Auf dem Kastengrund-Areal zwischen Hattersheim und Weilbach soll ein großes Rechenzentrum gebaut werden. ArchivFOTO: nietner
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Auf dem Kastengrund-Areal zwischen Hattersheim und Weilbach soll ein großes Rechenzentrum gebaut werden. ArchivFOTO: nietner

Politik

Hattersheim: Die Fassade soll begrünt werden

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bleibt bei ihrem "Nein" für das neue Rechenzentrum im Kastengrund.

Hattersheim -Die Stadtverordnetenversammlung hat den sogenannten ersten Nachtrag für den "Städtebaulichen Realisierungsvertrag" für das Kastengrund-Areal beschlossen. CDU, SPD, FWG, FDP sowie die Stadtverordnete Corinna Abel (Die Partei) stimmten der geänderten Vorlage zu. Der Vertrag regelt die Vorgaben und Zulässigkeiten für die Bebauung. Bekanntlich möchte ein international tätiges Unternehmen dort ein Rechenzentrum errichten und hatte das Kastengrund-Gelände vom Eigentümer, dem Main-Taunus-Kreis, erworben.

Die Hattersheimer Grünen hatten sich zum Bebauungsplan für das neue Rechenzentrum im Kastengrund eindeutig positioniert. Sie setzten bei diesem Thema nun noch einmal nach. "Wir müssen uns auf den Weg zu einer klimaneutralen Stadt machen", erläuterte die Fraktionssprecherin der Grünen, Nathalie Ferko, nach der Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung die Ablehnung ihrer Fraktion. Alle Neuplanungen müssten die Voraussetzungen für das Erreichen des Ziels einer klimaneutralen Stadt erfüllen. Bei dem geplanten Rechenzentrum am Kastengrund werde dazu wieder einmal eine Chance vertan, erklärte Nathalie Ferko.

Die Grünen hatten Festschreibungen im Bebauungsplan gefordert, die ihrer Meinung nach in anderen Kommunen längst zum Standard gehörten. Großflächige Versiegelungen und der immense Energieverbrauch von Rechenzentren müssten kompensiert werden. Aber Energieträger, die für die alternative Energiegewinnung der Zukunft ein "Muss" bedeuteten, würden von den Verantwortlichen der Stadt Hattersheim vernachlässigt, beziehungsweise erst gar nicht als Option gesehen. Dabei böten sich die großen Flächen der Dächer und Fassaden für die Installation von Photovoltaikmodulen an. Diese Möglichkeit der Kompensation hatten die Grünen bereits für die Rechenzentren an der Voltastraße angeregt. Allerdings ohne Erfolg. Unter anderem weil es bautechnisch keinen Sinn gemacht hätte, fand der Vorschlag dort keine Berücksichtigung.

Brauchwasser für die Kühlung?

Die Hattersheimer Grünen führen nun die Stadt Hanau als Beispiel an, dass sich die Kommunen im Rhein-Main-Gebiet abstimmen und auf gemeinsame Vorgaben für Bebauungspläne und städtebauliche Verträge mit den Betreibern von Rechenzentren verständigen sollen. Es sei notwendig, ein Konzept für die gesamte Region zu entwickeln. So um zu regeln, wie viele Flächen versiegelt werden dürfen und wie viel Energie durch Photovoltaik kompensiert werden muss, und dass für die Kühlung der Server kein Trink- sondern Brauchwasser verwendet werden muss. Dies seien nur einige Beispiele, erläutern die Grünen in einer Mitteilung.

Auf Drängen der Grünen-Fraktion finde sich nun in der geänderten Vorlage für den "Städtebaulichen Vertrag" zum Kastengrund-Areal die Auflage, die Gestaltung der Außenfassade mit der Stadt abzusprechen. "Ein kleines Zugeständnis", erklärte Fraktionsmitglied Uwe Broschk. "Wobei zu hoffen bleibt, dass dann unsere Vorschläge auch Berücksichtigung finden." So bleibt es erst einmal offen, ob tatsächlich die Fassade des Rechenzentrums begrünt wird. Die Grünen monieren weiter, dass der Naturschutzausgleich für den neuen Bebauungsplan auf dem Gebiet des Schwarzbachs umgesetzt wird. Die Renaturierung des Schwarzbachs im Bereich der Gemarkung Hattersheim sei jedoch eine Pflichtaufgabe, die durch die europäische Wasserrahmenrichtlinie vorgegeben sei und sowieso umgesetzt werden müsse. Eine ohnehin notwendige Maßnahme als ökologischen Ausgleich für ein neues Baugebiet zu deklarieren, sei nicht zu verantworten.

"Wir brauchen beides: Naturbelassene Flächen für den Fortbestand der Flora und Fauna und als Naherholungsgebiet für die wachsende Bevölkerung im Ballungsraum Rhein-Main und einen ökologischen Ausgleich für neu versiegelte Bauflächen", fordern die Hattersheimer Grünen weiter. Das Gebiet des Kastengrunds, dessen Grenzen an die Wasserschutzzone sowie an das Naturschutzgebiet Weilbacher Kiesgruben anschlössen, sei ein sensibles Terrain. "Die Vorgaben im Bebauungsplan hätten deshalb noch intensiver betrachtet und behandelt werden müssen, um unser aller Lebensraum zu erhalten", erklären die Grünen. meh

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