Die Mitarbeiter eines Entsorgungsunternehmens luden gestern die Überreste des gesprengten Geldautomaten ein. FOTO: kröner
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Die Mitarbeiter eines Entsorgungsunternehmens luden gestern die Überreste des gesprengten Geldautomaten ein.

Kriminalität

Hattersheim: Automatensprenger zerstören Finanzpunkt

Augenzeuge sieht zwei maskierte Männer in einem BMW flüchten - Geldscheine lagen auf der Straße.

Eddersheim -Thomas Schleidt würde sich nicht als schreckhaft bezeichnen. Er ist Hobbyschütze und "keiner, der beim ersten Knall zusammenzuckt", erzählt der Mann aus dem Rheingau, der in Eddersheim unter anderem ein Karate-Studio in der Bleichstraße betreibt. Was er in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch miterlebte, ließ auch dem Schuss- und Nahkampferprobten Geschäftsmann den Schreck in die Glieder fahren. Um 2:45 Uhr sei seine Karateschule von einem Donner erschüttert worden, wie er ihn nie zuvor gehört habe. "Ich habe gedacht, das Haus stürzt ein", berichtet Schleidt. Zuerst habe er an einen Blitzeinschlag gedacht. Dann habe er aus dem Fenster geschaut und gesehen, dass die ganze Straße von einer dichtem Staubwolke bedeckt ist. "In dem Moment war mir klar, dass die das Ding gesprengt haben", sagt Thomas Schleidt. Bei "dem Ding" handelt es sich um den Geldautomaten im Finanzpunkt - direkt auf der anderen Seite von Schleidts Räumlichkeiten. Die von ihm alarmierte Polizei sei später überrascht gewesen, dass in seinen Geschäftsräumen nichts zu Bruch ging. Sein Glück sei es wohl gewesen, dass die Scheiben im Finanzpunkt der Explosion nachgaben. Gestern konnte man die Splitter der nach außen gedrückten Glasfassade überall vor dem Gebäude finden. "Wenn der ganze Vorraum gemauert gewesen wäre, hätte das wohl anders ausgesehen", meint der 42-Jährige.

Schleidt sah zwei dunkel gekleidete Männer in einem schwarzen BMW mit Bad Hersfelder Kennzeichen verschwinden, nach dem die Polizei nun fahndet. Als der Augenzeuge auf die Straße trat, lagen noch etliche Banknoten rund um den zerstörten Finanzpunkt auf dem Boden. Bis zum Eintreffen der Beamten habe er das Geld zusammen mit einer Nachbarin bewacht, berichtet Thomas Schleidt.

Der gemeinsame Finanzpunkt von Taunussparkasse und Frankfurter Volksbank, der 2019 neu eingerichtet wurde, war nicht zum ersten Mal das Ziel von Ganoven: 2020 berichtete die Polizei, dass sich Unbekannte nachts mit brachialer Gewalt an dem Automaten zu schaffen machten. Dieser Versuch blieb erfolglos. Nach Angaben der Polizeidirektion Main-Taunus war sein Schaden von mehreren Tausend Euro entstanden. Dieses Mal liegt der Schaden deutlich höher: Die Polizei geht davon aus, dass sich der Schaden durch die Zerstörung des Finanzpunktes auf mindestens 100 000 Euro beläuft. Sachverständige des Hessischen Landeskriminalamtes unterstützen die Hofheimer Kriminalpolizei bei den Ermittlungen am Tatort. Wie hoch die Beute der Automatensprenger ist, konnte die Polizei gestern noch nicht sagen.

Trotz des gefährlichen Vorgehens sind Sprengungen von Bankautomaten in der Region keine Seltenheit. Erst Anfang September lösten Langfinger eine Explosion im Finanzpunkt in Hofheim-Diedenbergen aus. Vor einigen Jahren zeigte sich das selbe Bild in Flörsheim. Dort sprengten die Ganoven zwei Automaten in einer Sparkassen-Filiale an der Hans-Böckler-Straße. Weitere Automaten explodierten in Hochheim sowie im Hattersheimer Globus-Markt.

Trotz Einsatz eines Hubschraubers konnte die Polizei in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch keine Verdächtigen aufspüren. Die Beamten der Polizeistation Hofheim bitten um Hinweise von Zeugen. Wer etwas gesehen hat, kann sich unter der Telefonnummer (0 61 92) 2 07 90 melden. sas

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