Klaus Störch, Leiter des Hauses St. Martin, hofft, dass die Ordnungsbehörden bei wohnungslosen Personen Einsicht zeigen und Milde walten lassen.
+
Klaus Störch, Leiter des Hauses St. Martin in Hattersheim, hofft, dass die Ordnungsbehörden bei Obdachlosen trotz Corona-Ausgangssperre Milde walten lassen.

Coronavirus

Corona-Ausgangssperre: Was machen Obdachlose in der Pandemie?

Wie wirken sich die Corona-Maßnahmen auf Obdachlose aus? Diese Frage beantwortet der Leiter der Caritas-Obdachloseneinrichtung Sankt Martin in Hattersheim.

Hattersheim – Seit gut einer Woche gilt im ganzen Main-Taunus-Kreis eine nächtliche Ausgangssperre. Die bundesweite Corona-"Notbremse" schreibt vor, dass Menschen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 zwischen 22 und 5 Uhr in ihrer Wohnung bleiben sollen. Doch was bedeutet dies für jemanden, der gar keinen festen Wohnsitz hat? Wo dürfen sich Wohnungslose jetzt noch aufhalten? Müssen sie mit einem Bußgeld rechnen? Diese Fragen beschäftigen auch den Leiter der Caritas Wohnungslosen-Einrichtung Haus Sankt Martin in Hattersheim.

Bisher habe er noch keine befriedigende Antwort gefunden, sagt Diplom-Pädagoge Klaus Störch. "Es wäre fatal, Wohnungslose mit einem Bußgeld zu ermahnen", findet der Leiter der Caritas-Einrichtung. Schließlich würde es Menschen treffen, die ohnehin kaum Geld haben. Im Einzelfall hänge es wohl davon ab, wie die Ordnungsbehörden angewiesen werden. Störch hofft, dass es einen Ermessensspielraum für den Umgang mit Wohnungslosen gibt. Immerhin sehe die "Notbremse" auch Ausnahmen für Menschen vor, die zwischen 22 und 24 Uhr alleine Sport treiben oder mit dem Hund Gassi gehen. "Ich glaube, dass man sich auf Hotspots konzentrieren wird, an denen sich Menschen versammeln und feiern."

Coronavirus: Übernachtungsplätze für Obdachlose in Hattersheim verdoppeln sich

Größere Städte hätten bereits vor Einführung der verschärften Corona-Regelung zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten für Obdachlose geschaffen, weiß Störch. Beispielsweise seien Räume in Pensionen angemietet worden. In Hattersheim stelle sich die Frage nach der Ausgangssperre für die meisten Wohnungslosen hingegen nicht. Das Haus Sankt Martin am Autoberg werde von der überwiegenden Mehrheit der Besucher auf der Durchreise aufgesucht. "Die Leute holen sich ihre Tagessätze, essen, duschen und gehen wieder zurück in andere Regionen", erklärt der Einrichtungsleiter. Gleichzeitig trage eine erweiterte Genehmigung zur Übernachtung in Wohnungslosen-Einrichtungen dazu bei, dass Betroffene während der Krise weniger auf der Straße sind. In der Vergangenheit sei es Wohnungslosen erlaubt gewesen, für sieben Tage im Monat in derselben Einrichtung zu bleiben, erläutert Klaus Störch. Diese Einschränkung sei seit einigen Monaten ausgesetzt. "Gäste, die im Dezember bei uns waren, können immer noch bleiben", erklärt der Pädagoge. Alle Übernachtungsgäste würden sich an die Ausgangssperre halten.

Die Plätze für Übernachtungen im Haus Sankt Martin verdoppeln sich. In den vergangenen Monaten habe die Caritas jeden der drei Schlafräume nur mit einer Person belegen können, erzählt Störch. Ab dieser Woche setze die Einrichtung jedoch auf Corona-Schnelltests zur Überprüfung ihrer Dauergäste. Damit sei ab Mai die normale Auslastung mit zwei Personen pro Zimmer wieder möglich. Eine Erleichterung ist dies nicht nur für die Wohnungslosen, die nun längerfristig ein Dach über dem Kopf haben.

Corona: Caritas in Hattersheim bei Frankfurt greift auf Eigenmittel zurück

"Die Unterbelegung führte auch zu einer Unterfinanzierung", so Klaus Störch. Das Haus Sankt Martin erhalte für jedes belegte Bett eine Übernachtungspauschale vom Main-Taunus-Kreis. Erst bei 90 Prozent Auslastung seien die Betriebskosten gedeckt, erklärt der Leiter der Hilfseinrichtung. In den vergangenen Monaten habe die Caritas auf Eigenmittel und Spenden zurückgreifen müssen. (red)

Auch dem Wiesenhof in Hattersheim bei Frankfurt machen Corona-Ausgangssperren und Co. Probleme.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare