Vor langer Zeit, nämlich im Jahr 2002, ist dieses Bild entstanden. Es zeigt die Mitglieder der damaligen politischen Nachwuchsvertretung im Hessensaal.
+
Vor langer Zeit, nämlich im Jahr 2002, ist dieses Bild entstanden. Es zeigt die Mitglieder der damaligen politischen Nachwuchsvertretung im Hessensaal.

Politik

Hattersheim: Die Jugend soll für ihre eigenen Interessen streiten

FDP initiiert Koalitionsantrag für Reaktivierung der Nachwuchsvertretungen - die SPD plädiert ebenfalls dafür.

Hattersheim -Vor der jüngsten Kommunalwahl hatten manche Parteien und Wählergemeinschaften im Main-Taunus-Kreis schon vor dem Öffnen der Wahllokale gewonnen. Denn sie konnten eine Verjüngung auf ihren Kandidatenlisten melden. Nach einigen Jahren, in denen die politische Vertreter meist im gestandenen Alter ab 45 Jahr aufwärts den Ton angaben, erfolgt nun eine Zäsur. Nicht überall, aber in vielen Stadtverordnetenversammlungen sind nun die Jüngeren am Zug. Nicht zuletzt die Bewegung Fridays for Future, die sich der Klimapolitik verschrieben hat, trug dazu bei. In Hattersheim hatte die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungsprozessen, die ihre Lebensbereiche betrafen, bereits vor Jahrzehnten etliche Erfolge erzielen können. Die im Laufe der Jahre zahlreichen Mitglieder Kinder- und Jugendparlamente hatten - trotz dieser etwas hochgestochenen Bezeichnung - die Möglichkeit, ihre Wünsche und Vorstellungen in manchen Bereichen zu realisieren oder besser gesagt realisieren zu lassen. Diese Nachwuchs-Gremien begriffen schnell, dass nicht für alles Geld ausgegeben muss, was nicht nachhaltig genug ist. Deshalb war die Überraschung bei den Erwachsenen groß wenn sich herausstellte, dass die Nachwuchspolitiker sehr sparsam mit den ihnen zu Verfügung stehenden Geldmitteln umgingen. Und noch einen Erfolg zeitigte diese Vertretungen der damals jungen Hattersheimer, Okrifteler und Eddersheimer: Einige von ihnen engagierten sich später in den Parteien. Die Grundlage hierfür waren durch die Nachwuchsparlamente geschaffen worden.

Nun sollen die Kinder-, Schüler- und Jugendparlamente wieder reaktiviert werden. Dazu gibt es einen Antrag der CDU/FDP/FWG-Koalition sowie der SPD, die gleichfalls die Wiederbelebung vorschlägt. Gespannt kann darauf gewartet werden, wie sich dieses Vorhaben entwickelt. Denn mit einer Vorgabe von oben, so wie es in dieser Woche mit einem Fachausschuss einer Gemeindevertretung im Main-Taunus-Kreis passiert ist, dessen junge Vorsitzende trotz offenbar nicht vorhandener Themen zu einer Sitzungsterminierung "verdonnert" wurde, kann es nicht funktionieren. So etwas ist weder demokratisch noch klug, um junge Leute bei der Stange zu halten. Denn der Polit-Nachwuchs lernt schnell, was sinnvoll und machbar ist, und wann es dies nicht ist - und stellen fest, dass Demokratie auch Regularien benötigt, die oft unverhofft Grenzen setzen, wenn es keine einheitliche Meinungsbildung gibt.

Zurück zum Vorhaben die Nachwuchsvertretungen wieder zu aktivieren. Die Hattersheimer FDP setzt sich nach eigenen Angaben "für eine nachwachsende Generation ein", die damit "bereits früh ein Verständnis für eine wahrhafte und streitbare Demokratie" bekommen soll. Aus diesem Grund bringe die CDU/FDP/FWG-Koalition in die nächste Stadtverordnetenversammlung (Donnerstag, 15. Juli, ab 19.30 Uhr in der Sporthalle am Karl-Eckel-Weg) einen von den Freidemokraten initiierten Antrag ein. In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Gesamtschule Hattersheim (HBS) soll wieder ein Schülerparlament (ab der 5. Klasse) sowie ein Jugendparlament (ab der 8. Klasse) eingerichtet werden. "Hattersheim hat seit über 20 Jahren Nachwuchsparlamente, die auf die Initiative der damaligen Stadtverordnetenvorsteherin Silvia Maeder hin Kindern und Jugendlichen erfahrbar machen, dass demokratisches Handeln Grundlage des alltäglichen Lebens ist", erklärte die FDP-Stadtverordnete Karin Fredebold. Seit mehreren Jahren lägen aber die Schüler- und Jugendparlamente brach. "Diese Parlamente ermöglichen Kindern und Jugendlichen die Erfahrung zu machen, selbst eigene Interessen zu artikulieren und wahrnehmen zu können. Und zeigen ihnen, dass sie Rechte besitzen und an Entscheidungen, die sie selbst und andere betreffen, teilhaben können", meinte die Liberale, die in diesem Zusammenhang nicht auch von Pflichten spricht. Fredebold argumentierte weiter, dies sei "in der gegenwärtigen Zeit mit demokratiezersetzenden Tendenzen wichtiger denn je". Zudem wird auf Anregung von Fredebold, wie die FDP mitteilte, eine Arbeitsgruppe der Stadtverordnetenversammlung eingerichtet, die die Corona-Folgen für Hattersheimer Kinder, Jugendliche und Senioren, aber auch hiesige Gewerbetreibende "adressieren" soll. meh

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare