Wohin fährt der Bus? Diese Frage stellen sich oft die Nutzer des Schienenersatzverkehrs am Hattersheimer Bahnhof.
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Wohin fährt der Bus? Diese Frage stellen sich oft die Nutzer des Schienenersatzverkehrs am Hattersheimer Bahnhof.

„Sauverein“

S-Bahn-Sperrung: Schienenersatzverkehr sorgt für Ärger

Viele Umstiege und fehlende Beschilderung. Der Schienenersatzverkehr zwischen Frankfurt-Höchst und Hochheim sorgt für reichlich Diskussionsstoff.

Frankfurt – Wenn die meisten Menschen nicht gerade Corona-Schutzmasken tragen würden, dann könnte man am Bahnhof wohl häufiger fragende Gesichtsausdrücke und heruntergezogene Mundwinkel beobachten. Auslöser ist die Sperrung der S-Bahn-Strecke zwischen Frankfurt-Höchst und Hochheim, auf der bis zum 23. August kein Zug fährt. Busse übernehmen den Schienenersatzverkehr zwischen Hochheim, Flörsheim, Hattersheim und Höchst. Das Angebot sorgt - rund anderthalb Wochen nach Ende des regulären Zugverkehrs - noch immer für Irritation. An der Bushaltestelle südlich des Bahnhofs lösten nicht fehlende Fahrzeuge die Verwirrung aus, sondern Missverständnisse und mangelhafte Beschilderung.

"Ist das ein Sauverein hier", schimpfte eine Frau, die sich gerade beim Fahrer eines neu angekommenen Busses erkundigt hatte, ob er nach Höchst fährt. Der Mann musste die Hattersheimerin vertrösten, denn er saß am Steuer des normalen Linienbusses in Richtung Hofheim. Die große Uhr am Busbahnhof zeigte 9.25 Uhr an, und die Frau war verärgert, weil ihr andere Passagiere mitteilten, dass soeben ein Bus in Richtung Höchst abgefahren war. Der Bus, der ihrer Ansicht nach um 9.29 Uhr ankommen solle, sei schon früher losgefahren, berichtete die Dame dem Kreisblatt-Reporter. Sie habe gehört, dass der Schienenersatzverkehr zur selben Zeit fahre wie die Bahn.

Von Hattersheim nach Frankfurt: Schienenersatzverkehr der Deutschen Bahn sorgt für Ärger

Während die Wartende ihrem Unmut Luft machte, unterbrach sie plötzlich und lief zum Zaun an den Bahngleisen. Dort hatte sie eine Leidensgenossin entdeckt, die auf dem Bahnsteig stand - offenbar unwissend, dass die Strecke gesperrt ist. Die verärgerte Hattersheimerin winkte die Frau herüber und rief ihr zu, dass kein Zug fährt. Die Erste ärgerte sich nun darüber, dass keine gut sichtbare Information am Bahnsteig ausgehängt sei. "Nicht jeder schaut im Internet nach", meinte die Hattersheimerin. Einen Hinweis auf den Ersatzverkehr lieferte allerdings die digitale Anzeige im Bahnhof.

Eine andere Passagierin, die an der Bushaltestelle wartete, urteilte ebenfalls, dass das System schlecht funktioniere. Sie müsse dreimal umsteigen, um nach Wiesbaden zu kommen. Als sie den Schienenersatzverkehr zum ersten Mal nutzte, habe sie andere Leute fragen müssen, weil unklar war, welcher Bus der richtige ist. Auch sie vertrat die Ansicht, dass ihr Bus um halb da sein sollte - zum selben Zeitpunkt, an dem normalerweise die S-Bahn kommt. Dies war jedoch nicht korrekt. Dass die beiden unzufriedenen Damen falsch lagen, ergab ein Blick auf den Sonderfahrplan, der unauffällig am Zaun neben dem normalen Busfahrplan angebracht war. Ein winziges lila Symbol mit Aufschrift "Ersatz" befindet sich in der Ecke der Tafel, auf die kein anderes Schild hindeutet.

Unklarheit über Sonderbusse von Hattersheim nach Frankfurt

Gerade für ältere Menschen, die am Busbahnhof nach Informationen zum Ersatzverkehr suchen, fehlt ein klarer Hinweis, wo sie diese finden. Dementsprechend überrascht war die wütende Hattersheimerin, als ihr jemand den Fahrplan zeigte, aus dem hervorgeht, dass verschiedene Busse in Richtung Höchst um 9.04 Uhr, 9.19 Uhr, 9.24 Uhr, 9.34 Uhr, 9.49 Uhr und 9.54 Uhr fahren. "Ich dachte, die fahren alle halbe Stunde", wunderte sie sich. Der Plan sollte jedoch recht behalten, und nach zwei bis drei Minuten traf tatsächlich ein Bus ein, der in Richtung Frankfurter Westen weiterfuhr.

Die Gestaltung des Sonderbusses war ebenfalls unübersichtlich: Die große Anzeige über der Frontscheibe, die normalerweise die Buslinie angibt, war deaktiviert, so dass es auf den ersten Blick unklar erschien, wohin der Bus fährt. Diese Information fand sich auf einem orangefarbenen Zettel, der hinter der Scheibe hing, den jedoch viele Passagiere zu übersehen schienen. Denn auch dieser Busfahrer musste mehrere Fragen von verunsicherten Fahrgästen über sich ergehen lassen, bevor diese einstiegen. (sas)

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