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Hattersheim: Die Familie hat sie immer motiviert

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Ein arbeitsreiches Leben hat Maria Stadler hinter sich gebracht. Die Okriftelerin feiert heute ihren 100. Geburtstag im Kreis ihrer Familie.
Ein arbeitsreiches Leben hat Maria Stadler hinter sich gebracht. Die Okriftelerin feiert heute ihren 100. Geburtstag im Kreis ihrer Familie. © Kröner, sascha

Maria Stadler ist 100 Jahre alt geworden - Ihre Lebensgeschichte ist mit Krieg und Vertreibung verbunden

Okriftel -In den vergangenen beiden Jahren feierte die Familie den Geburtstag von Maria Stadler im kleinen Kreis. Corona ließ keine größeren Zusammenkünfte zu. In diesem Jahr sind die Angehörigen aber froh, dass die Einschränkungen gelockert wurden. Sie haben den Saal einer Gaststätte angemietet und erwarten Verwandtschaft aus Bayreuth. Denn Maria Stadler feiert einen ganz besonderen Geburtstag: Die Okriftelerin wird heute 100 Jahre. "Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich so alt werde", erklärt die Jubilarin selbst etwas erstaunt.

Die Okriftelerin, die als Maria Giesko im polnischen Kulno geboren wurde, hatte es in ihrem langen Leben nicht leicht. Während viele Menschen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erstmals einen Krieg in Europa erleben, hat die Jubilarin die Folgen von Krieg und Vertreibung am eigenen Leib erfahren. Nach dem deutschen Angriff auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg einläutete, wurde sie 1940 nach Deutschland verschleppt.

Zunächst verschlug es sie als junge Frau nach Marburg, wo sie in einem Schwesternheim arbeitete. 1950 heiratete sie Florian Stadler. Sie brachte einen Sohn und eine Tochter in die Beziehung mit. Aus der Ehe stammen zwei weitere Töchter. Vielleicht war es die große Familie, die Maria Stadler immer motiviert und munter gehalten hat. Zu ihren Nachkommen zählen mittlerweile acht Enkel, neun Urenkel und drei Ur-Ur-Enkel. Tochter Maria Zwergel und ihre Familie kümmern sich um die mehrfache Oma. "Wir passen auf", sagt Ria Zwergel. Ihre Mutter sei früher rund um die Uhr für die Familie arbeiten gegangen. Trotzdem blieb auch Zeit für Hobbys: Zu den Interessen von Maria Stadler gehörten die Okrifteler Ortsvereinigung des Deutschen Roten Kreuzes und die Brass Band Firebirds. Maria Stadler hat nie selbst musiziert. Sie unterstützte jedoch stets die anderen Familienmitglieder, die sich in der Musikgruppe engagierten. In früheren Jahren nähte sie beispielsweise die Uniformen für die marschierende Musikgruppe. Die dankt es der Seniorin bis heute mit einem Gastspiel an ihrem Geburtstag.

Wenn gerade keine neuen Kostüme für die Brass Band gebraucht wurden, strickte Maria Stadler auch gerne warme Kleidung für ihre Enkel. Freude hatte die 100-Jährige während ihres langen Lebens außerdem am Reisen - sei es bei Busfahrten mit der "Fröhlichen Runde" des DRK oder bei Familienurlauben. Beliebte Ziele waren Österreich, Italien, Polen und Jugoslawien. Bei einer Reise nach Kanada lernte die Jubilarin die Welt über Europa hinaus kennen.

Gut abschalten konnte Maria Stadler immer bei der Gartenarbeit. Noch heute sitzt sie nicht bloß auf der Bank im Hof in der Sonne, sondern hilft aktiv mit. "Die Knochen müssen arbeiten", sagt die 100-Jährige. Wenn Blumen gesetzt werden, ist sie gerne mit dabei. Weil sie mittlerweile schlecht sehe, stelle die Familie ihr dann die Töpfe griffbereit hin, erklärt Ria Zwergel. Ihre Mutter könne den Rest dann ertasten.

Heute kommt die Familie zusammen, um den großen Geburtstag der Okriftelerin zu feiern. Wie es nach dem 100. Geburtstag weitergeht, darüber macht sich Maria Stadler vorerst keine Gedanken. "Was kommt, das kommt", meint die Okriftelerin gelassen. sas

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