Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler und Stadtarchivarin Anja Pinkowsky eröffneten in der Galerie des Naussauer Hofs die Ausstellung "Hattersheim wird Stadt".
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Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler und Stadtarchivarin Anja Pinkowsky eröffneten in der Galerie des Naussauer Hofs die Ausstellung "Hattersheim wird Stadt".

Stadthistorie

Hattersheim: Wie aus einer Gemeinde eine Stadt wurde

Eine Foto-Ausstellung im Nassauer Hof erinnert an dieses Ereignis, das 50 Jahre zurückliegt.

Hattersheim -Es war ein rauschendes Fest. Vier Tage lang feierten die Hattersheimer im September 1970 mit Musik, Tanz und Feuerwerk. Der Anlass dieses Spektakels war die Erfüllung eines lange gehegten Ziels: Die wachsende Gemeinde durfte sich in diesen Tagen erstmals Stadt nennen. Bürgermeister Norbert Winterstein nahm die Urkunde über die Stadterhebung am 11. September 1970 entgegen. Mit der Ausstellung "Hattersheim wird Stadt" erinnert die Verwaltung nun an das 50 Jahre zurückliegende Ereignis.

In den vorausgegangenen Jahren habe man alles dafür getan, die Bezeichnung Stadt zu tragen, berichtet Stadtarchivarin Anja Pinkowsky. Die Verwaltungsmitarbeiterin hat die Ausstellung zusammengestellt. "Es war eine Riesen-Werbekampagne", sagt Pinkowsky. "Man hatte Angst, von Frankfurt oder Wiesbaden eingemeindet zu werden." Dies sei so weit gegangenen, dass die Gemeinde bereits in den 60er Jahren einen Archivar damit beauftragte, eine Chronik Hattersheims zu erstellen - wohl mit dem Hintergedanken, dass eine richtige Stadt auch eine Chronik brauche.

Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung "Heidersheim" stammt aus dem Jahr 1132. In den folgenden Jahrhunderten blieb der Ort relativ klein. Erst mit der Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Hattersheim langsam zum Industriestandort und Wohnort für Arbeiterfamilien. Die Stadterhebung sei letztlich der Lohn für die harte Arbeit in den 25 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen, sagt Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler (FWG).

Urkunde ist zu sehen

Es gibt kein einzelnes Kriterium dafür, wann eine Gemeinde als Stadt gilt. Die Hessische Gemeindeordnung verlange ein "städtisches Gepräge", so Anja Pinkowsky. Dazu tragen verschiedene Standortfaktoren bei. Ein wichtiger Faktor war die Einwohnerzahl, die sich von den 40er Jahren bis 1963 mit einem Anstieg auf rund 8000 Einwohner fast verdoppelte. Bis Mitte der Siebziger wuchs die Bevölkerung auf 9435.

Der Wandel der Wirtschaftsstruktur unter Bürgermeister Alfred Embs sei ein wichtiger Grundstein gewesen, betont Erster Stadtrat Spengler. Unter Embs stieg die Zahl der gewerbesteuerpflichtigen Betriebe von 176 im Jahr 1951 auf 255 im Jahr 1962. Als Beispiel nennt Spengler den Kartenhersteller Albert Horn, der sich in der Schulstraße ansiedelte. Arbeit fanden die Hattersheimer auch in der Sarotti Schokoladenfabrik, der Taunus Glashütte oder in der Phrix Zellulosefabrik. Im Februar 1970 beantragte Hattersheim beim Land Hessen die Verleihung der Bezeichnung Stadt. "All das, was in den letzten [...] Jahren geschehen ist, hat sich zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefügt", erklärte Bürgermeister Norbert Winterstein in seiner Rede anlässlich der Stadterhebung. Die Urkunde, die er damals entgegen nehmen durfte, ist in der Ausstellung zu sehen. Anja Pinkowsky konzentrierte sich bei der Konzeption der Ausstellung auf den Zeitraum von 1945 bis 1970. sas

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