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Alles richtig eingetippt? Christian Buch schaut dem Europaabgeordneten Michael Gahler (CDU) bei seinem Einsatz an der Kasse über die Schulter. Der "Kassierer" mit EU-Maske war sich nicht zu schade, im Einkaufsmarkt zu arbeiten.

Wirtschaft

Hattersheim: Ein EU-Abgeordneter kassiert

Michael Gahler informierte sich über die Lage seit der Corona-Krise im Einzelhandel - und arbeitete für einen guten Zweck an der Kasse.

Hattersheim -Müsli, Saft und eine Packung Trauben - der Europa-Abgeordnete Michael Gahler (CDU) schob gestern Ware um Ware über den Scanner an der Kasse des Edeka-Marktes Buch. "Es muss möglichst oft Piep machen", erklärte der ungewohnte Helfer, der sich durch eine blaue Mund-Nasen-Abdeckung mit gelben Sternen vom übrigen Kassenpersonal abhob. Gahler kassierte im Markt von Inhaber Christian Buch für einen wohltätigen Zweck. Normalerweise beeinflusst der CDU-Mann den Einzelhandel eher durch politische Abstimmungen auf EU-Ebene.

Dass Kunden so viele unterschiedliche Produkte auf das Fließband an der Kasse legen können, hängt auch mit funktionierenden Warenströmen in Europa zusammen. Das Thema Warenversorgung habe deshalb zu Beginn der Corona-Krise eine große Rolle gespielt, erläuterte Dr. Julian Böcker von der Edeka-Unternehmenskommunikation in Brüssel. Michael Gahler kann durch seine Stimme im Europaparlament auf diese Prozesse einwirken. "Wir haben Vielfalt durch den Binnenmarkt", erklärte der Abgeordnete, der im Stadtteil Okriftel lebt, gegenüber dem Kreisblatt. Grenzen offen zu halten, sei einer der entscheidenden Punkte am Anfang der Pandemie gewesen. "Da hat man gemerkt, wie sehr wir vernetzt sind", meinte der EU-Politiker. Die ersten zwei Wochen nach dem Lockdown seien schwierig gewesen. Dann habe der Druck aus dem Parlament in Brüssel jedoch dazu beigetragen, dass Grenzen offen blieben.

Die meisten Gesetze macht Brüssel

Der Einzelhandel hängt auf vielfältige Weise von Entscheidungen auf EU-Ebene ab. "Zwei Drittel aller Gesetze werden in Brüssel gemacht", betonte Julian Böcker. Bedarf für konkrete Corona-Hilfsmaßnahmen zum Schutz des Einzelhandels sieht Gahler derzeit allerdings nicht. Der Einzelhandel sei während der Krise ein Selbstläufer gewesen, der unter anderem davon profitierte, dass Restaurants geschlossen waren und sich infolgedessen mehr Menschen zu Hause versorgten. Für die einzelnen Märkte waren die vergangenen Monate dennoch eine Herausforderung. So auch im Hattersheimer Edeka-Standort von Christian Buch, an dem Michael Gahler gestern hinter einer schützenden Plexiglasscheibe an der Kasse Platz nahm. Corona habe einiges an Investitionen erforderlich gemacht, berichtete Buch auf Nachfrage. "Die Umrüstung der Märkte musste schnell gehen", so der Geschäftsmann, der einen weiteren Edeka-Markt und einen Bio-Markt in Hofheim betreibt. Durch die Krise seien die Kundenströme mittlerweile etwas anders über den Tag verteilt, weil viele Menschen im Homeoffice arbeiten. Die Nachfrage blieb aber nach wie vor erhalten. Corona sei eine besonders große Herausforderung für die vielen kleinen Läden, die nicht - wie die Supermärkte - durchgehend geöffnet bleiben konnten, erklärt Christian Buch.

Bei Edeka ging es in der Corona-Anfangszeit eher darum, die ungewöhnliche Nachfrage zu bedienen. "Wir hoffen, dass es keine Hamsterkäufe mehr gibt", sagt Buch. Viele Kunden seien beunruhigt. Dies äußere sich unter anderem darin, dass verpackte Waren stärker nachgefragt werden - eine Entwicklung, die dem gegenwärtigen Trend widerspreche. Die allgemeine Verunsicherung äußere sich auch immer wieder an der Kasse, an der Mitarbeiter mit Fragen konfrontiert werden. "Es ist wichtig, unser Personal mitzunehmen", betont Christian Buch. "Die stehen hier an vorderster Front." Der Einsatz der Mitarbeiter sei nur in wenigen Fällen durch die Pandemie eingeschränkt worden. Personen, die zu den Risikogruppen zählen, habe er Zeiten angeboten, zu denen wenig Betrieb herrscht, sagt der Geschäftsmann. Beispielsweise könnten diese Mitarbeiter spät abends die Regale auffüllen.

Michael Gahler konnte gestern mit seiner Schicht zufrieden sein. Während der 30 Minuten, in denen der Europaabgeordnete kassierte, kamen 466,74 Euro zusammen. Christian Buch füllte den Betrag auf 1500 Euro auf. Diese Summe wurde als Spende an die Lebenshilfe Main-Taunus überreicht. Für den EU-Experten Gahler ging es anschließend gleich weiter in Richtung Brüssel, wo er unter anderem auf die politischen Folgen der Pandemie Einfluss nehmen möchte. sas

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