Christine Kartusch lässt in ihrem Geschäftslokal mehrere Kunsthandwerker ihre Erzeugnisse präsentieren.
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Christine Kartusch lässt in ihrem Geschäftslokal mehrere Kunsthandwerker ihre Erzeugnisse präsentieren.

Wirtschaft

Hattersheim: Die Corona-Krise trifft Kunsthandwerker massiv

Es gibt keine Märkte mehr, auf denen Kunsthandwerker ihre Waren anbieten können. Christine Kartusch, die in Hattersheim Handtaschen fertigt, hatte deshalb eine Idee. Kolleginnen dürfen in ihrem Atelier ausstellen.

Hattersheim -Viele Ladenbetreiber konnten in den vergangen Tagen ihre Geschäfte wieder öffnen. Es gibt jedoch Selbständige, die ganz ohne eigene Ladenfläche auskommen müssen. Dazu gehören Kunsthandwerker, die nach wie vor unter den Einschränkungen des öffentlichen Lebens leiden. "Märkte bringen das Geld", erklärt Christine Kartusch. Seit 2013 produziert sie Taschen in Hattersheim. 2018 zog sie mit ihrem Atelier in die Weingartenstraße 16 a. Den größten Umsatz mache sie jedoch auf Handwerkermärkten. Aufgrund der Corona-Krise fallen diese Termine in den kommenden Monaten aus.

"Außergewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen", meint Christine Kartusch. Getreu diesem Motto hat sie sich überlegt, ihr Atelier für andere Betroffene zu öffnen. Viele ihrer Kolleginnen müssten derzeit ganz ohne Geschäftsräume auskommen. "Denen bricht jetzt ein großer Teil der Einnahmen weg", erklärt Kartusch. Nachdem sie ihr Atelier wieder für Kunden öffnen darf, habe sie beschlossen, den Raum als Plattform für Gleichgesinnte zu nutzen. Im Rhythmus von zwei Wochen biete sie jeweils vier Künstlerinnen die Möglichkeit, ihre Produkte auszustellen.

Die Idee sei noch vor der Corona-Krise entstanden. Schon im Januar habe sie überlegt, ihre Atelier-Fläche für kreative Menschen aus Hattersheim zur Verfügung zu stellen. "So viele arbeiten im Verborgenen", sagt Christine Kartusch. Aufgrund der Auswirkungen der Pandemie sei das Vorhaben nun gewachsen. Neben den Hattersheimern lädt Kartusch auch Kunsthandwerkerinnen von außerhalb ein.

Während der ersten Phase vom 4. bis zum 16. Mai präsentiert die Atelier-Betreiberin Artikel von "Papier-Farbe-Schere" aus Hattersheim. Darüber hinaus zeigt sie Kleidung und Schmuck von "Samsara Collection" aus Wiesbaden, Mode von Birgit Boos aus Mainz sowie Anhänger und Ketten von "EmmaPearls" aus Hofheim.

In der derzeitigen Wirtschaftslage stehen Kunsthandwerker zudem vor der Herausforderung, dass ihre Waren in den Bereich der Luxus-Artikel fallen. "Natürlich gibt es viele, die finanziell zurückstecken müssen", räumt die Hattersheimerin auf Nachfrage ein. Christine Kartusch hat aber auch andere Sichtweisen erlebt. "Es gibt Leute, die sich jetzt etwas gönnen wollen", glaubt die Kunsthandwerkerin. "Einige haben weniger Ausgaben, weil sie in diesem Jahr keinen Urlaub machen können."

Christine Kartusch hat ihr Angebot bereits der gegenwärtigen Lage angepasst. Neben ihren Taschen verkauft sie auch selbst genähte Masken, die Mund und Nase bedecken. Sie mache mit dem Verkauf des Gesichtsschutzes keinen Gewinn, sagt die Atelier-Betreiberin. Verschenken könne sie die Masken aufgrund der hohen Qualität jedoch nicht. Dafür biete sie verschiedene Varianten - unter anderem Masken für Hörgeräte-Träger, die nicht an den Ohren befestigt werden.

Das Atelier von Christine Kartusch ist dienstags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr, freitags von 13 und 18 Uhr und samstags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Von Sascha Kröner

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