Land Hessen im Verkehrssicherheitskonzept 2035 bekennt, ein unrealistisches Fantasiegebilde?“, fragen sich die ADFC-Verantwortlichen.

Mit mehreren Vorwürfen kämpft der ADFC Hattersheim um weitere Aufmerksamkeit für sein Anliegen. So heißt es in der Mitteilung weiter: „Sicher ist: Wenn sich in Hattersheim bei der Straßenplanung nichts ändert, wenn weiter der ungehinderte Fluss des Kraftverkehrs faktisch Priorität über die Sicherheit hat, wenn Verkehrsanlagen für zu Fuß Gehende und Radfahrende nur als störend angesehen werden, wenn selbst einfachste Maßnahmen zur Erleichterung des Fuß- und Radverkehrs nicht umgesetzt werden, ist die ,Vision Zero’ hier nicht erreichbar.“ Querungsstellen wie die zuvor genannte Unfallstelle hätten sich - nicht nur in Hattersheim - als Brennpunkte gerade für schwere Unfälle herausgestellt. Gefährliche Querungen gebe es noch etliche weitere im Stadtgebiet. Der ADFC stelle derzeit eine Liste dieser Örtlichkeiten zusammen kündigt der Ortsverband an.

Nach der Begutachtung der Querung, an der der Unfall geschah, komme der Magistrat der Stadt Hattersheim in seinem Bericht an die Stadtverordneten zu folgenden Schlüssen: „Die Querung ist übersichtlich und eine gute Einsehbarkeit der Verkehrsteilnehmerinnen und Teilnehmer in beide Richtungen gegeben.“ Kein Wort sei dabei erwähnt, „dass der tödliche Unfall gerade wegen fehlender Einsehbarkeit“ durch ein Stau von Kraftfahrzeugen passiert sei. „Kein Wort auch davon, dass durch den Kundenverkehr des dort betriebenen Verkaufsstandes sowie die nahe Ampel gefährliche Situationen vorhersehbar wieder entstehen werden“, kritisiert der ADFC weiter.

Weiter habe der Magistrat erklärt: „Eine Querungshilfe in Höhe der Zufahrt zur Tierklinik ist verkehrstechnisch nicht möglich. Diese würde das Ein- und Ausfahren, insbesondere größerer Fahrzeuge oder mit Anhänger nicht mehr ermöglichen.“ Dabei, so widerspricht der ADFC dieser Argumentation des Magistrates, existierten frei zugängliche Musterlösungen auch zur Gestaltung von Verkehrsinseln für derartige Querungsstellen, so zum Beispiel von der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH). „Die Stadt Hattersheim ist übrigens dort Mitglied“, erklären die ADFC-Verantwortlichen. Entsprechende Hinweise des ADFC würden aber ignoriert. meh/red

Auch interessant

Kommentare