Dieses neu aufgelegte Buch zum Thema Wohnungslosigkeit von den beiden Autoren Klaus Störch und Jürgen Malyssek richtet sich an Personen, die in der Wohnungslosenhilfe arbeiten sowie an ein akademisches Publikum.
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Dieses neu aufgelegte Buch zum Thema Wohnungslosigkeit von den beiden Autoren Klaus Störch und Jürgen Malyssek richtet sich an Personen, die in der Wohnungslosenhilfe arbeiten sowie an ein akademisches Publikum.

Sozialpolitik

Hattersheim: "Die Schaffung von Wohnraum reicht nicht aus"

Was Klaus Störch, der die Obdachlosen-Einrichtung Sankt Martin leitet, als weitere Hilfe vorschlägt.

Hattersheim -Dass er einmal ein Buch über Wohnungslose schreiben würde, das Studenten in ihren wissenschaftlichen Arbeiten zitieren, hätte Klaus Störch während seiner eigenen Studienzeit nicht gedacht. "Ich wollte in den Bereich der politischen Erwachsenenbildung", erzählt der Leiter der Caritas-Wohnungsloseneinrichtung Haus Sankt Martin am Autoberg in Hattersheim. Seine Tätigkeit in diesem Berufsfeld sei "ein biografischer Zufall", sagt der stets engagierte Mann, der Pädagogik und Soziologie auf Diplom studierte. Durch den Zivildienst in einer Wohnungsloseneinrichtung habe er erste Erfahrungen gesammelt, die er schließlich nach seinem Studium wieder aufgreifen konnte.

Im Jahr 2003 entwickelte Klaus Störch zusammen mit Jürgen Malyssek ein Konzept für die Wohnungslosenhilfe der Caritas. 2009 veröffentlichten beide ihr gemeinsames Buch "Wohnungslose Menschen", das im vergangenen Jahr neu aufgelegt wurde. In der überarbeiteten, 290 Seiten starken Neufassung widmen sich die Autoren nun auch der Situation wohnungsloser Frauen und der Bedeutung von Kunst und Kultur für die Wohnungslosenhilfe. Störch und Malyssek haben die zweite Auflage mittlerweile im Rahmen mehrerer Lesungen vorgestellt. Anfang Juni präsentierten sie ihr Werk im Rahmen einer Online-Veranstaltung vor Studierenden der Hochschule Darmstadt. Im Anschluss sei mit den Teilnehmern über Lösungen für das Problem der Wohnungslosigkeit diskutiert worden, erzählt Störch. Er vertrete den Standpunkt, dass die reine Schaffung von Wohnraum für viele Betroffene nicht ausreicht. "Ich bin der Meinung, dass diese Menschen auch eine Unterstützung durch die Sozialarbeit brauchen", erläutert der Leiter der Hilfseinrichtung.

Einen Tag später lasen Störch und Malyssek auf Einladung von Die Linke Main-Taunus vor sehr interessierten Zuhörern auf dem Hattersheimer Marktplatz. Störch spricht vom "Anfang einer kleinen Lesereise". Im August präsentieren sie ihr Buch auf Einladung der Linken in Kelkheim, ein weiterer Termin in Hochheim oder Eschborn soll folgen. Außerdem sei eine Lesung für die Hochschule Berlin geplant, die wahrscheinlich online abgehalten wird.

Klaus Störch ist als SPD-Mann bekannt. Für die Sozialdemokraten sitzt der Wickerer im Flörsheimer Magistrat. Dass er nun für die Linken auftritt, sei die Folge einer Anfrage gewesen. Wenn es ein Interesse am Wohnungslosen-Buch gebe, würde er genauso auch für die CDU vorlesen, sagt der 61-Jährige. Er räumt allerdings ein, dass er innerhalb seiner Partei eher links orientiert sei und deshalb keine Berührungsängste mit der Linken habe. Eine rot-rot-grüne Koalition - oder "R2G", wie Störch sagt - wäre sein bevorzugtes politisches Reformprojekt. Gerade im Bereich der Wohnungspolitik und der Beschaffung bezahlbaren Wohnraums sieht der Sozialdemokrat Überschneidungen zwischen den Programmen von SPD und Die Linke. Er selbst sei in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen und habe "Sozialdemokratie mit der Muttermilch aufgesaugt". Zu seiner Schulzeit sei es noch üblich gewesen, dass die Kinder von Arbeitern auf die Hauptschule kamen, während der Nachwuchs von höhergestellten Eltern aufs Gymnasium durfte. "Das hat mich ein Stück weit politisiert", erklärt Klaus Störch, der erst durch die Unterstützung eines Lehrers aufs Gymnasium wechseln konnte. Der 61-Jährige beschreibt das gemeinsame Buch als Nischenprodukt. Das neu aufgelegte Werk richte sich an Menschen, die in der Wohnungslosenhilfe arbeiten, und an ein akademisches Publikum. Der Leiter des Hauses Sankt Martin am Autoberg arbeitet aber bereits an einem weiteren Buch, das für einen breiteren Kreis von Lesern interessant sein könnte. Im jüngsten Projekt gehe es um Geschichten und Erzählungen, in denen Wohnungslose selbst zu Wort kommen sollen. Einen Verlag habe er schon, berichtet Störch. Als Veröffentlichungszeitraum sei das Frühjahr 2022 angepeilt. sas

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