So sah die Stadthalle von außen im Vorjahr aus: Die Gerüstbauer (v. li.) Jonas Matyschiok und Thomas Löwer überprüften den Plan für die beabsichtigte Einhausung des Gebäudes. Archiv-FOTO: nietner
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So sah die Stadthalle von außen im Vorjahr aus: Die Gerüstbauer (v. li.) Jonas Matyschiok und Thomas Löwer überprüften den Plan für die beabsichtigte Einhausung des Gebäudes. Archiv-FOTO: nietner

Infrastruktur

Hattersheim: Das Ende der Stadthallen-Sanierung ist in Sicht

Die Corona-Pandemie sowie der fast schon dramatische Fachkräftemangel und Lieferengpässe sorgten für Verzögerungen.

Hattersheim -"Wir sind auf den letzten Metern", berichtet Thomas Kettenbach, Leiter des Hattersheimer Bauamtes. Bereits mehr als zwei Jahre begleitet der Verwalter der städtischen Bauprojekte die Sanierung der Stadthalle am Karl-Eckel-Weg. Ursprünglich sollte das vor Jahren stillgelegte Veranstaltungsgebäude schon im Frühjahr wieder öffnen. Die Maßnahmen verzögerten sich. Nun sei der Stand der Dinge aber ermutigend, erläutert Kettenbach, der damit rechnet, dass im Dezember wieder Leben in "Hattersheims Gud Stubb" einkehrt.

Als erstes werden wohl die politischen Ausschüsse in den Saal der Stadthalle zurückkehren. Wann die gesamte Stadtverordnetenversammlung folgt, müsse man noch abwarten, erklärt Bürgermeister Klaus Schindling (CDU). Die in Folge der Corona-Pandemie notwendig gewordenen Abstandsregeln sollen den Ausschlag bei der Belegung geben. Sobald wie möglich solle der Veranstaltungsort auch wieder allen Hattersheimern zur Verfügung stehen und zur Bereicherung des städtischen Lebens beitragen, wünscht sich der Rathauschef.

Künftige Nutzer der Halle werden sich vielleicht wundern, was bei den Arbeiten so lange gedauert hat. Die zahlreichen Neuerungen sind nämlich nicht auf der ersten Blick ersichtlich. Wer die Halle kennt, wird zunächst kaum eine Veränderung feststellen. "Die werden sagen: Es sieht ja aus wie früher", vermutet Thomas Kettenbach. Hintergrund seien die Vorgaben der Denkmalschutzbehörde, die festlegen, dass das sanierte Gebäude möglichst nahe an den Zustand des Ursprungsbaus aus den siebziger Jahren herankommt. Was man jedoch nicht sieht: "Wir haben fast jedes Teil einmal in die Hand genommen", erzählt der Bauamtsleiter. Wandabdeckungen und Fassadenelemente wurden abgenommen, um sie zu reinigen und an die Leitungen dahinter zu gelangen. Die wichtigsten Neuerungen verbergen sich hinter den sichtbaren Teilen oder befinden sich in Räumen im Keller.

Der ausschlaggebende Punkt für die Sperrung des Gebäudes waren Mängel beim Brandschutz. Ein neues Rauchmeldesystem, das sich über der Zwischendecke befindet, soll dieses Problem beheben. Die verborgene Meldeanlage sauge andauernd Luft aus der Halle an und überprüfe den Rauchgehalt, erklärt der Bauamtschef. Ebenfalls neu und nicht direkt sichtbar sind drei Motoren, die es erlauben, die Lichtkuppel im Foyer der Stadthalle anzuheben. Die große Dachverglasung kann somit als Rauchabzug genutzt werden. Überhaupt verberge sich in der sanierten Halle jede Menge Technik, berichtet Thomas Kettenbach. Alles sei miteinander verknüpft. So ermögliche es die moderne Gebäudeleittechnik etwa, Strom, Licht und Lüftung in den Räumen zusammen zu regeln. "Da steckt viel Intelligenz drin", betont der Verwaltungsmitarbeiter.

Dass die Halle nicht schon wie geplant vor einigen Monaten fertig wurde, hat verschiedene Gründe, bei denen Corona auch eine Rolle spielt. Es gebe derzeit Lieferengpässe bei Metallbauelementen, erläutert Kettenbach. Während der Sanierungsarbeiten habe auch über lange Zeit das Material für den Trockenbau gefehlt. Außerdem seien immer wieder Montage-Teams in Quarantäne gewesen. Gleichzeitig hätten die große Nachfrage im Baugewerbe und fehlender Nachwuchs im Berufsfeld der Monteure eine Rolle gespielt. "So eine Mangelverwaltung habe ich in meinem Berufsleben noch nicht erlebt", fasst der Bauamtsleiter zusammen. Mittlerweile müssten nur noch wenige Ausbaugewerke abgeschlossen werden. Laut Thomas Kettenbach sollen in dieser Woche die Holzdecken fertig werden. Nächste Woche sei dann die Beleuchtung dran, anschließend die Steckdosen. Der Leiter des Bauamts geht davon aus, dass die gesamte Elektrik Anfang Oktober abgenommen werden kann. Alle anderen technischen Gewerke hätten bereits grünes Licht bekommen. Als einer der letzten Arbeitsschritte werden wohl einige Innentüren installiert, deren Lieferung sich bis Dezember verzögert.

Die Baumaßnahme hatten sich aufgrund von Abweichungen in den Bauplänen und verschärften Brandschutzauflagen verteuert. Die erteilten Aufträge liegen derzeit bei 9,4 Millionen Euro. Rathauschef Klaus Schindling geht am Ende von Gesamtkosten von rund 10 Millionen Euro aus. Die Verwaltung sei aber sicher, dass die neu gedämmte Halle ein Drittel weniger Energie verbrauche als zuvor, nennt Schindling eine künftige Einsparung. Neben der Fertigstellung des Gebäudes steht noch die Suche nach einem Pächter für das Stadthallenrestaurant an. Insgesamt sei mittlerweile aber ein Ende in Sicht, betont Klaus Schindling. sas

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