Vor einer Woche konnten sie in das sanierte Pfarrhaus zurückkehren: Mitarbeiterin Beatrix Zobel und Pfarrer Andreas Klee.
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Vor einer Woche konnten sie in das sanierte Pfarrhaus zurückkehren: Mitarbeiterin Beatrix Zobel und Pfarrer Andreas Klee.

Sankt Martinus

Hattersheim: Alt, schön und zweckmäßig

Pfarrhaus-Sanierung kostet 1,5 Millionen Euro - eine "goldene Badewanne" gibt es dort nicht.

Hattersheim -Lange war die Zukunft des katholischen Pfarrhauses neben der Kirche Sankt Martinus ungewiss. Fest stand zuletzt nur, dass es so nicht weitergehen konnte. Feuchtigkeit und Schimmel nagten an dem denkmalgeschützten Bau aus dem 18. Jahrhundert. Als Arbeitsplatz sei das Gebäude untauglich, hatte Pfarrer Andreas Klee vor einem Jahr erklärt. Dies war vor den umfangreichen Sanierungsarbeiten, die Anfang dieses Monats ihr Ende fanden. Vor rund einer Woche konnten die Mitarbeiter aus Übergangsbüros im benachbarten Gemeindezentrum in das Pfarrhaus zurückkehren. Was sie vorfanden, war ein helles, geräumiges und sauberes Gebäude, das im Inneren teilweise kaum wiederzuerkennen ist.

"Es war richtig schön mitzuerleben, wie aus einem Provisorium so ein schönes Gebäude geworden ist", erklärt Beatrix Zobel, die seit 1999 als Pfarrsekretärin in dem historischen Bau sitzt. Vor dem Umbau seien alle Räume mit Holzdecken abgehängt gewesen, berichtet die Mitarbeiterin. Im Zuge der Erneuerung wurde die ursprüngliche Deckenhöhe nun wiederhergestellt. Beatrix Zobel begrüßt auch die verbesserte Raumnutzung: Früher habe der Kopierer auf dem Flur gestanden, erzählt die Sekretärin. Heute gibt es einen Technikraum links vom Eingang, in dem das Kopiergerät Platz findet. Zobel hebt außerdem hervor, dass alle Mitarbeiter aus den Stadtteilen im Pfarrhaus Platz finden. Zuvor sei das Team auf Hattersheim, Eddersheim und Okriftel verteilt gewesen.

Eine weitere Veränderung gibt es gleich hinter der Eingangstür, die der bisherigen historischen Pforte nachempfunden ist. Im ersten Büro rechts vom Eingang wurde ein Empfangstresen eingerichtet, an dem sich Besucher melden können, ohne direkt mitten im Büro zu stehen. Es schließt sich ein großes Büro an, bei dessen Zugang ebenfalls dem Denkmalschutz Rechnung getragen wurde: Die Umrisse des ursprünglichen breiteren Türrahmens sind erhalten geblieben und heben sich grau von der Wand ab. An die Arbeitsplätze mit Fenstern in Richtung Kirchplatz schließt sich ein neuer Archivraum an. Unterlagen aus allen Stadtteilen sollen dort künftig in speziellen Sicherheitsschränken lagern, erläutert Pfarrer Klee.

Die Ergebnisse der Sanierungsarbeiten erstrecken sich vom Keller über das Erdgeschoss bis in die beiden Obergeschosse. Ein Treppenhaus auf der Nordseite des Gebäudes verbindet alle Etagen. Der Abgang in den Gewölbekeller sei früher "eine Hühnerstiege" gewesen, berichtet Andreas Klee. Nun führt eine normale Treppe ins Untergeschoss. Kaum zu glauben, dass das mittlerweile helle Gewölbe, das die neue Heizanlage beherbergt, einmal der Quell des Übels war. Die Feuchtigkeit sei in der Vergangenheit vom Keller in das Gebäude gezogen, erläutert der Seelsorger. Während der Arbeiten wurde das Gewölbe entkernt und trockengelegt.

Pfarrer Klee legt Wert auf die Zweckmäßigkeit des gesamten Umbaus. "Wir haben uns hier keine goldene Badewanne gegönnt", betont der Geistliche. Tatsächlich gibt es im gesamten Pfarrhaus überhaupt keine Badewannen - dafür jedoch eine Dusche in jedem Stockwerk. Die Gemeinde hat nämlich das Erdgeschoss sowie beide Obergeschosse so herrichten lassen, dass sie künftig als Wohnung genutzt werden könnten. Alle drei Etagen verfügen über Küchenanschlüsse, ein Bad und getrennte Zähler. "Wir wissen nicht, wie die Zukunft wird", sagt der Pfarrer angesichts von zunehmenden Gemeindefusionen.

Das erste Obergeschoss diente früher als Wohnung des ehemaligen Pfarrers Franz Lomberg. Der Bereich wird nun für Büroflächen und einen Versammlungsraum genutzt. Der direkte Durchgang zur Sakristei, der sich am Ende der Wohnung befand, wurde geschlossen. Schließlich bleibt noch das Dachgeschoss, das vor der Sanierung ungenutzt war. Im Zuge der Baumaßnahmen ist dort eine gemütliche Wohnung mit frei liegenden Dachbalken entstanden. Neue Fenster sorgen für mehr Licht. Ob die Dachwohnung auf dem freiem Markt vermietet oder an einen Mitarbeiter vergeben wird, müsse noch geklärt werden, so Andreas Klee.

Nach fast genau einem Jahr seien die Arbeiten Anfang Mai termingerecht fertig geworden. Mit Kosten von rund 1,5 Millionen Euro sei das Projekt auch im finanziellen Rahmen geblieben, sagt Klee. Als Voraussetzung für die Umsetzung nennt er den Umstand, dass die Gemeinde eine Hälfte übernahm, während das Bistum den Rest zahlte. "Hätten wir unseren Anteil nicht aufbringen können, hätten wir das Haus leer stehen lassen müssen", so Andreas Klee. Der Pfarrer hebt außerdem den Einsatz von Heinz Hillebrand hervor. Der Vertreter des Verwaltungsrats habe die Verhandlungen geführt und sei während der Sanierung regelmäßig auf der Baustelle gewesen. sas

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