"Motzer" Stefan Käck hat Grund für Missmut: Es gibt 2022 keine CCM-Sitzungen. ArchivFOTO: nietner
+
"Motzer" Stefan Käck hat Grund für Missmut: Es gibt 2022 keine CCM-Sitzungen. ArchivFOTO: nietner

Vereine

Hattersheim: Die Online-Fastnacht ist nichts für den CCM

Vorstand sagt Saalfastnacht ab: "Wir wollten den Mitgliedern nicht mit einer 2G-Regelung auf die Füße treten".

Okriftel -Die Entscheidung ist den Akteuren mit Sicherheit nicht leichtgefallen. Dennoch fassten die Verantwortlichen des Carneval Clubs Mainperle (CCM) ihren Beschluss einstimmig. Auf der jüngsten Versammlung des Vorstandes sprachen sich die Fassenachter gegen eine Saalfastnacht unter 2G-Regeln aus. Veranstaltungen, bei denen nur Geimpfte und Genesene Zutritt gehabt hätten, entsprechen nicht den Vorstellungen der Okrifteler. Deshalb vereinbarte der Vorstand, auch im kommenden Jahr keine Sitzungen im herkömmlichen Sinne auszurichten.

Corona hatte bereits in diesem Jahr dazu geführt, dass närrische Sitzungen ausgesetzt wurden. Nun stehen die betroffenen Vereine vor einer veränderten Ausgangslage für die kommende Fastnachtskampagne: Die Infektionszahlen sind niedriger - Impfungen gegen Covid-19 schreiten voran. Die Entscheidung, ob und unter welchen Bedingungen Fastnacht gefeiert wird, ist dennoch nicht leicht. Auch 2022 wird es Einschränkungen geben und niemand weiß, wie sich die Pandemie über den Winter entwickelt. Vor diesem Hintergrund müssen die Vereine nun selbst entscheiden. Sie stehen vor der Herausforderung, Gesundheitsschutz und finanzielle Risiken gegen den Wunsch nach einem Fastnachtsprogramm abzuwägen. Dass dies keine einfache Aufgabe ist, zeigen die unterschiedlichen Ergebnisse in Okriftel: Während die Wilden Weiber vier Damensitzungen für 2022 angekündigt haben, sieht der CCM weiteres Abwarten als Gebot der Stunde.

"Wir wollten unseren Mitgliedern nicht mit einer 2G-Regelung auf die Füße treten", erläutert der CCM-Vorsitzende Frank Enders. Dabei habe der Verein zunächst an Aktive gedacht, die bei solch einem Konzept möglicherweise ausgeschlossen wären. In weiteren Überlegungen sei der Vorstand dann zu der Auffassung gekommen, dass es auch für Besucher schade wäre, wenn sie aufgrund einer fehlenden Impfung nicht teilnehmen könnten. "Das wollten wir unserem Publikum nicht antun", sagt Frank Enders. Interessierte Zuschauer zurückzuweisen, sei ein sensibles Thema. Darüber müsse man gerade in einem kleinen Ort wie Okriftel nachdenken. Davon abgesehen, könne sich der Vorstand zum jetzigen Zeitpunkt nicht darauf verlassen, dass eine Sitzung unter 2G-Bedingungen im nächsten Jahr überhaupt möglich ist, erklärt der Vereinschef.

Frank Enders räumt ein, dass es abweichende Meinungen gab. So sei von Vorstandsmitgliedern die Frage aufgeworfen worden, wie es denn 2023 weitergehen solle, wenn auch dann noch keine Normalität eintritt. Nach dem Austausch aller Argumente habe sich der Gesamtvorstand, dem der Elferrat und die Verantwortlichen zahlreicher Vereinsgruppen angehören, gegen ein Fastnachtsprogramm entschieden. "Ich bin sehr froh, dass wir einstimmig zu diesem Schluss gekommen sind", betont Enders. Der Verein arbeite nun an Möglichkeiten, andere Veranstaltungen umzusetzen. Noch sei nichts spruchreif. Der CCM würde jedoch gerne den Senatsabend durchführen, in dessen Rahmen verdiente Mitglieder geehrt werden. Außerdem denke der Vorstand darüber nach, in welcher Form der Hexen-Ball oder eine närrische Party stattfinden könnten.

Enders berichtet, dass einige Gruppen unabhängig von der anstehenden Kampagne wieder ihr Training aufgenommen haben. "Das ist uns ganz wichtig, weil wir vorher Bedenken hatten, dass Mitglieder wegbrechen", erklärt der Vorsitzende. Die anhaltende Gemeinschaft der Aktiven zeige, dass Motivation und die Liebe für das Hobby weiterhin bestünden.

Nicht geplant sei eine Neuauflage des CCM-Beutelche. Das Fastnachtspaket, das der Verein in diesem Jahr als Ersatz für die Sitzungen verkaufte, sei eine einmalige Aktion in der schlimmsten Corona-Zeit gewesen, so Frank Enders.

Auch eine virtuelle Sitzung als Video im Internet ist nicht als Alternative für 2022 vorgesehen. "Online-Fastnacht ist nichts für uns", erklärt der Vorsitzende. Er habe Respekt vor Vereinen, die dies anbieten, so Enders. "Hut ab." Die familiäre, freundschaftliche Atmosphäre der CCM-Sitzungen komme dabei nicht auf. "Fassenacht ist live, ist Stimmung und Gelächter", meint der CCM-Chef. All dies fehle eben bei der Online-Version. sas

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare