Feuerwehr-Gerätewart Markus Stammer hat alles im Blick. Neben mehreren Spiegeln zeigt ab sofort zudem eine außen am Fahrzeug montierte Kamera, was sich neben und hinter dem Fahrzeug abspielt.
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Feuerwehr-Gerätewart Markus Stammer hat alles im Blick. Neben mehreren Spiegeln zeigt ab sofort zudem eine außen am Fahrzeug montierte Kamera, was sich neben und hinter dem Fahrzeug abspielt.

Verkehrssicherheit

Hattersheim: Elektronik hilft Unfälle zu vermeiden

In allen städtischen Fahrzeugen mit über 3,5 Tonnen Gewicht wurden Abbiegeassistenten installiert.

Hattersheim -Wenn sich Markus Stammer in der Fahrerkabine der Feuerwehr-Drehleiter umschaut, sieht er vor allem eins: Spiegel in allem Formen und Positionen. Auf der rechten Seite fällt der Blick zuerst auf den sogenannten Rampenspiegel, der sich vor der Windschutzscheibe befindet und alle Hindernisse direkt vor dem Fahrzeug anzeigt. Drei weitere Spiegel befinden sich neben dem rechten Seitenfenster. Sie decken den Boden und die Fahrzeugseite im normalen und im Weitwinkel-Format ab. Trotz dieser Flut an Spiegelbildern kommt nun eine weitere technische Sichthilfe hinzu.

Der Neuzugang in der Fahrerkabine ist ein flacher Bildschirm im Format eines großen Smartphones. Zunächst bleibt der Monitor auf dem Armaturenbrett schwarz. Im Gefahrenfall kann sich die Anzeige jedoch selbst aktivieren und zusätzlich durch ein rotes Licht auf sich aufmerksam machen. "Man sieht es aus dem Augenwinkel", sagt Markus Stammer, der als hauptamtlicher Gerätewart für die Feuerwehr tätig ist. Der Bildschirm aktiviert sich beim Blinken, beim langsam Fahren einer Kurve und wenn etwas im Sichtfeld auftaucht. Was der Bildschirm zeigt, ist mit den Reflexionen in den Spiegeln kaum zu vergleichen. Der Fahrer sieht alles, was sich auf der Fahrzeugseite und mehrere Meter daneben abspielt, auf einen Blick. Außerdem gibt es einen Lautsprecher, der die Geräusche von außen nach innen überträgt. Die zugehörige Kamera verbirgt sich in einem unauffälligen roten Kasten an der rechten Fahrzeugseite, unterhalb der Außenspiegel.

Ziel der Neuanschaffung ist der Schutz von Radfahrern und Fußgängern, die beim Abbiegen großer Fahrzeuge immer wieder Gefahr laufen, übersehen zu werden. Die Stadt Hattersheim hat acht Einsatzwagen der Feuerwehr und zwei Fahrzeuge des Bauhofs mit den kamera- und radargestützten Abbiegeassistenten ausgestattet. Die Kamera kann bewegliche Objekte erkennen und von Bäumen oder Laternenmasten unterscheiden.

Der Schritt sei sinnvoll, weil bei der Feuerwehr wechselndes Personal hinter dem Lenkrad sitze, erläutert Stadtbrandinspektor David Tisold. "Wir haben keine Berufskraftfahrer", so der Feuerwehrchef. Der Einsatz mehrerer Unterstützungssysteme sei deshalb angebracht: "Wir sehen immer wieder, dass Kinder oder Radfahrer den fahrenden Verkehr nicht genug berücksichtigen." Trotz der vielen Spiegel könne man nicht alles im Auge behalten. Glücklicherweise sei ihm bisher kein Hattersheimer Fall bekannt, in dem es zu einem derartigen Unfall kam. Die Feuerwehr sei jedoch durch Berichte in der Presse sensibilisiert.

Die Idee geht auf einen Antrag der SPD-Fraktion zurück, die sich dafür einsetzte, bei der Neubeschaffung von Fahrzeugen entsprechende Kameras zu installieren. Die Stadt sei nun sogar noch einen Schritt weiter gegangen und habe alte Fahrzeuge nachgerüstet, erklärt David Tisold. Auf Wunsch der Verwaltung wurden alle Fahrzeuge mit einem Gewicht von über 3,5 Tonnen mit der neuen Technik ausgerüstet.

Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) erklärte bei dem Vorführtermin des neuen Geräts, dass die Stadt außerdem ein Vorbild sein und dafür werben wolle, das Hattersheimer Unternehmen ihre Fahrzeuge ebenfalls nachrüsten.

Die Kosten für die neuen Sicherheitssysteme belaufen sich auf 22 000 Euro. Die Stadt konnte auf Unterstützung aus einem Förderprogramm zurückgreifen. Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) übernahm einen Anteil in Höhe von 15 000 Euro. Künftige Neuanschaffungen für den städtischen Fuhrpark, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen, sollen direkt mit dem neuen Kamerasystem bestellt und geliefert werden. Ab dem Jahr 2024 werden nämlich die Abbiegeassistenten bei allen Lastwagen-Neuanschaffungen zur Pflicht. sas

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