Michael Duesterberg steht auf einem Podest in halber Höhe der Mauer, die er nach jahrelanger Arbeit einreißen soll. foto: Kröner
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Michael Duesterberg steht auf einem Podest in halber Höhe der Mauer, die er nach jahrelanger Arbeit einreißen soll.

Baurecht

Hattersheim: Duesterberg kämpft um seine Mauer

Einem Hauseigentümer droht die Abrissverfügung für eine Mauer. Dabei geht es anscheinend nur um eine instandgesetzte Wand.

Okriftel -Alt und neu, hell und dunkel - der Hof von Michael Duesterberg ist auf allen Seiten von unterschiedlichen Mauern eingerahmt. Um das größte Exemplar vollständig zu erfassen, muss man den Kopf in den Nacken legen und Richtung Himmel blicken. Denn die eindrucksvolle weiße Wand, die entlang der östlichen Grundstücksgrenze verläuft, ist an die fünf Meter hoch. Das Bauwerk schirmt den Innenhof vollständig gegen das Nachbargrundstück ab. "Ich war heilfroh, dass die da steht", sagt Duesterberg, der Nachweise für die Mauer auf Plänen bis zum Jahr 1942 zurückverfolgt hat. Weil der Okrifteler Veränderungen vornahm, stellen sich nun jedoch die Bauaufsicht des Main-Taunus-Kreises und die Stadt Hattersheim quer. Auch der Nachbar ist in den Streit involviert.

Amtlich vermessen

Michael Duesterberg sollte die Mauer abreißen oder eine nachträgliche Baugenehmigung beantragen. 2019 habe ihm der Kreis in einem Schreiben vorgeworfen, die Mauer unerlaubt errichtet zu haben. Der Okrifteler sieht sich jedoch im Recht und kämpft darum, den Charakter seines Innenhofes zu erhalten. Unter anderem dient die Mauer kleinen Nebengebäuden als Rückwand. Der Grundstückseigentümer hat Geld in die Hand genommen, um Gutachten und Vermessungen durchführen zu lassen. Trotzdem findet sein rückwirkender Bauantrag für die Grundstücksbegrenzung bisher keine Anerkennung.

Der Ursprung für Duesterbergs Ärger scheint in den Achtzigern zu liegen. Damals bestand die Mauer noch in ihrer ursprünglichen Bauweise aus Feldbrandsteinen. Der Okrifteler weist darauf hin, dass die Wand im Jahr 1987 amtlich vermessen wurde. Es sei festgestellt worden, dass es sich bei der Grenze der Flurstücke 144 und 147 um eine Nachbarwand nach geltendem Recht handelt. Michael Duesterberg erzählt davon, wie im Jahr 1989 auf dem angrenzenden Grundstück gebaut wurde. Der Nachbar habe im Zuge der Arbeiten einen an die Wand grenzenden Schuppen abgerissen und dabei die Mauer beschädigt. Teile der Wand seien dadurch instabil geworden.

"Dann haben wir geflickt", erzählt Duesterberg. Nach und nach habe er defekte Teile der Mauer erneuert. Er habe sich den Aufbau berechnen lassen und stützende Träger verbaut. Überreste der ursprünglichen Form sind im unteren Bereich erhalten geblieben. Während der Arbeiten, die sich bis 2007 hinzogen, habe sich der Nachbar immer kooperativ verhalten und sich sogar erkundigt, ob er auf seiner Seite eine Werkstatt anbauen könne, berichtet der Okrifteler. Umso erstaunter sei er gewesen, dass sich die Bauaufsicht im November 2019 nach einer Anzeige des Nachbarn an ihn wandte. Duesterberg spekuliert, dass Verkaufabsichten für das Nachbarhaus eine Rolle spielen könnten.

Vorgang nicht mehr auffindbar

Der Kreis habe ihn vor die Entscheidung Abriss oder Neubauantrag gestellt. Aus Sicht von Michael Duesterberg handelt es sich bei seiner Arbeit um keinen Neubau, sondern um eine nicht genehmigungspflichtige Instandsetzung. Die Mauer verlaufe genau an der gleichen Stelle und sei sogar etwas niedriger als zuvor. Dennoch habe er den geforderten Bauantrag gestellt und für Gutachten und Vermessungen bisher 10 000 Euro investiert. Zur Vorbereitung des Bauantrags habe er im Hofheimer Kreishaus um eine Abschrift der damaligen Abrissgenehmigung für den Schuppen des Nachbarn gebeten. Schließlich sei diese Maßnahme der Auslöser dafür, dass die Nachbarwand nicht mehr standsicher war, argumentiert Duesterberg. Er möchte auf Grundlage der damaligen Genehmigung eine Rückbauverfügung fordern.

Vom Kreisbauamt sei ihm mittlerweile aber mitgeteilt worden, dass der Vorgang im Jahr 1989 "nicht auffindbar" ist. Man habe ihm empfohlen, sich an die Stadt zu wenden. Dies tat Michael Duesterberg. Das Hattersheimer Bauamt habe seine Anfrage bisher allerdings nicht beantwortet. "Warum drücken die sich um eine Kopie?", fragt der Okrifteler, der so schnell nicht aufgeben will.

Das Kreisbauamt schrieb ihm am 18. Februar, dass der Hattersheimer Magistrat zuständig sei und das beantragte Bauvorhaben abgelehnt habe, weil die Mauer keiner ortstypischen Einfriedung entspreche. Duesterberg widerspricht. Nicht nur habe die Nachbarwand an dieser Stelle seit Jahrzehnten bestanden - in der direkten Nachbarschaft würden auch ähnliche Wände auf Grundstücksgrenzen stehen. Der Okrifteler betont, er empfinde es als diskriminierend, dass ihm die Baubehörden nach Jahrzehnten die Kosten für Gutachten zu einer Nachbarwand aufbürden, während das benachbarte Phrix-Fabrikgelände unter Hinweis auf Bestandsschutz mit 20 Meter hohen Wohngebäuden bebaut werden dürfe.

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