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Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler (li.) überreichte die Ernennungsurkunden an das neue Ortsgerichts-Duo Ulrich Löffelholz (2. v. li.) und Heinz-Theodor Kamp (re.). Der bisherige Ortsgerichtsvorsteher Lothar Scholz (3. v. li) war bei der Zeremonie dabei. Auf dem Foto fehlt sein Vertreter Manfred Köhler, der den Termin abgesagt hatte.

Ortsgericht

Hattersheim: Auf Scholz folgt Löffelholz

Schon einmal war Ulrich Löffelholz der Nachfolger von Lothar Scholz.

Hattersheim - Wenn Lothar Scholz geht, übernimmt Ulrich Löffelholz. Zumindest könnte dieser Eindruck entstehen, wenn man die ähnlichen Laufbahnen der beiden Hattersheimer Verwaltungsexperten betrachtet. Als Lothar Scholz im Jahr 2003 die Leitung des städtischen Hauptamtes aufgab, rückte Ulrich Löffelholz nach. Nun löst er seinen Vorgänger bereits zum zweiten Mal ab: Lothar Scholz betätigte sich bis zur Mitte dieses Jahres als Vorsteher des Ortsgerichtes. Aus Altersgründen wollte der 82 Jahre alte Hattersheimer keine weitere Amtszeit. Sein Nachfolger heißt erneut Ulrich Löffelholz. Der 62-Jährige wurde im vergangenen Jahr pensioniert und ließ sich als neuer Ortsgerichtsvorsteher vereidigen.

Lothar Scholz und Stellvertreter Manfred Köhler nahmen nach langen Amtszeiten aus gesundheitlichen Gründen ihren Hut. Scholz leitete das Ortsgericht 15 Jahre lang, Köhler war 35 Jahre lang als Schöffe aktiv. Ulrich Löffelholz besetzt die vakante Führung des Gerichts zusammen mit seinem Stellvertreter Heinz-Theodor Kamp. Scholz habe ihn vorbildlich bei dem Wechsel unterstützt. "Das war damals so im Büro, und das ist auch jetzt so", sagt Löffelholz. Es sei immer gut, einen Vorgänger zu haben, bei dem man nachfragen kann.

Die Institution der Ortsgerichte existiert nur noch in Hessen. Er sei oft von Leuten angesprochen worden, die überrascht waren, dass es ein solches Angebot überhaupt gibt, erzählt Lothar Scholz. In anderen Bundesländern müssten sich Menschen mit ähnlichen Anliegen an einen Notar wenden, erklärt der Hattersheimer, der in den vergangenen Jahren viel Erfahrung mit den unterschiedlichen Aufgabenbereichen des Ortsgerichts gesammelt hat. Die Arbeit verteile sich auf drei Gebiete: Sprechstunden, Schätzungen und Nachlasssicherungen. Zu den wöchentlichen Sprechstunden erwartet der Ortsgerichtsvorsteher die Hattersheimer mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr im "Stadtpunkt" am Bahnhof. Dabei seien meist Beglaubigungen von Kopien und Unterschriften gefragt.

Um Schätzungen werde das Ortsgericht unter anderem gebeten, wenn der Wert eines Erbes ermittelt werden soll, erläutert Lothar Scholz. Dabei stehen die ehrenamtlichen Aktiven des Ortsgerichtes manchmal zwischen mehreren Streitparteien. "Nicht jeder war immer mit dem Ergebnis einverstanden", sagt der 82-Jährige. Es sei aber nur ganz selten vorgekommen, dass sich tatsächlich jemand kritisch geäußert habe.

Die Tätigkeit, die Lothar Scholz nach eigener Aussage die größten Schwierigkeiten bereitete, war die Nachlasssicherung. Nach dem Tod von Menschen ohne Angehörigen war es seine Aufgabe, mit einem Schöffen in die Wohnung zu gehen und Anhaltspunkten zu suchen, die dem Amtsgericht bei der Ermittlung des Nachlasses helfen. Das Augenmerk der Gerichtsvertreter habe auf Geld, Kontoauszüge und Rentenbescheiden gelegen, erzählt Scholz. Nach der Polizei und dem Arzt seien sie die ersten gewesen, die die Räume des Verstorbenen betraten. Teilweise habe er die Menschen gekannt, manchmal hätten die Toten zuvor Tage lang in der Wohnung gelegen, berichtet der Hattersheimer von dem belastenden Umfeld. "Da ist man direkt verärgert, das so etwas in unserer Gesellschaft passieren kann."

Grundsätzlich habe ihm das Amt des Ortsgerichtsvorsteher aber immer Freude bereitet, sagt Lothar Scholz. Er kenne viele Hattersheimer und habe den Kontakt zu den Hattersheimern immer genossen. Auch Nachfolger Ulrich Löffelholz schätzt den Umstand, dass er auf seinem neuen Posten mit vielen Menschen zusammen kommt. In den ersten Sprechstunden nach seiner Vereidigung habe er vor allem mit jungen Leuten zu tun gehabt, die Zeugniskopien benötigten, berichtet der 62-Jährige.

Löffelholz arbeitet nach seinem Ausscheiden aus der Stadtverwaltung auch noch ehrenamtlich für die Industrie- und Handelskammer. Das Amt des Ortsgerichtsvorstehers übernahm er, nachdem ihn ehemalige Kollegen darauf ansprachen. "Vom Aufwand her ist das überschaubar", findet der routinierte Verwaltungsfachmann. Es helfe allerdings, wenn man etwas Erfahrung in der Verwaltung gesammelt hat. Diese hat der Hattersheimer auf jeden Fall reichlich. Sascha Kröner

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