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Hattersheim: Deichverlegung beeinträchtigt Wiesenhof-Betrieb

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Diese zwei Pferde ahnen es nicht - ihre Koppel im Hintergrund soll künftig der Rückverlegung des Maindeichs weichen.
Diese zwei Pferde ahnen es nicht - ihre Koppel im Hintergrund soll künftig der Rückverlegung des Maindeichs weichen. © Kröner, Sascha

Überarbeiteter Bauplan und eine geplante Rampe sind für die Reitsportgruppe nicht akzeptabel.

Eddersheim -Ein stabiler Maindeich ist ganz im Sinne des Vorstands der Reitsportgruppe (RSG) Eddersheim. Das Vereinsgelände auf dem Wiesenhof liegt weniger als 200 Meter vom Verlauf des Damms entfernt und wäre bei starken Überschwemmungen höchstwahrscheinlich betroffen. „Wir haben überhaupt nichts gegen das Thema Hochwasserschutz“, erklärt die Vorsitzende Katrin Förster. Trotzdem wehrt sich der Vorstand gegen die Pläne zur Verstärkung des Schutzwalls in ihrer derzeitigen Form. Der neue Deich soll nämlich genau auf Höhe des Wiesenhofs ins Landesinnere zurückverlegt werden, wo er die Koppeln und einen Therapiepfad verdrängen würde.

Die Stadt Hattersheim hat der RSG eine Lösung präsentiert. Wenn die vom Verein genutzten Koppeln künftig vor den Deich verlegt werden, solle der Zugang über eine Rampe erfolgen, für die sich die Verwaltung beim Regierungspräsidium stark gemacht hat. Aus Sicht der Vereins sei dies jedoch keine zufriedenstellende Alternative, sagt Katrin Förster. Die Vereinschefin führt an, dass die bisherige Entfernung von 20 Metern bis zur Koppel künftig auf bis zu 100 Meter wachsen würde. Wenn das Team derzeit rund 1,6 Kilometer zurücklege um alle Pferde zur Koppel und zurück zu bringen, erhöhe sich diese Strecke künftig auf acht Kilometer. „Das schaffen wir zeitlich und personell nicht“, erläutert Förster. „Man hätte sich vielleicht einmal mit uns darüber verständigen sollen, ob eine Rampe überhaupt etwas nützt.“

Denn es gibt weitere Probleme, die eine Rampe nicht aus der Welt schaffen würden. So habe der Verein neben seinen Koppeln noch ein weiteres Grundstück in Richtung Bahntrasse gepachtet, das durch die Rampe nicht angebunden wäre, erklärt Katrin Förster.

Kritisch sieht die Vorsitzende auch den Umstand, dass der Therapiepfad der RSG künftig nur noch über die Rampe erreichbar wäre. Laut Förster arbeiten die Therapeuten mit Patienten, die ein sicheres Umfeld brauchen und schlecht mit unebenem Gelände umgehen können. Kurzum: Ein Therapiepfad jenseits des Deichs wäre so gut wie überflüssig, weil die schwer beeinträchtigen Menschen ihn nicht erreichen könnten. Darüber hinaus beschäftigt Katrin Förster die Frage, wer die Verlegung des Therapieweges überhaupt bezahlen würde. Die Installation der Zäune habe die RSG 35 000 Euro gekostet. Noch ein weiterer Punkt macht die derzeitige Ungewissheit für den Verein zum Ärgernis: Die RSG plant schon seit geraumer Zeit die Errichtung einer neue Therapiestrecke mit Naturhindernissen. Das Angebot soll Menschen mit psychischen Problemen dabei helfen, Mut und Selbstvertrauen zu entwickeln. Fördermittel in Höhe von 40 000 Euro, die der Verein im Jahr 2018 bei der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main beantragt hatte, wurden bewilligt. Auch die Untere Naturschuzbehörde hat bereits grünes Licht für das Projekt gegeben. Trotzdem wird momentan nichts aus dem geplanten Baubeginn im Frühjahr. Die vorgesehene Fläche wäre nämlich von der Planung zur Deichrückverlegung betroffen. Die RSG könne die Fördermittel zwar bis ins Frühjahr 2024 verlängern, so Förster. Danach würde die dringend benötigte finanzielle Unterstützung aber wegfallen. „Entweder wir bauen jetzt, oder wir müssen auf die Förderung verzichten“, meint die RSG-Chefin. „Wir verstehen nur nicht, wieso der Damm nicht dort bleiben kann, wo er ist“, sagt die RSG-Chefin.

Stadt macht Gesprächsangebot

Auch nach einem Schreiben an das zuständige Regierungspräsidium habe der Verein keine Antwort auf diese Frage erhalten. Kurz nach dem Gespräch mit dieser Zeitung ging gestern eine Nachricht der Stadt beim RSG Vorstand ein. Die Hattersheimer Verwaltung bietet dem Therapiezentrum weitere Gespräche zur Deichrückverlegung an, die noch in diesem Monat stattfinden sollen. Katrin Förster hofft, dass die Sorgen der Reitsportgruppe in diesem Rahmen ausgeräumt werden können. sas

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