Willi Torka engagiert sich künftig ehrenamtlich als Hospizhelfer für die Anlaufstelle des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes in Bad Homburg.
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Willi Torka engagiert sich künftig ehrenamtlich als Hospizhelfer für die Anlaufstelle des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes in Bad Homburg.

Porträt

Hattersheim: Ex-CDU-Stadtverordneter wird Hospizhelfer

Hattersheim: Warum sich der ehemalige CDU-Stadtverordnete Willi Torka von der Kommunalpolitik abgewendet und der Hospizarbeit zugewendet hat.

Hattersheim - Nach jahrelangem politischem Engagement hat Willi Torka eine neue Berufung gefunden. Der Ex-FWG-Mann, der nach internen Streitigkeiten zur CDU wechselte, sitzt nicht mehr in der Stadtverordnetenversammlung. Stattdessen wird der Eddersheimer in Zukunft am Bett schwerkranker Kinder Platz nehmen. Torka hat sich einer Aufgabe angenommen, die viele Menschen abschreckt: Als Hospizhelfer möchte er Kinder und deren Familien auf dem letzten Weg begleiten. "Der Tod gehört zum Leben", erklärt der 63-Jährige.

Er habe lange geschaut, was er ehrenamtlich machen könne, berichtet Willi Torka. Fündig wurde er beim "Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst" (AKHD) Frankfurt. Über diesen Verein startete er im Januar 2020 die Ausbildung zum Hospizhelfer. Kurz nach Beginn der 100-stündigen Schulung kam die Corona-Krise dazwischen - die Kurse mussten unterbrochen werden. Mittlerweile habe die Ausbildung aber wieder Fahrt aufgenommen und er befinde sich im letzten Drittel, erklärt der Eddersheimer.

Ehemaliger CDU-Stadtverordnete: „Ich möchte etwas zurückgeben“

Der ehemalige Stadtverordnete rechnet damit, dass er im Februar erstmals eine Familie begleiten wird. Für die Arbeit mit schwerkranken Kindern und Jugendlichen hat er sich bewusst entschieden. "Ich möchte etwas zurückgeben, weil ich selbst drei gesunde Kinder habe", sagt Willi Torka. Er will die AKHD beim Aufbau einer neuen Anlaufstelle in Bad Homburg unterstützen. Der Verein beschäftigt 70 ehrenamtliche Helfer und begleitet derzeit rund 40 Kinder.

Von Bekannten wurde der Eddersheimer gefragt, warum er sich das antue. Torka sieht in der Hospizarbeit allerdings keine negative Erfahrung. Man müsse erkennen, dass es Menschen gibt, deren Leben anders verläuft als das eigene. Zu solchen Menschen wolle er gehen, um zu helfen. "Das kann einem eine ganz andere Zufriedenheit geben als ein Urlaub oder ein Autokauf", meint der 63-Jährige. Ihm sei es immer wichtig gewesen, etwas mit Menschen zu machen, sagt Willi Torka, der Wirtschaftsinformatik studiert hat und freiberuflich im IT-Bereich arbeitet. Obwohl die Informatik im Vergleich zur Hospizarbeit äußert sachlich und emotionslos wirkt, sieht Torka durchaus Parallelen: Er habe es beruflich immer wieder mit Projekten zu tun, bei denen er mit Menschen zusammenarbeite. "Die Psyche ist die Schnittmenge", erklärt der Eddersheimer.

Ehemaliger CDU-Stadtverordnete: Kinder trauern anders als Eltern

Zu den psychischen Herausforderungen, denen er sich bald stellen wird, gehört auch die Arbeit mit trauernden Eltern. Eine Mutter, die ihr Kind verloren hat, könne unter starken Schuldgefühlen leiden, erklärt Torka. In solchen Situationen sei es wichtig, nicht nur zu reden, sondern die Menschen wirklich zu begleiten. "Wir fragen, was wir tun können", erklärt der künftige Helfer. Dabei sei es aber wichtig, sich selbst nicht zu sehr mitreißen zu lassen. Denn trotz aller menschlicher Nähe ist für Willi Torka klar: "Distanz ist wichtig."

In seiner bisherigen Ausbildung hat der Eddersheimer gelernt, dass Kinder anders trauern als Erwachsene. "Kinder haben Trauerinseln", erläutert er. Es könne vorkommen, dass ein Kind tieftraurig sei und kurz darauf wieder total vergnügt. In der Begleitung von kranken Kindern könne man auch andere Gesprächsformen finde, indem man beispielsweise Geschichten erzähle. Der Hospizhelfer glaubt, dass ihm seine bisherige Lebenserfahrung helfen wird. "Als Vater habe ich Pubertät, Krankheiten, Kita- und Schulzeit miterlebt", sagt der 63-Jährige. Auch die Hospizarbeit sei ihm nicht fremd. Er habe erlebt, wie sein Schwiegervater im Flörsheimer Hospiz "Lebensbrücke" begleitet wurde, erzählt Willi Torka.

Ehemaliger CDU-Stadtverordnete: "Das ist mir eine Herzensangelegenheit"

Bei der Wahl zwischen Politik und Hospizbegleitung entschied sich Torka bewusst für letzteres. Er könne nicht zwischen diesen zwei Welten hin- und herspringen, sagt der 63-Jährige. Die Hattersheimer CDU sei auch ohne ihn gut aufgestellt. Deshalb genieße die Hospizarbeit nun seine ganze ehrenamtliche Aufmerksamkeit. "Das ist mir eine Herzensangelegenheit", beteuert er.

Ein ehrenamtlicher Hospizhelfer aus Frankfurt erfüllt totkranken den letzten Wunsch.

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