Die Athanasius-Gemeinde bestreitet, dass Mitglieder ohne Masken die Gottesdienste besuchten. Archiv-Foto: Nietner
+
Die Athanasius-Gemeinde bestreitet, dass Mitglieder ohne Masken die Gottesdienste besuchten. Archiv-Foto: Nietner

Maskenpflicht

Hattersheim: "Das istDenunziantentum"

Sankt-Athanasius-Gemeinde wehrt sich gegen den Vorwurf, die corona-bedingten Einschränkungen nicht einzuhalten.

Hattersheim -Die Sankt Athanasiusgemeinde wehrt sich gegen Vorwürfe, dass ihre Mitglieder Corona-Vorgaben, nämlich das Tragen von Masken, missachtet haben sollen. Entsprechende Hinweise über angebliche Verstöße wurden am Wochenende in den sozialen Medien veröffentlicht. So wurde etwa darauf hingewiesen, dass Gottesdienstbesucher die Kapelle in der Schulstraße ohne Maske betreten hätten. Ein Sprecher der zuständigen Piusbruderschaft räumte auf Nachfrage des Kreisblatts ein, dass die Traditionalisten nicht zum ersten Mal im Fokus von entsprechenden Anschuldigungen stehen. Die Behauptungen weist er jedoch zurück.

Pater Markus Ignatius Pfluger spricht von "Verleumdung" und "mieser Stimmungsmache". "Jetzt muss man schon im Freien auf dem Weg zur Kirche eine Maske tragen", mokiert sich der Geistliche über die Beobachtungen, dass Besucher vor der Kirche ohne Maske ankommen. Er sei am Sonntag über die erneute Kritik informiert worden und habe alles mit Polizei und Ordnungsbehörden abgesprochen, erzählt Pfluger. Die Gemeinde halte sich an Verordnungen. An der Kapelle sei ein Plakat aufgehängt, das Besucher zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes auffordere. Die Besucherkapazität im Gotteshaus, das normalerweise bis zu 150 Personen aufnehmen könne, sei entsprechend der Vorgaben beschränkt worden. "Wir passen das immer an die aktuelle Verordnung an", erläutert der Piusbruder.

Hygienekonzept wurde vorgelegt

Die Athanasiusgemeinde ist unter anderem durch den 1987 ermordeten Hattersheimer Pfarrer Hans Milch bekannt geworden. Der katholische Seelsorger wurde 1979 vom Limburger Bischof suspendiert, nachdem er sich zur Position von Erzbischof Marcel Lefebvre bekannte. Wie Lefebvre widersetzte sich Milch den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils, die eine Modernisierung der Liturgie beinhalteten. Die konservativen Katholiken lehnten unter anderem ab, dass die Messe nicht mehr in Latein gehalten werden sollte.

Als Gegenpol rief Pfarrer Milch die Bewegung actio spes unica ins Leben und gründete die Sankt Athanasiusgemeinde. 1982 wurde eine eigene Kapelle in der Schulstraße eingeweiht. Nach dem Tod von Milch übernahm die 1970 von Bischof Lefebvre gegründete Piusbruderschaft die Gemeindearbeit in Hattersheim.

Pater Markus Ignatius Pfluger sieht die Gemeinde als Opfer von Behauptungen und Beschuldigungen. Mittlerweile würden nun schon zum fünften Mal Beschwerden gegen Sankt Athanasius vorgebracht - diese hätten sich jedoch nie bewahrheitet. "Wir haben uns jedes Mal mit Polizei und Ordnungsamt abgestimmt", erläutert Pfluger. Er habe dem Landrat das Hygienekonzept der Gemeinde vorgelegt. In einem Fall sei der Gemeinde vorgeworfen worden, dass Gottesdienstbesucher im Hof vor der Kapelle zu nahe beieinandergestanden hätten, berichtet der Geistliche. Dies könne aber daran liegen, dass der Hof sehr langgezogen sei und die tatsächlichen Abstände deshalb bei einem kurzen Blick täuschen. Markus Ignatius Pfluger sieht in den ständigen Vorwürfen einen Tatbestand, den die Gemeinde zur Anzeige bringen könnte. "Das ist Denunziantentum", schimpft das Mitglied der Bruderschaft.

Die Stadt Hattersheim teilte auf Nachfrage dieser Zeitung mit, dass die Vorwürfe im Rathaus bekannt seien. Die Ordnungsbehörde werde die Situation prüfen. sas

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare