Sie verfolgten gestern Abend die Trendzahlen am Bildschirm (v. li.): Rathauschef Klaus Schindling (CDU) und FDP-Fraktionschef Dietrich Muth.
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Sie verfolgten gestern Abend die Trendzahlen am Bildschirm (v. li.): Rathauschef Klaus Schindling (CDU) und FDP-Fraktionschef Dietrich Muth.

Kommunalwahl

Hattersheim: Erdrutsch-Siegfür die CDU

Bündnis 90/Die Grünen bleiben knapp hinter den Sozialdemokraten.

Hattersheim -Verunsichert waren die Parteien in den vergangenen Monaten, seitdem es die Corona-Krise gibt. Denn weder konnte ein normaler Wahlkampf organisiert werden, noch war die Gelegenheit günstig, sich besonders zu profilieren. Bei vielen Themen waren sich die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung einig. Entsprechend konnte die Stimmung nur schwer eingeschätzt werden. Dafür gab es aber allerhand Unsicherheiten. Zum Beispiel, wie und ob das negative Verhalten von CDU-Bundestagsabgeordneten bei der Masken-Affäre sich niederschlagen wird oder wie das Verhalten der Politiker beim Impf-Desaster bestraft wird. Alles Fragen, die bis zur Kommunalpolitik durchschlagen könnten. Doch Experten meinten: Nein, die Wähler wissen und beurteilen, was in der Stadt geschieht und was in der Kommune entschieden wird. Deshalb waren die Fachleute sicher, dass die Wähler differenziert bei ihren Entscheidungen vorgehen als vielfach angenommen.

In Hattersheim war die große Frage: Bekommt Bürgermeister Klaus Schindling, der zugleich Hattersheimer CDU-Vorsitzender ist, tatsächlich einen Schub für sein Engagement sowie für die Politik der Koalition? Die Antwort wurde gestern Abend beim Trendergebnis (ohne die kumulierten und panaschierten Stimmen) krachend gegeben: Nach der Auszählung der Listenwahlstimmen kommt die CDU auf 49,33 Prozent. Die über sechs Jahrzehnte dominierende SPD spielt da mit 19,03 Prozent nur noch eine Nebenrolle. Die Grünen folgen mit 17,50 Prozent, danach steht die FDP mit 6,72 Prozent zu Buche, die FWG steht bei 6,55 Prozent. Die (Spaß-)Partei konnte 0,87 Prozent der abgegebenen Listen-Stimmen für sich gewinnen.

Einer der ersten Anrufer die Klaus Schindling zu seinem historischen Sieg beglückwünschten, war Kriftels Bürgermeister Christian Seitz (CDU). Schindling habe das einst rote Hattersheim schwarz angestrichen, meinte Seitz in Anspielung auf die jahrzehntelange Fast-Alleinherrschaft der Sozialdemokraten.

FDP hatte sich mehr erhofft

Klaus Schindling gab sich gestern Abend trotz des überlegenen Wahlsiegs zurückhaltend. Er habe zwar gehofft, dass die sehr gute Arbeit der Koalition und der Verwaltung honoriert werde. Dass dies aber noch zur absoluten Mehrheit führen kann, wenn alle kumulierten und panaschierten Stimmen ausgezählt sind, daran hatte der CDU-Vorsitzende nicht zu denken gewagt.

Doch was sieht der Bürgermeister als Hauptgrund für den Sieg an? Die Antwort ist eindeutig. "Wir haben geliefert, was wir versprochen haben." Zu den Versprechen zählt Schindling die Sanierung der Stadthalle, die Ansiedlung von neuen Unternehmen, den Wohnungsbau sowie den Abbau des Sanierungsstaus bei öffentlichen Gebäuden. "Noch liefern" möchte der CDU-Vorsitzende eine Neubewertung der Verkehrspolitik sowie die Realisierung des Stadtentwicklungskonzeptes, das noch diskutiert wird.

Die Frage, ob die Koalition von CDU, FWG und FDP fortgesetzt wird, beantwortet Klaus Schindling mit einem klaren "ja". Die Koalitionäre hätten ihn als Bürgermeisterkandidat unterstützt und seine Politik sowie die CDU-Vorhaben mitgetragen. Deshalb wolle er vorschlagen, an dem Dreier-Bündnis festzuhalten, das erfolgreich zusammengearbeitet habe.

Was des einen Freude ist, kann des anderen Leid sein: FDP-Fraktionsvorsitzender Dietrich Muth war nicht so zufrieden mit dem Abschneiden seiner Partei. Die Liberalen stagnierten und blieben fast auf dem Niveau der Wahl im Jahr 2016. Er habe sich erhofft, "dass die Wähler honorieren, was die FDP alles mitgestaltet hat", gab Muth frank und frei zu. Nichtsdestotrotz wollen die Freidemokraten bei der "erfolgreichen Koalition" weiter mitarbeiten.

SPD: "Sacharbeit wurde nicht honoriert"

SPD-Fraktionschef Marek Meyer zeigte sich enttäuscht vom Wahlergebnis. Mit 19,03 Prozent der Stimmen hat der Niedergang der Sozialdemokraten einen neuen Höhepunkt erreicht. Dass die SPD derart "abgestürzt ist", wie Meyer erklärte, dafür habe es verschiedene Gründe gegeben. Zum einen hätten die Wähler die Sacharbeit der SPD nicht honoriert. Dabei habe die Fraktion sehr viele Anträge gestellt und Vorschläge gemacht.

Zum anderen spiele vielleicht auch der bundespolitische Disput innerhalb der SPD eine Rolle, wenn auch nicht die Hauptrolle. "Wir haben bei Kommunalwahlen immer besser abgeschnitten als bei Landtags- oder Bundestagswahlen", erinnerte Meyer an die Ergebnisse in den vergangenen Jahren. Zudem hätten früher die Sozialdemokraten vom Amtsbonus des Bürgermeisters profitiert, nun könne dies die CDU für sich verbuchen. "Wir wollen weiterhin eine gute Oppositionsarbeit leisten und eigene Vorschläge einbringen", kündigte der Sozialdemokrat an. Da die Fraktion kleiner geworden sei, müsse die Arbeit auf weniger Schultern als bisher verteilt werden.

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