Im Tierpark ist immer etwas zu tun. Hufschmied Bernd Christoph sorgte gestern dafür, dass Lotte wieder kräftig auftreten kann.
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Im Tierpark ist immer etwas zu tun. Hufschmied Bernd Christoph sorgte gestern dafür, dass Lotte wieder kräftig auftreten kann.

Tierpark

Hattersheim: Der Hufschmied kommt regelmäßig zu Lotte

Förderverein für den Tierpark muss nach einer Auflage des Veterinäramtes einen professionellen Tierpfleger einstellen.

Hattersheim -Maniküre mal anders: Während Esel-Dame Lotte tapfer still hielt, kratzte Schmiedemeister Bernd Christoph gestern das wuchernde Horn aus ihren Hufen. Die Behandlung sei vergleichbar mit dem Schneiden von Fingernägeln, erklärte der Fachmann aus Eschborn, der den Hattersheimer Tierpark regelmäßig besucht. Drei- bis viermal im Jahr sei die Hufpflege notwendig. "Das ist wie mit allem - wenn man es nicht pflegt, macht es irgendwann Probleme", so Bernd Christoph.

Lottes Hufschliff fand nicht hinter verschlossenen Türen statt. Spaziergänger, die zufällig am Zaun des Tierparks vorbeikamen, konnten dem Schmiedemeister tatsächlich in aller Ruhe bei der Arbeit über die Schulter schauen. In Corona-Zeiten war das wohl eine interessante Abwechslung. Doch das Zuschauen war in Hattersheims kleinem "Zoo" schon immer so. Auch andere notwendige Handgriffe, wie die tägliche Fütterung der Tiere, wecken oft das Interesse von Kindern. Ab sofort möchte der Vorstand des zuständigen Vereins das Gelände noch stärker für das Publikum öffnen - vorausgesetzt die Corona-Vorgaben lassen es wieder zu.

Dem neuen Vorsitzenden Manuel Ferkau schwebt ein monatlicher "Tag der offenen Tür" vor. Außerdem sollen Besucher während der Fütterung auf das Gelände gelassen werden. "Das gab es früher einmal", erinnert sich der Hattersheimer. Er selbst sei als Kind im Tierpark gewesen, wenn Tierpfleger Albert Ebert die Schafe, Ziegen und Hühner fütterte. Ferkau möchte Kindern heute wieder diese Nähe zum Park ermöglichen. Der 38-Jährige löste den Vorsitzenden Klaus-Dieter Simon im April kommissarisch ab. Im November wählten ihn die Mitglieder in einer Online-Abstimmung zum offiziellen Vereinschef.

Damit der Tierpark weiterhin Jung und Alt anlocken kann, muss der Verein aber zunächst eine entscheidende Hürde nehmen. Dem Hattersheimer Mini-Zoo fehlt ein Tierpfleger. Nach dem Rückzug des bisherigen Verantwortlichen Erol Petry konnte der Posten nicht neu besetzt werden. Erschwert wird die Suche dadurch, dass eine angelernte Kraft wie Petry künftig nicht ausreicht. Das Veterinäramt fordere einen ausgebildeten Tierpfleger, erklärt Manuel Ferkau. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, sei der langjährige Pfleger Albert Ebert eingesprungen. Doch der über 80 Jahre alte Unterstützer ist keine längerfristige Lösung. "Wir müssen in den nächsten Wochen jemanden finden", betont Vereinschef Ferkau. "Sonst sieht es übel aus." Wenn sich niemand auf die Stellenausschreibung melde, müsse er aktiv auf Zoos in der Umgebung zugehen. Neben der Schwierigkeit, einen professionellen Tierpfleger zu finden, erhöht sich mit der notwendigen Stelle auch die finanzielle Belastung für den Verein. Der Tierpark müsse jährlich rund 30 000 Euro mehr an Personalkosten stemmen, erläutert Ferkau. Doch dies sind bei weitem nicht die einzigen Ausgaben, die von den Verwaltern des Geländes zu schultern sind. Die Stallungen benötigen eine Renovierung, der Boden soll versiegelt werden, und elektrische Leitungen sowie Beleuchtung müssen erneuert werden, zählt der Vorsitzende auf. Wie schnell Kosten entstehen, habe ein Tierarzteinsatz im Dezember gezeigt. Eine Ziege musste eine Magenspülung über sich ergehen lassen, weil sie mit Brot gefüttert worden war. In diesem Zusammenhang weist Manuel Ferkau darauf hin, dass es verboten ist, den Tieren Brot zu geben.

Der Tierpark ist weiterhin auf Spender und Sponsoren angewiesen. Die Lage sei nicht einfach, weil viele Firmen von der Corona-Krise gezeichnet seien, sagt Manuel Ferkau. Immerhin hätten die bisherigen Sponsoren dem Verein die Treue gehalten. Ein weiteres positives Zeichen ist eine großzügige Spende: Ein Elektrotransporter, den der Verein in den kommenden Wochen in Betrieb nimmt. Es werde allerdings noch ein Sponsor gesucht, der die Versicherung in Höhe von 700 Euro übernimmt, sagt der neue Vereinschef. sas

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