Eine gefragte Ware im Handel ist das Pulver für die Babymilch. Doch nicht alles, was nach Pulver aussieht, ist tatsächlich Trockenmilchpulver, wie jüngst ein Gerichtsprozess zeigte.
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Eine gefragte Ware im Handel ist das Pulver für die Babymilch. Doch nicht alles, was nach Pulver aussieht, ist tatsächlich Trockenmilchpulver, wie jüngst ein Gerichtsprozess zeigte.

Kriminalität

Hattersheim: Babymilchpulver war Mogelpackung

Vor dem Landgericht endete ein Betrugsprozess wegen eines 110 000-Euro-Geschäftes.

Hattersheim/Frankfurt -War er selbst ein gerissener Betrüger oder aber wurde er beim "Geschäft seines Lebens" selbst gehörig übers Ohr gehauen? Eine klare Antwort auf diese Frage gab es nach dem gestrigen Betrugsprozess gegen einen 43 Jahre alten Hattersheimer vor dem Frankfurter Amtsgericht eigentlich nicht.

22 Paletten mit 9900 Packungen

Es ging um 22 Paletten mit 9900 Packungen Babymilchpulver, das angeblich von einem bekannten Markenhersteller im Rhein-Main-Gebiet stammen sollte und in Polen für 90 000 Euro zum Kauf angeboten wurde. Der Geschäftsmann wähnte ein gutes Geschäft, wusste er doch, dass mit einer so großen Menge Milchpulver eine ordentliche Rendite in kurzer Zeit zu erzielen wäre. Beim Kauf der Ware im östlichen Nachbarland standen ihm wohl derart die Dollarzeichen in den Augen, dass er es unterließ, die Ware mit der Aufschrift des angeblichen Herstellers auf deren tatsächlichen Inhalt zu überprüfen. Er erwarb damit die "Katze im Sack" und schaltete sogleich auf der Plattform "Ebay" eine Kleinanzeige, wonach das Milchpulver für 110 000 Euro zu kaufen sei.

Der neue Erwerber aber war längst nicht so nachlässig wie der Zwischenverkäufer aus Main-Taunus. Er machte - nachdem er den geforderten Kaufpreis bezahlt hatte - die Probe aufs Exempel und riss ein Päckchen auf. Schneeweißes Pulver mit schwarzen Körnern rann ihm durch die Finger - normales Markenmilchpulver aber hat eine leicht gelbe, cremige Farbe.

Zum Verzehr ungeeignet

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Substanz als "zum menschlichen Verzehr ungeeignet" und sah deshalb einen vollendeten Betrug. Es kam zur Anklageerhebung und zur Hauptverhandlung. Der Kaufmann beteuerte vor Gericht, von dem wahren Inhalt der Pakete nichts gewusst zu haben. Er habe auf die Angaben seiner Geschäftspartner und die Etiketten vertraut - auch wenn diese nicht genau dem Original entsprachen, wie es in der Anklageschrift hieß. Nun war diese Aussage nicht widerlegbar - Gericht und Staatsanwaltschaft sahen Schwierigkeiten, dem Angeklagten den nötigen Vorsatz nachweisen zu können. Die Geschäftspartner aus Polen standen überdies nicht bei der Verhandlung als Zeugen zur Verfügung - wen wunderte es? Man machte trotzdem am ersten und einzigen geplanten Verhandlungstag dann auch gleich Schluss mit dem Prozess. Das Verfahren wurde wegen geringer Schuld dann eingestellt, genau 12 000 Euro Geldauflage sind dafür in sechs Monatsraten an die Staatskasse fällig. Maßgeblich für diese Erledigung war auch der Umstand, dass niemand - besonders Babys und Kleinkinder nicht - einen Tropfen der zweifelhaften Kindermilch tatsächlich gekostet hatte. Und damit war zum Glück zugleich niemand gefährdet worden. ge

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