Ganz unkompliziert wurde ein Impfangebot in der Siedlung im Stadtteilbüro durchgeführt. So wie hier auf dem Foto von einer Impfaktion in Wismar, konnten sich Interessenten ohne Anmeldung impfen lassen.
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Ganz unkompliziert wurde ein Impfangebot in der Siedlung im Stadtteilbüro durchgeführt. So wie hier auf dem Foto von einer Impfaktion in Wismar, konnten sich Interessenten ohne Anmeldung impfen lassen.

Corona-Pandemie

Hattersheim: Erfolgreichste Aktion dieser Art im Main-Taunus-Kreis

86 Personen aus der Siedlung nahmen den ohne Anmeldung angebotenen Impftermin im Stadtteilbüro in Anspruch.

Hattersheim -Die Einwohner von Hattersheim haben es nicht weit bis zum Impfzentrum des Main-Taunus-Kreises. Die zentrale Anlaufstelle für Immunisierungen gegen Covid-19 befindet sich auf dem Kastengrund-Gelände auf Hattersheimer Gemarkung. Trotz dieser räumlichen Nähe bestehen weiterhin Hürden, die Menschen daran hindern, sich den Impfschutz zu holen. Einkommensschwache Schichten und Familien mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache sind oftmals schwieriger zu erreichen. Diese Hürden versuchte die Stadt am Samstag mit einer großangelegten Impfaktion in der Siedlung südlich der Bahnlinie abzubauen - mit Erfolg.

Ende des vergangenen Jahres war Hattersheim mit negativen Höchstwerten aufgefallen. Die ehemalige Rosenstadt führte den Kreis bei der Corona-Inzidenz und der Zahl der Neuinfektionen an. "Es war uns ganz wichtig, dass es besser wird", betont Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) auf Nachfrage des Kreisblatts. Dazu habe die Stadt mit Hilfe ehrenamtlicher Unterstützer viel Aufwand betrieben. Unter anderem halfen die Familien-Offensive und Mitglieder des Ausländerbeirates bei den Information, die vor dem Impftermin angeboten wurden. Viersprachige Broschüren seien in Briefkästen verteilt worden, erläutert der Rathauschef. In den Schreiben warb die Stadt in Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch für die Impfkampagne. Nun kann sich Hattersheim über einen positiven Spitzenplatz freuen: Der mobile Impftag im Stadtteilbüro in der Pregelstraße wurde gut angenommen und war laut DRK die erfolgreichste Aktion dieser Art im Kreis.

Insgesamt 86 Menschen erhielten zwischen 10 und 16 Uhr ihre Impfdosis. Darunter waren 75 Erstimpfungen. 76 Impfwillige ließen sich mit dem Vakzin des Herstellers Biontech immunisieren, zehn entschieden sich für den Impfstoff von Johnson & Johnson. "Wir sind sehr erfreut", sagt Heike Bülter, Leiterin des Stadtteilbüros. Bei vielen der Teilnehmer habe es sich um Menschen gehandelt, die um die Ecke wohnen, sich bisher aber nicht zum Impfen getraut hätten. Manche Bewohner der Siedlung seien auch am Samstag noch unsicher gewesen - einige hätten zunächst telefonisch angefragt, sagt die Leiterin des Stadtteilbüros. So gut wie jeder, der vor Ort vorbeikam, habe sich letztlich aber impfen lassen. Eine türkische Ärztin und eine Arabisch sprechende Apothekerin halfen dabei, die Fragen von Menschen mit Migrationshintergrund zu beantworten. Das Team des Stadtteilbüros habe Kuchen angeboten und mit den in der Siedlung bekannten Gesichtern dafür gesorgt, Vertrauen aufzubauen.

Heike Bülter sieht den Erfolg der Aktion darin begründet, dass alles sehr einfach zugänglich war. Zu den Hürden, die Menschen von der Impfung abhalten, gehöre ihrer Ansicht nach zuerst die sprachliche Barriere. Diese wurde im Stadtteilbüro nicht nur durch internationale Mitarbeiter aufgehoben, sondern auch durch mehrsprachige Informationsblätter. Die digitale Terminvergabe und der Weg bis zum Impfzentrum seien weitere Barrieren, vermutet Bülter. "Wenn jemand kein Auto hat, dann ist auch der Weg zum Impfzentrum im Kastengrund eine Hürde."

Der nächste Impftag im Stadtteilbüro folgt in drei Wochen. Am 28. August sollen vor allem Zweitimpfungen in der Pregelstraße 5 durchgeführt werden. Erstimpfungen seien an diesem Tag aber ebenfalls möglich, erklärt Heike Bülter. Das Impfteam wird erneut von 10 bis 16 Uhr vor Ort sein.

Bürgermeister Schindling kündigt an, dass ähnliche Aktionen auch für die Stadtteile Okriftel und Eddersheim geplant sind. Dort möchte die Stadt vor allem auf die Menschen in der Siedlung zwischen Buchenstraße und Erlenstraße und auf Bewohner der Neuen Heimat zugehen. sas

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