Er steht seit Wochen selbst parteiintern in der Kritik: CDU-Bundesvorsitzender Armin Laschet. Das Foto zeigt ihn bei einem Auftritt im Konrad-Adenauer-Haus, in der Berliner CDU-Zentrale.
+
Er steht seit Wochen selbst parteiintern in der Kritik: CDU-Bundesvorsitzender Armin Laschet. Das Foto zeigt ihn bei einem Auftritt im Konrad-Adenauer-Haus, in der Berliner CDU-Zentrale.

Politik

Hattersheim: "Das läuft alles wie geplant"

Wie die örtlichen CDU-Mitglieder auf die sinkenden Umfragewerte von Armin Laschet reagieren.

Hattersheim -Mit einem gar nicht seltsamen Phänomen in ihren eigenen Reihen müssen sich die Christdemokraten seit einigen Monaten herumschlagen. Es heißt Armin Laschet, der einst von den CDU-Delegierten zum Kanzlerkandidaten gewählt wurde. Anfangs gab es noch Lob, Zuversicht und Zuspruch, danach wurde vieles, was der anscheinend designierte Nachfolger von Angela Merkel sagte oder tat, mit Kritik oder Häme überzogen. Die eigenen Parteimitglieder, so schien es, ließen sich davon anstecken. Der einst vermeintlich von der Mehrheit der CDU-Mitglieder gewünschte Kandidat geriet plötzlich derart ins Hintertreffen, dass sogar der Vorsitzende eines kleinen CDU-Ortsverbandes im Saarland öffentlich gegen ihn wetterte - und Plakatekleben mit dem Konterfei von Laschet nur ungern organisieren wollte. Von Parteidisziplin oder gar Solidarität war da also keine Spur mehr übrig. Auch in den übrigen Bundesländern wird Armin Laschet nicht gerade als der "Bringer" für ein gutes Wahlergebnis der Union angesehen. Doch wie sieht die Stimmungslage bei der Hattersheimer CDU aus, die sich knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl am Samstag zum Sommerfest im Alten Posthof getroffen hatte?

Diese Frage stellte das Kreisblatt an Günter Tannenberger, der nicht nur Mitglied im CDU-Vorstand ist, sondern zudem als Mitglieder-Beauftragter seiner Partei fungiert. Mit anderen Worten: Er hat einen direkten Draht zu den Christdemokraten an der Basis. "Ich kann nicht sagen, dass es eine negative Stimmung gibt. Die Stimmung ist derzeit so, dass es heißt: ,Wir krempeln die Ärmel hoch'", beschreibt der Okrifteler die Einstellung der aktiven CDU-Mitglieder. Zwar sei Laschet als Galionsfigur der CDU auch im Hattersheimer Stadtverband nicht unumstritten. Darüber werde unter den Mitgliedern gesprochen, klar. Doch egal, wie man zu ihm stehe, der Wahlkampf werde durchgezogen. "Es gibt da überhaupt keine Probleme. Es werden Broschüren verteilt und Plakate aufgehängt. Das läuft alles wie geplant", erläutert Günter Tannenberger. Der langjährige CDU-Mann führt dieses Engagement darauf zurück, dass die Mitglieder sich ja zuerst für ihre Partei engagieren und nicht etwa für Laschet. So sei es wichtig, "dass unser Bundestagsabgeordneter wiedergewählt wird", verdeutlicht Tannenberger. "Unser Bundestagsabgeordneter", das ist der ehemalige Bürgermeister von Bad Soden, Norbert Altenkamp. Der CDU-Bundestagsabgeordnete war, wie auch CDU-Kreisvorsitzender Axel Wintermeyer, beim Sommerfest der CDU dabei. In den kurzen Ansprachen des Hattersheimer CDU-Vorsitzenden Klaus Schindling sowie von Axel Wintermeyer sei dies ebenfalls erwähnt worden: Es geht vor allem darum, den eigenen Wahlkreiskandidaten "durchzubringen", um weiter einen guten Draht in die Bundeshauptstadt und - wenn möglich - zu einer künftigen Regierung mit CDU-Beteiligung zu haben.

Große Hoffnung hätten seine Parteifreunde für den am Sonntag im Fernsehen ausgestrahlten Dreikampf zwischen Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet gehabt. Insgesamt gesehen würde aber Personen in der Berichterstattung mehr Gewicht gegeben als Themen. Diese gingen unter, dabei gehe es ja nicht um eine Kanzlerwahl, sondern um die Wahl von Parteien für den Bundestag. Drei Anmerkungen zur Personalie Armin Laschet hatte Günter Tannenberger zum Schluss des Gesprächs parat: Erstens hätten sich die Medien ziemlich schnell auf Laschet negativ "eingeschossen". Zweitens seien die ständigen Umfragen zu den Sympathiewerten für Kanzlerkandidaten nachteilig und oberflächlich. Und drittens, so Günter Tannenberger, gebe es unter den CDU-Mitgliedern nun eine Diskussion darüber, warum nur Delegierte über den Kanzlerkandidaten der Christlich Demokratischen Union abgestimmt haben, und nicht die Mitglieder. Niklaus mehrfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare